Peking –

Mysteriöser Großinvestor aus Fernost

Anbang aus China wollte die Sheraton-Hotels kaufen

Peking. Vetternwirtschaft spielt in der chinesischen Geschäftswelt traditionell eine große Rolle – auch unter der kommunistischen Führung. Im Zuge der globalen Expansion vieler chinesischer Unternehmen haben zunehmend auch westliche Unternehmen diese Praxis zu spüren bekommen, etwa die US-Hotelgruppe Marriott. Doch haben die Amerikaner bewiesen, dass sie die besseren Nerven haben. Nach einer wochenlangen Übernahmeschlacht um die Hotelkette Starwood (Sheraton, Westin) hat das Konsortium um den chinesischen Investmentriesen Anbang überraschend sein Angebot über 14 Milliarden Dollar zurückgezogen. Jetzt ist der Weg frei für Marriott mit Starwood zur größten Hotelgruppe der Welt zu fusionieren.

Der Chef ist mit der Enkelin Deng Xiaopings verheiratet

Die Amerikaner hatten es mit einem mächtigen Gegner zu tun. Offiziell ist Anbang ein privat geführter Konzern. Doch Gründer und Vorstandschef ist Wu Xiaohui. Und Wu ist mit Deng Zhourui verheiratet, Enkelin des legendären Staatsführers Deng Xiaoping. Der Reformer, der einst Chinas wirtschaftliche Öffnung einleitete, ist seit fast 20 Jahren tot, seine Nachkommen bekleiden aber weiter wichtige Posten in der Staatsführung. Chinesischen Medienberichten zufolge besetzte zeitweise auch der Sohn des Ex-Premiers Zhu Rongji einen Vorstandsposten. Hinter Anbang verbirgt sich also der chinesische Staat. Und der hat bereits vor einiger Zeit die Devise ausgegeben, Chinas gewaltige Kapitalbestände zu nutzen, um global auf Einkaufstour zu gehen.

Anbang selbst ist auch in China noch nicht lange ein Begriff. Überhaupt ins Gespräch gebracht hat sich die Unternehmensgruppe erst in den vergangenen zwei Jahren mit einer Reihe von zum Teil spektakulären Übernahmen. Aufgekauft hat das in China offiziell als Versicherung notierte Unternehmen Finanzdienstleister in den USA, Belgien, den Niederlanden und Nordkorea, sowie eine Reihe von Immobilien und Hotels. Sicherlich am meisten Aufsehen erregte der Kauf des renommierten Waldorf Astoria in New York im vergangenen Jahr für zwei Milliarden Dollar. Kurze Zeit später schluckte Anbang die Hotelkette Strategic Hotels & Resort – ebenfalls für einen Milliardenbetrag.

Der Gründer begann mit einer Autovermietung

Der Legende nach begann Firmenchef Wu seine Karriere Ende der neunziger Jahre mit einer Autovermietung. 2004 gründete er Anbang als Versicherungsunternehmen und Finanzdienstleister. Er hatte zwei kräftige Kapitalgeber: den Autohersteller SAIC sowie den Ölkonzern Sinopec. Offiziell sind die Ersparnisse der Kunden aus dem Versicherungsgeschäft die wichtigste Geldquelle Anbangs. Dennoch liegt der Verdacht nahe, dass der chinesische Staat Anbang bei seiner weltweiten Expansion finanziell hilft – zumal sich auch Sinopec und SAIC in Staatshand befinden.

Bei Starwood haben sich die Anbang-Investoren übernommen. Doch Gerüchten zufolge plant Anbang bereits den nächsten Coup. Im Gespräch sei nun die Hyatt-Gruppe.