Frankfurt/Main –

Spotify spielt sich für die Börse warm

Der Streamingdienst für Musik braucht Geld für Zukäufe. Die Finanzplanung führt an den Aktienmarkt

Frankfurt/Main.  Rihanna steht ganz oben. Jedenfalls in der amerikanischen und auch der globalen Hitliste verteidigt die Popsängerin aus Barbados mit „Work“ Platz 1 beim Streamingdienst Spotify. Der selbst sorgt sich, ob er seine Marktführerschaft verteidigen kann. Finanziell rüstet sich Spotify gerade, will Konkurrenten übernehmen. Und die gewählte Finanzierungsmethode wird den Streamingdienst an die Börse bringen.

Beim Streaming hört man Musik über das Internet, speichert sie aber nicht auf dem Abspielgerät. Der Markt wächst, bisher wird aber kaum Geld verdient.

Die Schweden unter ihrem Gründer und Chef Daniel Ek verhalndelmn erst einmal über einen Kredit von einer Milliarde Dollar (880 Millionen Euro). Das Geld geben wollen Kunden der Investmentbank Goldman Sachs, etwa die Finanzinvestoren TPG und Dragoneer Investment. Weil Spotify alles andere als profitabel ist, sondern jährlich gut hundert Millionen Dollar verliert, sind die Kreditkonditionen entsprechend scharf: Spotify soll im Niedrigzinsumfeld jährlich üppige fünf Prozent Zinsen zahlen. Alle sechs Monate kommt ein Prozentpunkt drauf, bis zehn Prozent erreicht sind oder Spotify an die Börse geht.

Auch für den möglichen Börsengang ist Finanz- und damit Zeitdruck eingebaut. Denn der Kredit ist in Form einer Wandelanleihe angedacht. Er wird also nicht in Geld, sondern in Aktien getilgt. Die Kreditgeber sollen sich auf den Emissionskurs einen Abschlag von 20 Prozent ausbedungen haben. Und sie wollen diesen Nachlass nach einem Jahr alle sechs Monate um weitere 2,5 Prozentpunkte steigen sehen. Er würde nach zwei Jahren also bei 25 Prozent liegen, wie „New York Times“ und „Wall Street Journal“ berichten.

Warum das alles? Letztlich muss eine frische Bewertung für Spotify her. Die brauchen Investoren, sei es um wieder auszusteigen oder um ihr Vermögen anders zu verwerten, etwa um Spotify-Aktien gegen andere Vermögenswerte zu tauschen, wenn Aktien als Währung zum Kauf von Konkurrenten genutzt werden sollen. Eine Bewertung durch den täglichen Handel an der Börse wäre etwas Unumstößliches.

Doch das ist bei ständig roten Zahlen nicht so leicht. Und es herrschen auch nicht mehr Zustände wie etwa zur Jahrtausendwende am deutschen Neuen Markt, wo Verluste nichts zählten, nur Hoffnungen auf spätere Gewinne – in manchen Fällen waren die Preise dann überzogen, die Geschäftsmodelle doch nicht so tragfähig. Dass Investoren genauer hinsehen, hatte zuletzt Rocket Internet gemerkt: Der Berliner Firmenentwickler wollte Ende 2015 seinen Kochboxen-Lieferdienst HelloFresh an die Börse bringen. Der Emissionspreis der Aktien war so festgelegt, dass 2,6 Milliarden Euro Unternehmenswert herausgekommen wären. Den wollte angesichts von 120 Millionen Euro Umsatz niemand zahlen. Der Börsengang fiel erst einmal aus. Der Imageschaden für die Rocket-Eigner blieb.

Spotify kam bisher auf einen (außerbörslichen) Unternehmenswert von umgerechnet sieben Milliarden Euro. Will das Unternehmen den halten oder gar mehren, muss es wachsen. Namhafte Konkurrenten bedrängen Spotify, vor allem Apple. Der US-Technologiekonzern startete im Juni vergangenen Jahres einen eigenen Streamingdienst und meldete schon sechs Monate später elf Millionen Abonnenten. Das könnte Spotify kaltlassen, haben die Schweden doch 30 Millionen zahlende Kunden, die werbefrei Musik hören können, und 55 weitere Millionen, die kostenlos hören und dafür Werbeeinblendungen in Kauf nehmen.

Doch es gibt weitere Konkurrenten: Deezer aus Frankreich kommt auf sechs Millionen Kunden, die amerikanische Rhapsody sprach zuletzt von 3,5 Millionen Abonnenten. Auch auf dem Markt: Tidal aus den USA, Prime Music des US-Onlinehändlers Amazon und aus Berlin Soundcloud. Das Unternehmen haben – wie Spotify – Schweden gegründet. Die meisten verdienen kein Geld.

Das könnte Spotify durch Übernahmen vielleicht ändern. Technik ließe sich gemeinsam nutzen, die Kosten senken. Auch zusätzliche Dienste wären denkbar, Infos zur Musik etwa, Konzerte ausrichten, Eintrittskarten verkaufen. Es muss jedenfalls Wachstum her: um die aktuelle Bewertung zu rechtfertigen und die künftige, womöglich höhere, erst recht.