Brennstoffbranche

Nur Lug und Betrug? German Pellets verbrennt ein Vermögen

German Pellets wollte mit ökologischen Holzschnitzeln die Brennstoffbranche umkrempeln. Jetzt ist die Firma pleite, die Anleger sauer.

Brennende Pellets als Öl- und Gas-Ersatz – eine Idee, die einst als revolutionär in der Energiebranche galt.

Brennende Pellets als Öl- und Gas-Ersatz – eine Idee, die einst als revolutionär in der Energiebranche galt.

Foto: imago stock&people / imago/McPHOTO

Wismar/Berlin.  Es dürfte eine der größten Pleiten der Ökoenergiebranche werden. Seit rund zwei Wochen gerät der deutsche Brennstoffhersteller German Pellets immer wieder in die Schlagzeilen. Es ist nicht nur die gigantische Verlustsumme von fast 700 Millionen Euro, die Anleger verzweifeln lässt, sondern auch immer dubiosere Details, die ans Tageslicht kommen.

Es geht um mögliche gefälschte Bilanzen und um Betrug in Millionenhöhe. Im Mittelpunkt steht Peter Leibold, Gründer und Firmenchef. Er soll wie ein echter Patriarch im Unternehmen gewaltet haben, heißt es. Von teuren Flügen mit dem Privatjet ist die Rede, von hohen Krediten aus der Unternehmenskasse, die ihm gewährt wurden.

Die Staatsanwaltschaft Rostock ermittelt bereits in dem Fall. Es geht um Unterschlagung, um Betrug, aber auch um Insolvenzverschleppung. Wie lange die Ermittlungen andauern werden, weiß keiner.

Komponenten für Erfolgsstory waren gegeben

Für die Firma ist das der Tiefpunkt ihrer Geschichte – dabei hatte German Pellets beste Voraussetzungen, eine Erfolgsstory zu werden. Vor rund zehn Jahren gründete Leibold das Familienunternehmen. Das erste Pelletwerk entstand in Wismar in Mecklenburg-Vorpommern. Seit 2005 wurden nahezu jedes Jahr neue Werke eröffnet oder Firmen aufgekauft. 2010 produzierte das Unternehmen erstmals rund eine Million Tonnen Pellets pro Jahr. Die Übernahme der Fire-Stixx-Unternehmensgruppe und des österreichischen Händlers Heizwert folgten, zwei Werke wurden in den USA eröffnet.

Innerhalb kürzester Zeit entwickelte sich German Pellets zum weltweit größten Produzenten und Hersteller von Holzschnitzeln für Öfen. Finanziert wurde die schnelle Expansion vor allem aus Anleihen. Für die Anleger schien die Investition in die Firma eine gute Sache. Schließlich ging es neben der Rendite auch um einen Beitrag zum Klimaschutz.

Bis Anfang des Jahres sah noch alles gut aus. Bei einer Gläubigerversammlung im Februar musste die Geschäftsleitung dann zugeben, dass eine für Ende März auslaufende Anleihe verlängert werden sollte. „Das war das erste Mal, dass man hellhörig wurde“, sagt Steffen Hartmann, Experte für Kapitalanlagerecht bei der Kanzlei CLLB. Für den Juristen ist dieses Geschäftsgebaren eine „Verschleierungstaktik des Unternehmens“. Vieles erinnert an die Pleite der Windkraftfirma Prokon. Anleger wurden mit hohen Renditen gelockt und verloren am Ende viel Geld. Auch hier ging es um ein Geschäft mit dem guten Gewissen.

Rätselraten um wahren Zustand der Firma

Kein Außenstehender weiß derzeit, wie es wirklich um German Pellets bestellt ist. Als Insolvenzverwalterin Bettina Schmudde ihren Job antrat, soll sie nur wenige Tausend Euro in der Handkasse gefunden haben. Ein schlechtes Zeichen. Allein in Deutschland werden rund 220 Millionen Euro fällig. Die Verbindlichkeiten in den USA belaufen sich auf rund 500 Millionen US-Dollar.

Schätzungen zufolge haben mehr als 10.000 Menschen ihr Geld bei German Pellets angelegt. Sie sind nicht nur verunsichert, sondern vor allem wütend. Sowohl die Anleihegläubiger als auch die Genussrechteinhaber wurden von der Eröffnung des Insolvenzverfahrens vollkommen überrascht. Im Januar lag der Kurswert noch bei rund 90 Prozent des Nominalwerts, dann brach er drastisch zusammen. Heute liegt der Wert bei weniger als zwei Prozent. „Das ist der Super-GAU“, sagt Marvin Müller-Blom, Rechtsanwalt in Frankfurt. Bei seiner Kanzlei haben sich bereits über 100 Anleger von German Pellets registriert. Sie haben zwischen 1000 Euro und mehreren Hunderttausend Euro in das Wismaer Unternehmen investiert.

Derzeit prüfen die Anwälte, welche Ansprüche die Anleger überhaupt geltend machen können. „Die Beweislage ist allerdings schwierig“, sagt Müller-Blom. Wurde über Jahre hinweg falsch bilanziert? Oder gar Geld verschoben? Hinter dem Unternehmen stehen zahlreiche Tochterfirmen und Betriebsgesellschaften.

52 Millionen Euro müssen im März zurückgezahlt werden

Hinzu kommt, dass bereits Berichte kursieren, dass Gelder an Stiftungen in der Schweiz flossen, deren Begünstigte die Ehefrau des Geschäftsführers Leibold sein soll. Es gibt den Verdacht, dass das komplizierte Firmengeflecht bewusst geschaffen wurde, um Geldströme zu verschleiern. Ende März müssen 52 Millionen Euro plus Zinsen zurückgezahlt werden. Der Rest von den 220 Millionen Euro wird bis 2019 fällig. Über die Höhe der weiteren Verbindlichkeiten weiß man nichts.

Der Pelletmarkt sei aber nach wie vor interessant, sagt Josef Auer, Analyst bei der Deutsche Bank Research. „Wenn die fossilen Energien wieder teurer werden, sieht es für den Pelletmarkt nicht schlecht aus.“ So ist es nicht verwunderlich, dass es bereits mögliche Käufer für German Pellets gibt. Doch die Zukunft der rund 650 Mitarbeiter ist ungewiss. Und selbst wenn das Unternehmen weiter besteht, werden Anleger ihr Geld nicht wiedersehen. German Pellets hat es verbrannt.