Berlin/Prag/Essen –

Wenig Interesse an Braunkohle von Vattenfall

Steag und Greenpeace bringen Stiftung ins Spiel

Berlin/Prag/Essen.  Das Kaufinteresse an der ostdeutschen Braunkohlensparte des schwedischen Energiekonzerns Vattenfall hält sich in Grenzen. Zum Ablauf der Bieterfrist am Mittwoch wurde bekannt, dass zwei wichtige der bislang vier Interessenten kein verbindliches Kaufangebot abgeben werden: der Essener Energiekonzern Steag und das tschechische Unternehmen CEZ.

Die Czech-Coal-Gruppe des Milliardärs Pavel Tykac legte ein Angebot vor, wie ein Sprecher bekannt gab. Ins Detail ging er wegen einer Verschwiegenheitsklausel nicht. Auch die tschechische EPH-Gruppe gab eine Offerte ab, nannte aber keine Zahlen. Vattenfall äußerte sich nicht zu den Angeboten.

Der schwedische Staatskonzern hatte 2014 entschieden, sich von der Braunkohle zu trennen. Vattenfall gehören in Brandenburg und Sachsen fünf Tagebaue und drei Kohlekraftwerke. Ein weiteres wird mit dem Energiekonzern EnBW im sächsischen Lippendorf betrieben. Betroffen sind etwa 8000 Mitarbeiter.

Die unsichere Zukunft der Braunkohle berge „unbeherrschbare Risiken“, hieß es bei der Steag. Sie schlägt eine privatrechtliche Stiftung mit dem Finanzinvestor Macquarie vor – und bietet sich als Betreiber gegen Festvergütung an.

Brandenburgs Wirtschaftsminister Albrecht Gerber (SPD) sagte, das Modell sei nicht abgestimmt. Die Bundestagsabgeordnete Annalena Baerbock (Grüne) bemängelte, das ökonomische Risiko solle auf Staat und Steuerzahler übertragen werden. Die Umweltorganisation Greenpeace sieht in einer Stiftung eine mögliche Lösung für das Problem Braunkohle. Sie müsse aber einen verbindlichen Ausstiegsplan bis spätestens 2030 festlegen.