Wirtschaft

Unternehmen rechnen mit 50.000 Jobs

Verband bewertet Chancen für Flüchtlinge verhalten optimistisch

Die Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg (UVB) sehen die Hauptstadt auf solidem Wachstumspfad. Wie in den vergangenen Jahren werde sich dies auch 2016 am Arbeitsmarkt widerspiegeln. Diese Einschätzung sei das Ergebnis einer Umfrage unter den 60 Mitgliedsunternehmen, teilten die UVB am Montag vor Journalisten mit.

Der Verband rechnet für 2016 mit rund 50.000 zusätzlichen sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen in der Region – 41.000 in Berlin und 9.000 in Brandenburg. Den größten Zuwachs gebe es im Handel, im Bildungssektor, bei Kommunikationsdienstleistern und in der Gastronomie. „Ziel muss es sein, die Zahl der Arbeitslosen in Berlin im Jahresschnitt dauerhaft unter 200.000 zu halten“, sagte UVB-Hauptgeschäftsführer Christian Amsinck.

Laut Verband sind in Berlin seit 2011 fast 160.000 neue sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze entstanden. Damit liegt die Stadt vor allen anderen Bundesländern. Allein im vergangenen Jahr entstanden 54.000 neue Stellen. Die Arbeitslosigkeit ist so niedrig wie seit 1991 nicht. Jobmotor war vor allem der Tourismus. Seit 2011 ist fast jede dritte zusätzliche Stelle in diesem Sektor entstanden. Mehr Beschäftigung gebe es auch in der Computerbranche, in Beratung und Vertrieb und in der Gesundheits- und Sozialwirtschaft. Auch die Start-up-Szene boome. Große Konzerne wie Bayer, Würth oder die Lufthansa würden in der Hauptstadt Zukunftstechnologien testen. „Die Branche strotzt nur so vor Optimismus – vor allem weil Berlin seine Stellung als Gründerhauptstadt festigt“, sagte Amsinck.

Sorgen bereitet dem Verband die fehlende Qualifikation vieler Bewerber. Jeder zweite Arbeitslose habe keinen Berufsabschluss. Diesen rund 90.000 „Helfern“ stünden nur rund 6.000 geeignete offene Stellen gegenüber. Die Zahl der Arbeitslosen sei, trotz des Jobzuwachses, seit 2011 per Saldo nur um 22.000 zurückgegangen. „Das bedeutet: Von hundert zusätzlichen Stellen wurde nur jede siebte durch einen Erwerbslosen besetzt“, sagte Amsinck.

Eher zurückhaltend zu den Prognosen für das laufende Jahr äußerten sich die industriellen Mitgliedsunternehmen der UVB. Das Wachstum könne im laufenden Jahr daher ein paar Zehntel geringer ausfallen, als die 2,0 Prozent, die die UVB noch zu Jahresbeginn prognostiziert hatten.

Verhalten optimistisch äußerte sich Amsinck zu den Integrationschancen von Flüchtlingen. Es sei unrealistisch, allen der geschätzt bis zu 30.000 in diesem Jahr neu ankommenden Menschen eine rosige Zukunft zu versprechen. Die UVB planten, mehrere Hundert Plätze für Praktika und Qualifizierungen anzubieten. Auch die Mitgliedsunternehmen zeigten eine hohe Bereitschaft, Flüchtlinge zu beschäftigen. Ausreichende Sprachkenntnisse seien in vielen Branchen aber Voraussetzung. In diesem Jahr ließen sich rund Tausend Flüchtlinge in den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt integrieren. In dieser Größenordnung sei dies aber kaum in jedem Jahr möglich sei, sagte Amsinck.