Hamburg –

Der Glanz des digitalen Goldkontos

Zwei Kanadier setzen auf das Edelmetall und wollen das Bezahlen revolutionieren

Hamburg.  Gold genießt, trotz der durchwachsenen Kursentwicklung, bei den Deutschen einen guten Ruf. Denn in dem Edelmetall finden der Mythos einer stabilen Wertanlage und die Sehnsucht nach einer starken Währung zusammen. Doch Gold bringt keine Zinsen. Im Gegenteil, es kostet Geld, es zu lagern. Beim Kauf und Verkauf werden Gebühren fällig. Und als Zahlungsmittel ist es nicht zu gebrauchen. Doch seit Sommer 2015 gibt es Bitgold.

Das kanadische Start-up bietet Kauf, Lagerung und Verkauf von physischem Gold auch in Kleinstmengen zum jeweils aktuellen Kurs an. Diese Dienstleistung ist mit einem Verrechnungskonto in Dollar oder Euro kombiniert. Dazu gibt es eine kostenlose Prepaid-Mastercard, die auch am Geldautomaten funktioniert. In gewisser Weise ist Bitgold als Zahlungsdienstleister mit Paypal zu vergleichen. Der Einsatz einer alternativen Währung hat auch Ähnlichkeit mit Bitcoin. Nur das bei Bitgold echtes Gold statt Kryptogeld die Basis bildet.

Ganz offensichtlich haben die beiden Gründer Roy Sebag und Josh Crumb eine Marktlücke gefunden, als sie 2012 gemeinsam die Idee für Bitgold hatten. Das Unternehmen wächst im Moment schneller als Facebook oder Uber in der Startphase. Am 23. November begrüßten die Kanadier ihren 500.000 Kunden, dieses Jahr sollen es eine Million sein. Verwaltet wird das Konto über den Rechner oder eine Smartphone- App. Als Basis dient der aktuelle Börsenkurs für Gold. Sowohl beim Kauf als auch beim Verkauf erhebt Bitgold jeweils eine Gebühr. Damit sind auch sämtliche Kosten für die Lagerung und Versicherung des Goldes abgedeckt. Dafür arbeitet das Start-up mit der Sicherheitsfirma Brinks zusammen, die an mehreren Orten weltweit das Edelmetall lagert. Ein digitales Register dient als Eigentumsnachweis. In Echtzeit wird dort aufgezeichnet, wem welches Gramm Gold im Tresor gehört. Als Kontrollinstanz wachen die Buchprüfer von KPMG über das Prozedere. Sollte Bitgold in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten, gilt das gelagerte Gold als Sondervermögen und wird den Eigentümern zugestellt. Die Lieferung des erworbenen Goldes ist ab zehn Gramm ohnehin gegen Gebühr jederzeit möglich. Für die Ausstellung der Kreditkarte muss mindestens ein Gramm Gold im Depot lagern. Das entspricht beim gegenwärtigen Kurs etwas mehr als 34 Euro.

Jemand der in großem Stil Gold in Kilobarren handeln möchte, findet an internationalen Handelsplätzen auch günstigere Anbieter. Das Goldkontor in Hamburg ist mit seinen Preisen und Gebühren etwas teurer als Bitgold. Für das kanadische Angebot spricht die Flexibilität sehr schnell auch geringe Beträge in Gold anzulegen oder zu verkaufen.

Die Bitgold-Gründer schauen sehr optimistisch in die Zukunft. Sie sehen Milliarden Menschen in der Dritten Welt, die zwar ein Handy, aber kein Bankkonto haben, als potenzielle Kunden. Jährlich wechseln 600 Milliarden Dollar per Überweisung in Schwellenländern den Besitzer. Die Kosten dafür liegen dort doppelt so hoch wie bei Bitgold. Das Unternehmen ist an der kanadischen Börse notiert und wird in Stuttgart unter der Wertpapierkennziffer A14XJP gehandelt.