Wolfsburg/New York –

Abgas-Skandal: VW-Chef in den USA gibt Amt auf

US-Justiz weitet die Ermittlungen aus

Wolfsburg/New York.  Der krisengeschüttelte Autobauer VW verliert mitten im Abgas-Skandal seinen US-Chef. Der Vorstandsvorsitzende Michael Horn (54) verlasse das Unternehmen im gegenseitigen Einverständnis mit der Volkswagen AG mit sofortiger Wirkung, teilte die US-Tochter Volkswagen Group of America am Mittwoch mit. Hinrich Woebcken (55), der für Volkswagen seit Kurzem bereits in leitender Funktion für die Region Nordamerika verantwortlich ist, übernehme Horns Tätigkeiten zunächst übergangsweise, heißt es in der Mitteilung. Horn hatte den Spitzenjob erst im Januar 2014 angetreten.

Volkswagen droht immer mehr juristischer Ärger: Das US-Justizministerium weite seine Ermittlungen aus und gehe nun auch dem Verdacht des Bankbetrugs nach, sagte eine mit den Vorgängen vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters. Das „Wall Street Journal“ berichtete zudem, in diesem Zusammenhang gehe es auch um mögliche Verstöße gegen Steuergesetze. Analysten rechnen nun mit zusätzlichen Strafzahlungen für VW. Volkswagen äußerte sich am Mittwoch dazu nicht. Ein Sprecher bekräftigte, man werde bei den Ermittlungen weiter mit allen zuständigen US-Behörden kooperieren.

Das 1989 für Ermittlungen gegen große Geldhäuser konzipierte US-Gesetz gegen Bankbetrug erlaubt es, unter bestimmten Bedingungen einem Verdacht im Zeitraum der vergangenen zehn Jahre nachzugehen. Es wurde unter anderem in Fällen rund um Autokredit-Anbieter angewandt. Laut „Wall Street Journal“ ermittelt das US-Justizministerium, ob Kreditgeber bei der Finanzierung von Fahrzeugen mit manipulierten Abgaswerten geschädigt wurden.

VW ist in den USA wegen Verstößen gegen Umweltgesetze bereits mit hohen Strafandrohungen konfrontiert. Experten schätzen, dass der Abgas-Skandal einschließlich Schadensersatzzahlungen VW am Ende mehr als 30 Milliarden Euro kosten könnte.

In den USA sind bereits mehr als 500 Sammelklagen eingegangen. Auch immer mehr Autobesitzer in Europa schließen sich offenbar einem geplanten Sammelverfahren an. Die Zahl sei seit Januar von rund 60.000 auf etwa 80.000 gestiegen, sagte Rechtsanwalt Julius Reiter, dessen Kanzlei die Klage gegen VW in Deutschland organisiert. Die meisten Kläger seien österreichische Fahrzeugbesitzer. Reiter betonte: „Wir streben eine außergerichtliche Einigung mit VW an.“ Auch immer mehr Profi-Investoren in Deutschland bringen sich gegen den Autobauer in Stellung. Sie werfen VW vor, über die weit verbreitete Manipulation zu spät informiert zu haben.