Hauptversammlung

Großaktionär Siemens scheitert mit Putsch gegen Osram-Chef

Der Streit über die Neuausrichtung des Konzerns ist auf der Hauptversammlung eskaliert. Der Aktienkurs von Osram war eingebrochen.

München. Der Großkonzern Siemens ist mit einem Vorstoß gegen die Führungsspitze der ehemaligen Licht-Tochter Osram gescheitert. Auf der Hauptversammlung in München sprachen sich gut 70,68 Prozent der Stimmen dafür aus, den seit rund einem Jahr amtierenden Osram-Chef Olaf Berlien zu entlasten. Siemens-Vertreter Christian Bleiweiß hatte zuvor angekündigt, wegen Meinungsverschiedenheiten über die Neuausrichtung des Leuchtmittelherstellers, Berlien die symbolisch wichtige Entlastung zu verweigern. Berlien habe mit seinem Strategiewechsel bei Osram Börsenwert vernichtet und das Risikoprofil deutlich erhöht. Siemens hält noch 17,5 Prozent an Osram.

Berlien hatte im November überraschend angekündigt, in Malaysia für eine Milliarde Euro eine LED-Fabrik zu bauen, die Leuchtdioden für den Massenmarkt herstellt. Der Aktienkurs war danach um ein Drittel eingebrochen. Siemens-Vorstandschef Joe Kaeser hatte kritisiert, sein Konzern habe dadurch über Nacht 260 Millionen Euro verloren. Seither hat sich die Osram-Aktie kaum entwickelt.

Ein "strategischer Salto mortale“

Bleiweiß sagte, der Bau der LED-Fa­brik in Malaysia berge ein beträchtliches Risiko. Berlien habe den Konzern nicht mit der notwendigen Vorsicht und Umsicht gelenkt. Die Fondsgesellschaft der Deutschen Bank und Vertreter von Kleinaktionären hattten auf dem Aktionärstreffen dagegen vorsichtige Rückendeckung für Berlien gegeben. Die Vertreterin der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Daniela Bergdolt, kritisierte, Berlien habe einen „strategischen Salto mortale“ locker nebenbei verkündet und durch dieses „Kommunikationsdesaster“ die Aktie im November um ein Drittel abstürzen lassen. Aber: „Wir brauchen LED, wir brauchen diesen Bereich, aus meiner Sicht war das eine richtige Entscheidung.“

Deutsche-Bank-Fondsmanager Tim Albrecht lobte: „Heute befindet sich Osram in einer blendenden Verfassung.“ Die Halbleitersparte mache glänzende Profite, der Konzern sei schuldenfrei, und der Aktienkurs habe sich besser entwickelt als der MDax der mittelgroßen Werte.

Ob der überraschende Gang aus der Nische richtig sei, „ob es sich um Mut oder Übermut handelt, wird die Zukunft zeigen“. Berlien sagte, bei Autolampen sei Osram Weltmarktführer, aber darauf habe man sich nicht ausruhen können. Die hochwertigen LED für Autos und die Industrie würden von billigen Massen-LED verdrängt, deshalb müsse das Unternehmen dort mitspielen. Osram erschließe durch den Bau der neuen Fabrik für LED für den Massenmarkt neue Wachstumspotenziale. Die Abspaltung des traditionellen Lampen- und Leuchtröhrengeschäfts mit inzwischen nur noch 9500 Mitarbeitern laufe auf Hochtouren. Von Kaufinteressenten seien mehrere Angebote eingegangen.