Feuer

Nach Feuer bei Wiesenhof erste Kündigungen angekündigt

Der Geflügelproduzent Wiesenhof in Lohne liegt in Schutt und Asche. Produktion an anderen Standorten und Entlassungen sind die Folgen.

Auch am Dienstag war die Feuerwehr noch mit dem Löschen des Großbrands in der Produktionshalle des Geflügelproduzenten Wiesenhof beschäftigt.

Auch am Dienstag war die Feuerwehr noch mit dem Löschen des Großbrands in der Produktionshalle des Geflügelproduzenten Wiesenhof beschäftigt.

Foto: Carmen Jaspersen / dpa

Lohne.  Beißender Geruch liegt über dem Wiesenhof-Firmengelände, von der Hitze verbogene Stahlträger ragen in den Himmel. Bagger ziehen nach dem Großbrand vom Ostermontag Teile der zusammengebrochenen Blechverkleidungen auseinander. Der Mitteltrakt der beiden miteinander verbundenen Hallen im niedersächsischen Lohne besteht nur noch aus Trümmern – er ist zusammengebrochen.

An vielen der Häuser nahe dem umzäunten Gelände bleiben die Rollläden am Tag nach dem Brand unten, Fetzen von Verbranntem liegen in Vorgärten. Immer wieder kommen Schaulustige. „Wahnsinn“, sagt ein Lohner, der durch den Zaun auf den dunklen, stinkenden Schlund einer verkohlten Halle blickt. „Wie schlimm für die vielen Leute, die da sonst arbeiten“, sagt seine Frau. Auch vom nahen Supermarktparkplatz gehen die Blicke immer wieder zu den Hallen des Geflügelproduzenten, der Brand ist Tagesthema im Ort, in dem Wiesenhof zu den größten Arbeitgebern zählt.

Anwohner will vier Explosionen gehört haben

„Das ist ein großer Schock für die Stadt Lohne“, sagt Bürgermeister Tobias Gerdesmeyer (CDU). Er saß beim österlichen Mittagessen, als die Sirenen heulten. Dann zog dichter Qualm durch die Stadt. „Ich wusste sofort, dass etwas Größeres passiert ist.“ Die beste Nachricht sei, dass niemand ernsthaft zu Schaden gekommen sei, sagt Gerdesmeyer. „Ich bin vor Ort gewesen, habe auch die Verpuffungen gehört und Angst um die Feuerwehrkräfte gehabt.“ Die Wehren seien aus der ganzen Region zusammengeholt worden, fast alle seien freiwillige Feuerwehrkräfte. Sie alle hätten eine tolle Arbeit geleistet.

„Wir hatten Glück“, sagt Hubert Schulting, der in einer großen Wohnsiedlung südöstlich der Wiesenhof-Hallen wohnt. Die Qualmwolke wurde vom Wind in eine andere Richtung getrieben. Ihn traf der Schreck am Montagmittag: Beim Blick aus dem Küchenfenster sah er nur wenige Hundert Meter entfernt dicke, schwarze Wolke über die Dächer ziehen. „Die Regenwolken haben sie wie ein Deckel unten gehalten.“ Vier Explosionen will er gehört haben – „Gasflaschen vielleicht“ – und dann über Stunden immer neue Feuerwehrsirenen.

Hoher Millionen-Schaden vermutet

Nach Angaben von Wiesenhof arbeiten rund 1200 Mitarbeiter beim Geflügelspezialisten. Auf unabsehbare Zeit werden dort keine Hähnchen mehr geschlachtet werden können. Schlachtreife Tiere werden zu anderen Standorten gebracht. Bürgermeister Gerdesmeyer geht davon aus, dass der Schlachthof wieder errichtet wird. Täglich wurden in Lohne bis zu 370.000 Hähnchen geschlachtet.

Für Experten beginnt jetzt die Suche nach der Ursache des Feuers, das am Ostermontag ausgebrochen war und nach Schätzungen der Polizei einen hohen Millionen-Schaden angerichtet haben dürfte. Brandermittler sollten noch am Dienstag den Komplex in Augenschein nehmen, wie eine Polizei-Sprecherin sagte. Am Dienstag waren noch 60 Feuerwehrleute für Nachlöscharbeiten vor Ort.

Geschlachtet wird vorerst an anderen Standorten

Die Mitarbeiter sind am Nachmittag bei einer Betriebsversammlung im nahe gelegenen Vechta über den Stand der Dinge informiert worden. Ein Teil der rund 1200 Mitarbeiter könnte „leider nicht weiterbeschäftigt werden“, sagte eine Sprecherin. Für die betroffenen Beschäftigten werde ein Sozialplan erstellt, teilte Wiesenhof mit. Wie viele Mitarbeiter nicht weiterbeschäftigt und wie viele vorübergehend an anderen Standorten eingesetzt sollen, werde im Laufe der kommenden Woche verbindlich mitgeteilt. In dem Teil, der nicht vom Feuer in Mitleidenschaft gezogen wurde, laufen nach Wiesenhof-Angaben zwar die Reinigungsarbeiten, die Produktion steht jedoch erst einmal still.

Wie lange bleibt der Betrieb geschlossen und hat das Auswirkungen auf das Wiesenhof-Angebot? „Zum jetzigen Zeitpunkt gehen wir davon aus, dass die Schlachtung in den nächsten Wochen nicht wieder aufgenommen werden kann“, sagt eine Wiesenhof-Sprecherin. Die schlachtreifen Tiere sollten sofort zu anderen Standorten gebracht werden. Engpässe in der Versorgung der Verbraucher mit Hähnchenfleisch werde es nicht geben. (dpa)