Berlin –

Stiftungen geht der Ertrag aus

Wegen niedriger Zinsen muss gespart oder risikoreicher angelegt werden

Berlin.  Nicht nur Banken und Verbraucher ächzen unter den niedrigen Zinsen. Auch Stiftungen kämpfen mit sinkenden Zinserträgen. Vielen fällt es zunehmend schwer, ihren normalen Aufgaben nachzukommen. Die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC schlägt Alarm. „Die Stiftungslandschaft in Deutschland wird sich aufgrund der anhaltend niedrigen Zinsen merklich verändern“, sagt Berthold Theuffel-Werhahn, Leiter des PwC-Bereiches Stiftungsberatung. „Dazu gehört auch, dass Stiftungen abgewickelt werden.“

Noch allerdings entstehen jede Woche im Schnitt elf neue Stiftungen in Deutschland. Im vergangenen Jahr ist die Zahl um 2,5 Prozent auf 21.300 gestiegen. Damit kommen auf 100.000 Einwohner 26 Stiftungen, wie der Bundesverband Deutscher Stiftungen ausgerechnet hat. Ausgaben von geschätzt fünf Milliarden Euro machen das Stiftungswesen zu einer relevanten Wirtschaftsgröße.

Die Stiftungen, die zu 95 Prozent gemeinnützigen Zwecken dienen, sind sich der Probleme niedriger Zinsen wohl bewusst, setzen aber trotz des niedrigen Zinsumfelds auf Wachstum. In einer Umfrage des Stiftungsverbands plant sogar ein Viertel, die Zahlungen weiter zu erhöhen. 60 Prozent der Einrichtungen wollen ihre Ausgaben zumindest konstant halten. „Stiftungen sind zäh. Das beweist auch der Optimismus, mit dem sie auf ihre Ausgaben in den kommenden Jahren schauen“, sagt Michael Göring, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbands. „Stiftungen haben schon schwierigere Phasen als die der niedrigen Zinsen hinter sich.“

Das Vermögen muss erhalten bleiben

Stiftungen müssen entweder ihre Ertragslage verbessern oder aber ihre Ausgaben kürzen. Eine Alternative gibt es nicht. Stiftungsrechtlich sind die Einrichtungen verpflichtet, ihr Vermögen ungeschmälert zu erhalten. An die Substanz darf also nicht gegangen werden. Ausnahmen sind sogenannte Verbrauchsstiftungen, bei denen der Verbrauch des Vermögens ganz oder teilweise vorgesehen ist.

2014 haben Stiftungen im Schnitt 3,3 Prozent Rendite erwirtschaftet, sogar etwas mehr als im Jahr davor. Große Stiftungen sind in der Lage, deutlich mehr herauszuholen. Das liegt nach Ansicht des Verbands am hohen Anteil von Immobilien und Aktien bei der Vermögensanlage. „Außerdem haben sie in der Regel hauptamtliche Mitarbeiter für das Vermögensmanagement“, sagt Göring. Eine Umfrage 2015 ergab, dass Stiftungen mit mehr als 100 Millionen Euro Kapital 2014 im Schnitt auf sechs Prozent Rendite kamen.

Stiftungen sind als ultrakonservative Anleger bekannt, was sich auch nur langsam ändert. Der PwC-Studie zufolge besteht das Anlagevermögen im Schnitt zu gut einem Drittel aus festverzinslichen Anlagen, „deren Verzinsung in den vergangenen Jahren allerdings dramatisch gesunken ist, bis zur Nulllinie“, sagt Theuffel-Werhahn von PwC. Ein Viertel des Stiftungsvermögens werde auf Tages- und Termingeldkonten geparkt. Bei hohen Vermögen drohen dort Strafzinsen.

Die Aktienquoten bezeichnet Theuffel-Wehrhahn als relativ niedrig. „Von der Hausse am Aktienmarkt profitieren die Stiftungen in Deutschland also kaum.“ Dennoch lässt sich der Trend beobachten, dass Stiftungen mehr ins Risiko gehen, um ihr Vermögen nicht nur zu erhalten, sondern zu vermehren und so zumindest gleichbleibend hohe Ausschüttungen ermöglichen zu können.