Hamburg –

Mehr Kosmetik für Männer

Hamburg. Auf einem weißen Stehtisch befinden sich zwei Nivea-Dosen. Daneben steht Beiersdorf-Chef Stefan F. Heidenreich. Er schaut ein wenig angestrengt in die Kameras der Fotografen, nimmt dann aber doch für ein Foto eine Dose in die Hand. „Sie haben mich doch erst letztes Jahr fotografiert“, sagt er etwas verärgert.

Dabei hat er eigentlich keinen Grund für schlechte Laune. Schließlich hat Heidenreich es geschafft, den DAX-Konzern 2015 bei den wichtigen betriebswirtschaftlichen Kennzahlen noch weiter nach vorne zu bringen. Der Umsatz stieg organisch um drei Prozent. Berücksichtigt man die für den Konzern positiven Wechselkurse, legten die Erlöse sogar um 6,4 Prozent zu. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern ohne Sondereffekte verbesserte sich um fast zwölf Prozent auf 962 Millionen Euro. Die Rendite erreichte damit einen Rekordwert.

Die Aktionäre sollen wie im Vorjahr eine Dividende von 70 Cent erhalten. Das dürfte auf der Hauptversammlung Ende März für Ärger sorgen, schließlich wollten die Anteilseigner schon 2014 mehr Geld, das ihnen aber von der Firma, die sich mehrheitlich im Besitz der Kaufmannsfamilien Michael und Wolfgang Herz befindet, nicht gewährt wurde. Seit 2009 bezahlt Beiersdorf 70 Cent Dividende pro Aktie. Analysten hatten diesmal mit einem leichten Anstieg gerechnet.

Für eine substanzielle Überraschung sorgten am Mittwoch dann doch Finanzvorstand Ulrich Schmidt und Heidenreich. Denn sie signalisierten, dass sie sich sogar Zukäufe vorstellen können. Bei Beiersdorf ist dies eher ungewöhnlich, obwohl die Kriegskasse mit drei Milliarden Euro prall gefüllt ist. „Wir fangen mal langsam an zu angeln“, sagt Heidenreich. „Das ist eine Feuerkraft, mit der man einiges machen kann.“

Er machte zugleich deutlich, dass organisches Wachstum – also aus sich selbst heraus – für Beiersdorf weiter Vorrang habe. Jüngst noch hatte sich der Nivea-Hersteller gegen Übernahmegerüchte verwahrt. Schließlich ist ein Fehlgriff in China noch immer in den Köpfen präsent. Für 270 Millionen Euro erwarb Beiersdorf 2007 rund 85 Prozent am Haarspezialisten C-Bons Hair Care. Der Zukauf wurde zum Sanierungsfall. Beiersdorf musste viel Geld nachschießen. Inzwischen verliert man in Asien zur Freude der Anteilseigner kein Geld mehr.

Auch weltweit sieht es gut aus. „Ich bin sehr zufrieden. Im Geschäftsjahr 2015 haben wir wichtige Marktanteile hinzugewonnen. Beiersdorf ist noch wettbewerbsfähiger und effizienter geworden. Die konsequente Umsetzung unserer Unternehmensstrategie hat Beiersdorf widerstandsfähig gemacht“, sagt Heidenreich. Der Konzern sei inzwischen in der Lage, auch unter schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen erfolgreich zu sein. „Das sind gute Voraussetzungen für weiteres Wachstum im Geschäftsjahr 2016“, so der Chef.

„Wir haben mit dem neuen Produkt Protect & Care ein Deodorant entwickelt, das 48 Stunden lang Schutz gibt. Wir sind die ersten im Markt, die das bieten können“, sagt Heidenreich. Die Neuheit wurde fern der Heimat in Brasilien entwickelt. Und es soll nicht die letzte Innovation in diesem Jahr sein. Potenzial sieht der Chef im Kosmetikmarkt vor allem bei Produkten für Männer. „Die Männerkosmetik ist weltweit unterentwickelt.“ Für Frauen testet das Unternehmen Einwegrasierer, die bald auf den Markt kommen sollen. Weitere Überraschungen nicht ausgeschlossen. Besonders kräftig wuchs Beiersdorf im Kosmetikgeschäft in Osteuropa (plus 7,9 Prozent) und Amerika (plus 8,4 Prozent).

Dagegen stagnierten die Erlöse auf dem Heimatmarkt in Westeuropa (plus 0,3 Prozent). Zumindest die Verkäufe in Deutschland sollen zugelegt haben. Der Anteil am Geschäfts in den Schwellenländern wächst seit Jahren kontinuierlich. In Südamerika legte Beiersdorf 2015 um knapp elf Prozent zu. Die weltweit rund 17.700 Beschäftigten machten den Großteil der Umsätze mit Kosmetikartikeln von Nivea, Eucerin, Labello und 8x4. Bei der Hautpflege will Beiersdorf den Austausch zwischen der wissenschaftlichen Forschung und der ärztlichen Praxis intensivieren. So wolle man eine weiter optimierte hautärztliche Versorgung von Patienten erreichen, hieß es. Deshalb wurde jetzt die nach einem der Gründungsväter von Beiersdorf benannte Prof. P. G. Unna Akademie gegründet, die sich der Weiterbildung von Dermatologen widmet.

Für das laufende Jahr rechnet der Nivea-Hersteller mit einem eher bescheidenen Umsatzplus zwischen drei und vier Prozent. Die operative Rendite soll zumindest leicht steigen. Die Entwicklung der Tochter Tesa, die zuletzt fast ausschließlich aufgrund von Währungseffekten zulegte, sei ein Grund für die eher niedrige Prognose.

Anleger zeigten sich enttäuscht – der Aktienkurs sackte ab

Laut DZ-Bank-Analyst Thomas Maul fallen die Markterwartungen etwas positiver als die Prognosen von Beiersdorf für 2016 aus. Allerdings sollte man berücksichtigen, dass die Hamburger dazu neigten, „eher konservative Ziele auszugeben“. Positiv beurteilte er, dass der Konzern bereits zu Beginn des neuen Geschäftsjahres einen relativ konkreten Ausblick gegeben habe. Credit Suisse bezeichnete den Ausblick hingegen als enttäuschend.