Steuern 2015

Steuererklärung: Welche Spielräume Selbstständige haben

Wer sein eigener Chef ist, hat zahlreiche Möglichkeiten, seine Steuerlast zu senken. Wie Sie Betriebsausgaben geltend machen.

Selbständige sollten genau hinschauen, welche Ausgaben sie bei der Steuer geltend machen können

Selbständige sollten genau hinschauen, welche Ausgaben sie bei der Steuer geltend machen können

Foto: Andrea Warnecke / picture alliance / dpa Themendie

Wer sein eigener Chef ist, muss spezielle Regelungen für die Abrechnung mit dem Finanzamt beachten. Dabei ist beispielsweise relevant, wie hoch Umsatz und Gewinn im vergangenen Jahr ausfielen, für welche Rechtsform sich der Unternehmensgründer entschieden hat und ob er Freiberufler oder Gewerbetreibender ist. Denn danach richtet sich, welche Formulare der Steuerzahler ausfüllen und ob er bilanzieren muss. Freiberufler füllen die „Anlage S“ aus, Gewerbetreibende die „Anlage G“. Zudem müssen alle Unternehmer, die keine Bilanz erstellen, die „Anlage EÜR“ ausfüllen.

Alle Freiberufler und die meisten Gewerbetreibenden können per Einnahmenüberschussrechnung mit dem Finanzamt abrechnen. Dazu füllen sie die „Anlage EÜR“ aus. Diese Möglichkeit steht jedoch nur Gewerbetreibenden offen, deren Umsatz 2015 unter 500.000 Euro und deren Gewinn unter 50.000 Euro lag. Werden die Grenzen überschritten, sind Betriebe verpflichtet, zu bilanzieren. Die „Anlage EÜR“ müssen Steuerzahler seit dem Jahr 2011 dem Finanzamt elektronisch übermitteln.

Gründer müssen den Umsatz hochrechnen

Doch wie so oft im Steuerrecht, gibt es auch hier eine Ausnahme: Davon unterscheiden sich Kleinunternehmer hinsichtlich der Umsatzsteuer. Darunter versteht die Finanzverwaltung Unternehmen, deren Umsatz unter 17.500 Euro im vorangegangenen Kalenderjahr und voraussichtlich 50.000 Euro, jeweils einschließlich Umsatzsteuer im laufenden Kalenderjahr liegt.

Unternehmensgründer sollten beachten, dass sie den Umsatz, den sie seit der Gründung ihres Unternehmens erwirtschaftet haben, auf das gesamte Jahr hochrechnen müssen.

Ein Beispiel: Frau Schulz gründet zum 1. Juli 2015 ihre Firma. In den darauffolgenden Monaten erwirtschaftet sie 15.000 Euro. 2500 Euro Umsatz im Monat ergibt auf das Jahr gerechnet einen Umsatz von 30.000 Euro. Somit ist Frau Schulz in den Augen der Finanzverwaltung keine Kleinunternehmerin mehr und daher verpflichtet, Umsatzsteuer zu zahlen. Sofern Kleinunternehmer die Umsatzgrenzen nicht überschreiten, sind sie nicht umsatzsteuerpflichtig

Die Umsatzsteuerpflicht kann sich rechnen

Setzen Unternehmen nicht mehr als 17.500 Euro um, sind sie nicht umsatzsteuerpflichtig. Sie schreiben ihre Rechnungen ohne Mehrwertsteuer. Das hat den Vorteil, dass Umsatzsteuervoranmeldungen und -erklärungen entfallen und damit auch lästiger Papierkram reduziert wird.

Doch auch wenn diese Möglichkeit verlockend scheint, rechnet sie sich nicht in jedem Fall. „Im Grunde rechnet sich die Umsatzsteuerpflicht immer dann, wenn Unternehmer relativ hohe Betriebsausgaben haben und selbst wenig umsetzen“, sagt Wolfgang Wawro vom Steuerberaterverband Berlin-Brandenburg. Denn dann zahlt der Kleinunternehmer viel Umsatzsteuer, nimmt aber selbst keine ein.

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Wer als Kleinunternehmer doch Umsatzsteuer erheben möchte, muss dies dem Finanzamt mitteilen. „Diese Entscheidung sollten sich Kleinunternehmer jedoch gut überlegen“, sagt Steuerberater Wawro. „Denn an diese Entscheidung sind sie mindestens fünf Jahre gebunden.“

Überschreiten Unternehmen die genannten Umsatzgrenzen, haben sie keine Wahl: Sie sind dann in der Regel umsatzsteuerpflichtig und müssen eine Umsatzsteuervoranmeldung und -erklärung beim zuständigen Finanzamt einreichen. Vorab sollten sie sich jedoch informieren, welche Leistungen oder Produkte erbracht werden und ob sie ihren Kunden den Regelsteuersatz von 19 Prozent oder den ermäßigten Steuersatz von sieben Prozent in Rechnung stellen müssen.

Ausnahmen für wiederkehrende Einnahmen

Bei der „Anlage EÜR“ gilt das Abfluss- und Zuflussprinzip. Betriebseinnahmen oder -ausgaben zählen immer dann, wenn sie auf dem Geschäftskonto vereinnahmt wurden.

Doch wie so oft im Steuerrecht, gibt es Ausnahmen: und zwar für regelmäßig wiederkehrende Einnahmen wie beispielsweise Mieten. Landen diese zehn Tage vor oder nach der Silvesterfeier auf dem Konto, müssen Unternehmer diese in der EÜR des Jahres erfassen, zu dem sie wirtschaftlich gehören. Das gilt entsprechend auch für die Betriebsausgaben.

Mit Betriebsausgaben die Steuerlast mindern

Selbstständige können das Finanzamt an einer Reihe von Betriebsausgaben beteiligen und so ihre Steuerlast mindern. „Seit vergangenem Jahr müssen Selbst-ständige Einnahmen und Ausgaben jedoch zeitnah erfassen“, sagt Wawro. Diese alle paar Monate aufzulisten, reicht nicht.

Beruflich bedingte Fahrten mit dem Auto können Selbstständige mit 30 Cent je Kilometer abrechnen. Hinzu kommen noch Verpflegungspauschalen: Wer mehr als acht Stunden beruflich unterwegs ist, kann zwölf Euro am Tag abrechnen. Bei einer Abwesenheit von mehr als 24 Stunden rechnen Steuerzahler eine Verpflegungspauschale von 24 Euro ab.

So wird der Firmenwagen abgerechnet

Wer einen Firmenwagen anschafft und diesen ausschließlich betrieblich nutzt, kann das Finanzamt an allen Kosten beteiligen, also auch an Inspektionen und Tankfüllungen. Komplizierter wird es, wenn der Wagen auch privat genutzt wird. In diesem Fall haben Steuerzahler zwei Möglichkeiten: Zum einen können sie ein Fahrtenbuch führen, in dem sie die privaten und betrieblichen Fahrten akribisch notieren.

Zum anderen können sie den privaten Nutzungsanteil mit der sogenannten Ein-Prozent-Regel pauschal abrechnen und als geldwerten Vorteil versteuern. Wer diese Variante wählt, erhöht sein monatliches Einkommen um ein Prozent des Bruttolistenpreises des Autos im Jahr der Erstzulassung.

Nebenkosten für Arbeitszimmer geltend machen

Selbstständige, bei denen das häusliche Arbeitszimmer den Mittelpunkt der beruflichen und betrieblichen Tätigkeit bildet, können sämtliche Kosten für das Zimmer steuerlich geltend machen. Dazu gehören beispielsweise die anteilige Abrechnung von Miete, Nebenkosten, Versicherung, Ausstattung sowie Renovierungsarbeiten.

Unternehmer können das Finanzamt auch an Arbeitsmitteln beteiligen. Dazu zählen die Ausgaben für den Internetanschluss, das Mobilfunktelefon oder Ordner und Druckerpatronen. Werden diese ausschließlich beruflich genutzt, rechnen Steuerzahler 100 Prozent der Anschaffungskosten ab. Wenn die Arbeitsmittel auch privat genutzt werden, muss der private Nutzungsanteil abgezogen werden.

Geschenke: 35 Euro pro Jahr und Person

Selbstständig nutzbare Wirtschaftsgüter, die weniger als 410 Euro ohne Mehrwertsteuer kosten, können Unternehmer komplett im Jahr des Kaufs steuerlich geltend machen.

Teurere Güter müssen über die Nutzungsdauer abgeschrieben werden. Wie hoch diese für einzelne Güter ausfällt, können Steuerzahler den AfA-Tabellen auf der Internetseite des Bundesfinanzministeriums entnehmen.

Auch Ausgaben für Fortbildungen, Beiträge zu Berufsverbänden oder Geschenke an Geschäftspartner akzeptieren die Finanzämter als Betriebsausgaben. Bei den Geschenken gibt es allerdings eine Grenze von 35 Euro pro Jahr und Person.

Altersvorsage-Ausgaben absetzen

Auch an den Ausgaben für die Altersvorsorge können Unternehmer das Finanzamt beteiligen. So akzeptieren die Beamten beispielsweise für das vergangene Jahr Einzahlungen in eine Rürup-Rente bis zur Höhe von 22.172 (Alleinstehende) bzw. 44.344 Euro (Verheiratete) zu 80 Prozent.

Selbstständige sollten zudem – ähnlich wie Ruheständler – sämtliche Ausgaben für absetzbare Versicherungen in ihrer Steuererklärung angeben. Das Finanzamt prüft bis 2019 in einer sogenannten Günstigerprüfung, ob für den einzelnen Steuerzahler die alte oder die neue Regelung zur Absetzbarkeit von Versicherungsbeiträgen günstiger ist.

Pauschalen können von Vorteil sein

Einige Berufsgruppen haben die Möglichkeit, Betriebskostenpauschalen zu verrechnen. So können selbstständige, hauptberuflich tätige Schriftsteller und Journalisten beispielsweise 30 Prozent ihrer Einnahmen, maximal 2455 Euro, als Betriebsausgaben steuerlich geltend machen. Wer nebenberuflich schriftstellerisch, wissenschaftlich oder künstlerisch tätig ist, kann 25 Prozent seiner Betriebseinnahmen, maximal 614 Euro im Jahr verrechnen.

Nebenberuflich tätige Übungsleiter, Ferienbetreuer oder Chorleiter rechnen eine Betriebsausgabenpauschale von 2400 Euro in der Steuererklärung ab, nebenberuflich ehrenamtlich tätige 720 Euro. „Die Pauschalen sind immer dann von Vorteil, wenn die tatsächlichen Ausgaben geringer ausfallen“, sagt Steuerberater Wawro.

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