Wirtschaft

Schonfrist für GrubeWolfgang Mulke zur Deutschen Bahn

Die Entwicklung bei der Deutschen Bahn ist beunruhigend. Der Schuldenstand wächst und wächst. Es steht ein Milliardenverlust in der Bilanz. Und die Aussichten sind nicht sehr rosig. Im früher lukrativen Nahverkehr senken neue Ausschreibungsstrategien und starker Wettbewerb die Erträge. Im Fernverkehr zwingt der Busverkehr die Bahn dazu, Kunden mit Billigangeboten zu halten – was die Kunden freut, den Konzern aber belastet. Beim Transport von Gütern läuft es ganz schlecht: Das Angebot stimmt nicht mit dem Marktbedarf überein.

Bahnchef Rüdiger Grube hat zwar 2015 eine Art Notbremse gezogen, den halben Vorstand entlassen und ein groß angelegtes Sanierungsprogramm aufgelegt. Doch Erfolge lassen noch auf sich warten. Die Pläne selbst erscheinen aussichtsreich. Die Bahn will mit mehr Qualität Kunden gewinnen und halten. Dafür investiert das Unternehmen viele Milliarden. Ob die Rechnung in einem stark unter Preisdruck geratenen Markt aufgehen wird, ist ungewiss. Da ist auch die helfende Hand der Bundespolitik gefragt. Denn gegenüber der Konkurrenz etwa der Fernbusse ist der Schienenverkehr benachteiligt. Der Bund, Eigentümer der Bahn, könnte mit gleichen Wettbewerbsbedingungen für alle Verkehrsanbieter faire Regeln schaffen. Das will die Regierung derzeit aber nicht.

Ohne Erfolge hat auch der Bahnchef selbst ein Problem. Mit der Sanierung hat er zu lange gewartet, um auf eine zweite Schonfrist hoffen zu dürfen. Die erste läuft gerade. Wenn ihm 2016 keine Trendwende gelingt, wird es ungemütlich.