Berlin –

Zahl der Carsharing-Nutzer wächst auch in kleineren Städten deutlich

Größte Kundengruppe sind männliche Akademiker

Berlin.  Die Zahl der Nutzer von Carsharing-Fahrzeugen steigt deutlich. Zu Jahresbeginn waren es bereits fast 1,3 Millionen Autofahrer, die sich einen Wagen mit anderen teilen. Das Geschäftsmodell findet auch in kleineren Städten immer mehr Anhänger. Nach Angaben des Bundesverbandes Carsharing (bcs) sind Fahrzeuge derzeit in 537 Städten und Gemeinden verfügbar.

Beim Carsharing teilen sich viele Nutzer den Fuhrpark. Je nach Bedarf können sie die Fahrzeuge für ein paar Minuten oder aber für einen ganzen Urlaub buchen. Zwei grundsätzliche Modelle haben sich in den vergangenen Jahrzehnten entwickelt. Anfangs gab es nur Anbieter mit festen Anlaufstationen, bei denen die Autos abgeholt und auch wieder abgestellt werden müssen.

Seit ein paar Jahren mischen sogenannte Free-floater den Markt auf. Bei dieser Variante kann der Wagen überall in einem bestimmten Gebiet abgestellt oder bestiegen werden. Wo ein Auto steht, zeigt eine Smartphone-App an. Mittlerweile wird auch eine Kombination zwischen stationärem und flexiblem Einsatzort angeboten.

Carsharing ist immer noch Männersache. Nur jeder vierte Kunde ist weiblich. Der Verband bcs führt dies auf die klassische Nähe von Männern zum Thema Auto und Smartphone zurück. Eindeutig in der Mehrzahl sind außerdem Akademiker. Mehr als zwei Drittel der Nutzer haben einen Hochschulabschluss und verfügen über ein Einkommen von mehr als 2500 Euro. Das geht aus einer Studie von DriveNow, einem der größten Anbieter, hinter dem BMW steht, hervor. „Die Auto-Kurzzeitmiete funktioniert“, stellte die Stiftung Warentest im vergangenen Jahr fest. Die Verbraucherschützer haben elf Anbieter in 15 Städten geprüft. Abgesehen von einigen für die Kunden ungünstigen Klauseln in den Geschäftsbedingungen gab es vor allem positive Erfahrungen. So erhielten neun Firmen die Note „gut“, zwei schnitten befriedigend ab.

Oft wird von Kunden ein Aufnahmebeitrag verlangt

Doch billig ist das Autoteilen nicht. Es gibt verschiedene Tarifmodelle. Häufig wird ein Aufnahmebeitrag verlangt. Im vergangenen Jahr lagen die Kosten dafür zwischen Null und 50 Euro. Der günstigste Kleinwagen wird laut Warentest für ein Wochenende zu Preisen zwischen rund 100 und 250 Euro vergeben. Für eine Stunde im Stadtverkehr mit einer Fahrleistung von zehn Kilometern verlangen die Firmen zwischen 1,99 Euro und 16,80 Euro. Dazu müssen die Nutzer eine Selbstbeteiligung aufbringen, wenn sie einen Unfall verschulden. Diese Beteiligung kann bis zu 1500 Euro betragen.

Auch wenn die Branche nach wie vor wächst, bedient sie doch nur einen Nischenmarkt von gerade einem Prozent des Autoverkehrs. Geeignet ist Carsharing vor allem für jene, die nur ab und zu für eine kurze Zeit ein Transportmittel benötigen. Auch wer keine Lust hat, sich um die Instandhaltung eines Autos zu kümmern, ist beim Carsharing gut aufgehoben. Teuer wird es für jene, die zwar gar keine langen Strecken absolvieren, dafür aber ausgiebige Stopps einlegen. Denn in der Regel enthält der Preis eine Zeitkomponente.