Konzernstrategie

Der Handelsriese Metro spaltet sich in zwei Teile auf

Umbruch beim Handelskonzern Metro: Die Trennung von Großhandelsgeschäft und Elektroniksparte soll zusätzliche Wachstumschancen bringen.

Unter der Metro-Flagge wird die Elektroniksparte bald nicht mehr geführt.

Unter der Metro-Flagge wird die Elektroniksparte bald nicht mehr geführt.

Foto: FABRIZIO BENSCH / REUTERS

Düsseldorf.  Für die überraschend anberaumte Pressekonferenz ist Metro-Chef Olaf Koch in ein Düsseldorfer Hotel in Nähe der Altstadt ausgewichen. Schließlich sollten die Vorbereitungen für den Tag X auch unternehmensintern möglichst wenig Aufsehen erregen. Bis zuletzt war nur ein kleiner Kreis von Managern über die Planungen zur Aufspaltung des Handelskonzerns informiert.

Es sind weitreichende Pläne, die Metro-Chef Koch präsentierte. Der Handelsriese mit seinen weltweit rund 230.000 Mitarbeitern wird zweigeteilt: Das Großhandelsgeschäft mit der Supermarktkette Real und die Elektroniksparte Media-Saturn (Media Markt, Saturn, Redcoon) sollen zu eigenständigen, börsennotierten Unternehmen werden.

Dauerzwist mit dem Minderheitseigner

„Vielleicht ist es tatsächlich ein historischer Schritt“, kommentierte Konzernchef Koch das absehbare Ende des Metro-Konzerns in seiner derzeitigen Form. „Wir brechen jetzt zu neuen Ufern auf.“

Eine zentrale Rolle dürfte bei den Planungen der Dauerzwist mit Media-Saturn-Minderheitseigner Erich Kellerhals gespielt haben. Der 76-jährige Unternehmer hat bei Europas größter Elektronikhandelskette umfassende Vetorechte.

Verhältnis zur Konzernspitze angespannt

Das Verhältnis zur Metro-Führung ist seit geraumer Zeit angespannt. Mit der Abspaltung könnte Metro-Chef Koch den Einfluss von Kellerhals auf Media-Saturn beschränken. Kellerhals sei jedenfalls „kein signifikanter Aktionär der Metro AG“, betonte Koch. Insofern könne er die geplante Aufspaltung auch nicht stoppen. Die Metro-Großaktionäre Haniel, Schmidt-Ruthenbeck und Beisheim signalisierten bereits Unterstützung für die Pläne zur Zweiteilung des Konzerns.

Stimmt der Metro-Aufsichtsrat den Plänen für die Aufspaltung offiziell zu, soll die Transaktion bis Mitte kommenden Jahres realisiert werden. Die bisherigen Metro-Anteilseigner erhalten dann für einen bisherigen Anteilsschein zwei Aktien.

Beide Konzerne bleiben in Düsseldorf

Beide Unternehmen werden ihren Sitz in Düsseldorf haben. Das Tagesgeschäft von Media-Saturn wird aber vom Standort Ingolstadt gesteuert. In der NRW-Landeshauptstadt soll es eine kleine Holdingverwaltung für die Elektronikkette geben.

Metro-Finanzchef Mark Frese sagte, er rechne mit einer Notierung beider Unternehmen im Börsenindex MDax. Geplant sei, dass der von der Metro entsandte Manager Pieter Haas auch künftig an der Spitze des Elektronikhändlers bleibt, sagte Koch. Er selbst wolle die Großhandels- und Lebensmitteltochter führen.

Beide bekommen einen neuen Namen

Beide Konzerne sollen zudem neue Namen erhalten. Das Management hat sich bewusst gegen die naheliegende Lösung entschieden, die neuen Unternehmen „Metro“ und „Media-Saturn“ zu nennen. Die geplante Holding für die Elektronikkette könne schließlich auch Zukäufe tätigen, die ebenfalls unter dem Dach des Unternehmens verankert würden, betonte Koch: „Die Unternehmensgruppe wird in den kommenden fünf Jahren mehr sein als Media-Saturn.“

Koch ließ auf Nachfrage Details zur künftigen Verteilung der Mitarbeiter in den beiden Konzernen offen. Allein für Media-Saturn arbeiten rund 65.000 Menschen. Die Großhandelssparte (Cash & Carry) zählt knapp 113.000 Beschäftigte, Real hat etwa 36.000 Mitarbeiter.

Verdi enthält sich eines Kommentars

Die Gewerkschaft Verdi reagierte zurückhaltend auf die Ankündigung der Metro. „Die vorliegenden Informationen lassen derzeit keine belastbaren Rückschlüsse auf die Auswirkungen für die Beschäftigten zu“, sagte ein Verdi-Sprecher auf Anfrage dieser Zeitung. „Wir möchten uns an Spekulationen nicht beteiligen und kommentieren die Pläne daher nicht.“

Bei der Supermarktkette Real, die bundesweit fast 300 Märkte betreibt, schwelt derzeit ein Konflikt mit der Gewerkschaft, da sich das Unternehmen aus der Tarifbindung verabschiedet hat. Metro-Chef Koch betonte, die Kette benötige „wettbewerbsfähige Lohnkosten“.

Bekenntnis zur Zukunft von Real

Real gilt seit geraumer Zeit als Sorgenkind der Metro. Regelmäßig wurde über einen möglichen Unternehmensverkauf spekuliert. Koch betonte, hinter Real stehe kein Fragezeichen. „Es gibt keinen Zweifel daran, dass wir an Real festhalten“, betonte er.