Finanzmarkt

Warum Deutsche Börse und Londoner LSE fusionieren wollen

Die Deutsche Börse und die LSE wollen mit der Fusion Millionen Euro im Jahr einsparen. Aktionäre und Aufseher müssen noch entscheiden.

Der Handelssaal der Deutschen Börse in Frankfurt: Die Fusion mit der London Stock Exchange rückt näher.

Der Handelssaal der Deutschen Börse in Frankfurt: Die Fusion mit der London Stock Exchange rückt näher.

Foto: dpa Picture-Alliance / Frank Rumpenhorst / picture alliance / dpa

Frankfurt/Main.  Die Börsen in Frankfurt und London drücken bei ihrem geplanten Zusammenschluss aufs Tempo. Die Deutsche Börse und die London Stock Exchange (LSE) einigten sich auf einen „Zusammenschluss auf Augenhöhe“, wie beide Unternehmen am Mittwoch in einer gemeinsamen Erklärung mitteilten. Nun müssen Aktionäre und Aufseher entscheiden.

Die beiden Unternehmen äußerten sich überzeugt, dass der Zusammenschluss beide Seiten stärken werde und die Chance biete, „einen führenden europäischen Anbieter für globale Marktinfrastruktur zu schaffen“. Die Konzerne erwarten von dem Zusammenschluss Kosteneinsparungen von jährlich 450 Millionen Euro.

Hauptsitz in London

Die neue europäische Superbörse soll ihren rechtlichen Sitz in London und Hauptsitze in der britischen Hauptstadt sowie in Frankfurt haben. Deutsche-Börse-Chef Carsten Kengeter, der den Dax-Konzern erst seit Juni führt, soll das Gemeinschaftsunternehmen leiten. LSE-Verwaltungsratschef Donald Brydon wird nach den Plänen diesen Posten auch im fusionierten Unternehmen übernehmen. Als sein Stellvertreter ist der derzeitige Aufsichtsratsvorsitzende der Deutschen Börse, Joachim Faber, vorgesehen.

Angestrebt ist, dass nach dem Umtausch der Aktien die Anteilseigner der Deutschen Börse mit 54,4 Prozent eine Mehrheit an der fusionierten Börse halten. Die LSE-Aktionäre sollen 45,6 Prozent des Grundkapitals der britischen Holdingsgesellschaft „UK TopCo“ halten.

Dritter Anlauf der Deutschen Börse

„Mit dem Zusammenschluss schaffen wir einen weltweit wettbewerbsfähigen Anbieter“, erklärte Kengeter. „Aktionäre werden durch beschleunigtes Unternehmenswachstum und die Realisierung von Kosten- und Umsatzsynergien von diesem wertschaffenden Zusammenschluss profitieren.“ Der seit sieben Jahren amtierende LSE-Chef Xavier Rolet, der im Falle eines erfolgreichen Deals ausscheiden wird, bekräftigte: „Wir erhöhen den Wert für unsere Aktionäre, die von erheblichen Kosten- und Umsatzsynergien profitieren.“

Die beiden Börsenbetreiber hatten nach Marktgerüchten vor drei Wochen ihre Pläne öffentlich gemacht. Für die Deutsche Börse ist es der dritte Anlauf in Sachen LSE nach 2000 und 2005. Zusammen würden Deutsche Börse und LSE nach Börsenwert zu den beiden US-Schwergewichten ICE und CME aufschließen. (dpa)