Bilanzen

Die Lufthansa zwischen Horrorabsturz und Rekordzahlen

Die Deutsche Lufthansa hat 2015 einen Rekordgewinn erzielt. Der Wert ist jedoch überschattet vom Absturz der Germanwings-Maschine.

Ein Langstreckenflug der Lufthansa startet vom Flughafen Frankfurt/Main aus Richtung Miami.

Ein Langstreckenflug der Lufthansa startet vom Flughafen Frankfurt/Main aus Richtung Miami.

Foto: Christoph Schmidt / dpa

Berlin.  Carsten Spohr kann sich eigentlich freuen. Ein Gewinnplus von 2987,3 Prozent weist ein Konzernlenker nicht alle Tage vor, schon gar nicht der Chef der Deutschen Lufthansa. Doch 2015 lief dann doch nicht so gut, wie es hätte laufen können. „Ein Jahr, in dem 150 Menschen starben, kann für mich kein Rekordjahr sein“, sagte er bei der Bilanzpressekonferenz in Frankfurt/Main. Und der Ausblick für 2016 ist auch eher verhalten, zumal wichtige Fragen im Konzern noch nicht geklärt sind.

Spohr jedenfalls rechnet für das laufende Jahr mit etwas steigendem Gewinn, wie er ankündigte. Der Konzern wird wohl vor allem vom weiterhin vergleichsweise günstigen Ölpreis profitieren. Das gibt Spielraum für Investitionen. Und für Preisnachlässe. Der Wettbewerb ist hoch. Gerade hat Transavia, der Billigflieger der Lufthansa-Konkurrenz Air-France-KLM vier Flugzeuge am Lufthansa-Drehkreuz München stationiert – eine klare Kampfansage.

Der Konzern zahlt wieder eine Dividende

Von den Zahlen her war 2015 ein gutes Jahr. Lufthansa setzte mit rund 32 Milliarden Euro 6,8 Prozent mehr um, das operative Ergebnis legte um 55 Prozent auf 1,8 Milliarden Euro zu. Der Gewinn erreichte fast 1,67 Milliarden Euro, nach 55 Millionen Euro ein Jahr zuvor. Und das alles, obwohl der Konzern eines der heftigsten Streikjahre der Geschichte erlebt hat. Die Ausstände der Piloten kosteten insgesamt 100 Millionen Euro. Angesichts des Rekordgewinns soll es für Aktionäre auch eine Dividende von 0,50 Euro geben. 2014 waren sie leer ausgegangen.

2015 wird allerdings überschattet vom Absturz einer Maschine der Konzerntochter Germanwings mit 150 Toten, beispiellos in der jüngeren Geschichte der Lufthansa. Der psychisch kranke Pilot hatte das Flugzeug am 24. März in den Alpen gegen eine Felswand gelenkt. Den Angehörigen der Toten habe Lufthansa bislang insgesamt einen zweistelligen Millionenbetrag gezahlt, sagte Spohr. Die Summen lägen individuell bei mindestens 100.000 Euro und gingen schnell in die Millionen.

Der Absturz gefährdet einen Grundpfeiler des Unternehmens

Und der Absturz gefährdet einen der Grundpfeiler eines Luftfahrtunternehmens: Sicherheit. Flugpassagiere vertrauen der Lufthansa und ihren Tochterfirmen aber weiter. Der Konzern beförderte insgesamt 107,7 Millionen Passagiere, ein Plus von 1,6 Prozent.

Germanwings ist inzwischen in der neuen Billigflieger-Dachmarke Eurowings aufgegangen, mit der Lufthansa in den kommenden Jahren kräftig wachsen will. Die Zahl der Flugzeuge für Kurzstrecken innerhalb Europas soll von 85 auf 91 steigen, für Langstrecken sind sieben statt drei Maschinen vorgesehen. Auch die Zahl der Strecken wird ausgebaut. Deshalb rechnet Spohr im laufenden Jahr mit einem Verlust. 2015 hatte Eurowings einen kleinen Gewinn eingeflogen. Die Marke hebt zu deutlich günstigeren Kosten ab als etwa die klassische Lufthansa, die Spohr als Premium-Anbieter aufstellen will.

Tarifgespräche mit Piloten noch nicht abgeschlossen

Allerdings hat Spohr die Kosten nicht so im Griff, wie er wollte. Sie sind auch 2015 gestiegen. Nicht abgeschlossen sind bisher die Tarifrunden mit den Flugbegleitern und den Piloten. Derzeit wird hinter verschlossenen Türen verhandelt. Es geht unter anderem um die Betriebsrenten und Arbeitszeiten. Ausgang offen.