Essen –

Vattenfall wird Braunkohle nicht los

Bisher gibt es wohl kein substanzielles Angebot. Frist läuft Mittwoch ab

Essen. Vattenfall droht auf seinem Braunkohlegeschäft in Ostdeutschland sitzen zu bleiben. Dem Vernehmen nach will keiner der bisher bekannten Interessenten einen nennenswerten Preis zahlen. Damit droht der Verkauf zu scheitern. Die 8000 Beschäftigten in der Lausitz müssen weiter um ihre Arbeitsplätze bangen. Der Ruf nach einer politischen Lösung, bei der am Ende auch der Steuerzahler beteiligt wäre, wird daher lauter.

Das schwedische Staatsunternehmen will sich im Auftrag der Regierung von der Braunkohle trennen. Nebenbei sollte der umweltpolitisch motivierte Ausstieg aus der besonders klimaschädlichen Stromerzeugung noch ein paar Milliarden Euro in die Konzernkasse bringen. Doch damit hat sich Vattenfall offenbar verkalkuliert. Bis zu diesem Mittwoch hatte sich der Konzern verbindliche Offerten erbeten. Wie aus dem Umfeld des Verkaufsprozesses zu hören ist, zeichnet sich jedoch kein substanzielles Gebot ab.

Weder von den drei tschechischen Interessenten noch von der Essener Steag. Für die Übernahme der Risiken und Folgekosten des Tagebaus werde teils erwartet, dass Vattenfall dem Käufer eine Mitgift überlässt, um einen geordneten Ausstieg und die Rekultivierung der Abbauflächen finanzieren zu können. Als Vattenfall vergangenen September den Verkaufsprozess startete, war noch von zwei bis drei Milliarden Euro als Verkaufspreis die Rede.

Seitdem ist allerdings der Börsenpreis für die Megawattstunde Strom weiter eingebrochen – von mehr als 30 Euro auf mittlerweile rund 20 Euro. Damit gerät auch die Braunkohleverstromung an den Rand der Profitabilität, obwohl sie im Vergleich zu Steinkohle und Gas die geringsten Kosten aufweist. Zugleich hat die politische Debatte über einen vorzeitigen Ausstieg aus der Braunkohle an Fahrt gewonnen. Die tschechischen Bieter schätzen dem Vernehmen nach die Risiken des Kaufs mittlerweile höher ein als die zu erwartenden Erträge.

Die Sorge um die heimischen Arbeitsplätze lässt die Regierungen in den betroffenen Ländern Brandenburg und Sachsen nun über eine politische Lösung nachdenken. Dem Sender rbb zufolge könnten sich die Regierungen ein Stiftungsmodell für die Braunkohle in der Lausitz vorstellen, in das der künftige Betreiber Erlöse einbringen müsste, aber nicht in die volle Haftung ginge. Zuvor hatte die Industriegewerkschaft BCE einen – allerdings bundesweiten – Fonds zur sozialverträglichen Abwicklung der Braunkohle vorgeschlagen.