Stuttgart –

Bedingt hilfsbereit

Konzerne leisten bislang nur wenig bei der Integration von Flüchtlingen

Stuttgart.  Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt integrieren, das klingt gut. Große Konzerne haben eigene Initiativen gestartet. Eine erste Bilanz fällt jedoch ernüchternd aus:

Beim Autobauer Daimler (170.000 Mitarbeiter in Deutschland) haben im vergangenen Herbst 40 „Brückenpraktikanten“ angefangen. Aber nur zwei der Flüchtlinge sollen im Herbst eine Ausbildung bei Daimler beginnen. Immerhin hätten fast alle einen Job angeboten bekommen, sagte ein Konzernsprecher. Manche bei Zeitarbeitsfirmen, andere bei Mittelständlern.


Der Chemiekonzern BASF (rund 50.000 Mitarbeiter in Deutschland) hat zum vergangenen Oktober 50 Flüchtlinge in einem Kennenlernprogramm aufgenommen, das die Teilnehmer auf den Arbeitsmarkt vorbereiten soll. Bislang sei noch keiner bereit für ein bezahltes Praktikum, eine Ausbildung oder gar den Direkteinstieg, sagt eine Sprecherin. „Wir sammeln noch viele Erfahrungen, wo Hindernisse sind.“ Aufenthaltsstatus und Arbeitsrecht seien große Hürden, genauso wie Deutschkenntnisse. So müssen die potenziellen Mitarbeiter bei dem Chemiekonzern in der Lage sein, Sicherheitsvorschriften auch auf Deutsch zu verstehen. BASF plane deshalb derzeit noch nicht, eine weitere Gruppe von Flüchtlingen aufzunehmen.

Der Softwarekonzern SAP (rund 18.000 Mitarbeiter in Deutschland) versucht seit vergangenem Jahr, 100 Flüchtlingen mit technischem Grundwissen einen Praktikumsplatz zu vermitteln. Sie sollen allerdings bereits einen Hochschulabschluss oder vergleichbare Qualifizierungen mitbringen. Bislang haben rund 40 von 150 Bewerbern eine Zusage erhalten. Lediglich ein Syrer hat einer SAP-Sprecherin zufolge eine Stelle bei SAP bekommen. Er sei seit 2013 in Deutschland, spreche inzwischen nahezu perfekt Deutsch, könne Programmieren und habe Kenntnisse im Personalmanagement.


Auch die Deutsche Bahn (rund 196.000 Mitarbeiter in Deutschland) setzt auf Vorbildung und wählt eine sehr begrenzte Zahl an Flüchtlingen aus: Nur 15 berufserfahrene Flüchtlinge mit Erfahrung im Bereich Elektrotechnik werden seit November zu Elektronikern im Betriebsdienst ausgebildet. Das Programm dauert 28 Monate. Die ersten Erfahrungen seien gut, sagte ein Sprecherin. Deshalb wolle die Bahn das Programm für andere Berufe ausbauen etwa Gleisbauer. Darüber hinaus will die Bahn auch ein Grüppchen von 35 Flüchtlinge in ein Berufsvorbereitungsprogramm aufnehmen, an dem jährlich 300 Jugendliche ohne Ausbildungsreife teilnehmen können.


Selbst die Organisation Pro Asyl sieht die bisherigen Konzerninitiativen für Flüchtlinge mit Skepsis. „Unterm Strich kommt dabei wenig raus“, sagt der stellvertretende Geschäftsführer Bernd Mesovic. Laut Pro Asyl sind es vor allem kleinere Unternehmen, die tatsächlich Flüchtlinge integrieren. Persönliche Kontakte seien dabei entscheidend.


Die Bundesagentur für Arbeit sieht die Integration noch am Anfang. „Die Masse kommt erst im zweiten Quartal und im zweiten Halbjahr auf uns zu“, betont ein Sprecher. Die Behörde rechne damit, dass im Jahresschnitt 130.000 Flüchtlinge als arbeitssuchend gemeldet sind, eine genaue Prognose sei unmöglich. Der Arbeitsmarkt könne theoretisch 350.000 Menschen aufnehmen. Aber den Fachkräftemangel könnten Flüchtlinge wohl erst langfristig lindern.