Düsseldorf –

Douglas bricht mit der Tradition

Der Parfümeriehändler zieht nach Düsseldorf. Die neue Chefin kommt aus Frankreich

Düsseldorf.  Die Parfümeriekette Douglas will mit dem größten Investitionsprogramm ihrer Geschichte, einer neuen Chefin und dem Wegzug von ihrem Stammsitz Hagen der wachsenden Konkurrenz durch Internetshops entgegentreten. „Douglas steht gut da. Wir sehen uns aber steigendem Druck durch reine Onlinehändler ausgesetzt“, sagte Douglas-Aufsichtsratschef Henning Kreke. „Wir wollen nun auf diese Herausforderung reagieren.“ Zudem machen Lieferanten dem Konzern zu schaffen, die Läden unter einzelnen Markennamen eröffnen.

Zur neuen Chefin berief der Aufsichtsrat Isabelle Parize. Die Französin arbeitete unter anderem beim Konsumgüterhersteller Procter & Gamble, bei Henkel und dem französischen Bezahlfernsehsender Canal+ Group. Seit Juli 2011 leitete sie den französischen Parfümhändler Nocibé, den Douglas 2014 übernommen hatte. Die Berufung der 58-Jährigen ist ein Novum: Bislang hatte stets ein Mitglied der Gründerfamilie Kreke das Sagen an der Douglas-Spitze.

Parize will die Marke stärken, das Geschäft mit Eigenmarken ausbauen sowie Onlinegeschäft und traditionelle Läden enger verbinden als bisher. Auch in die Filialen will der Konzern investieren. Insgesamt 100 Millionen Euro sollen in den kommenden drei Jahren investiert werden. Kreke zufolge soll das Geld aus den laufenden Umsätzen kommen.

Douglas solle „schneller, flexibler und schlagkräftiger“ werden, sagte Parize. Deshalb wagt der Konzern einen weiteren Bruch mit der Tradition: Die Zentrale wird von Hagen nach Düsseldorf verlegt – weil die Strukturen schlanker werden sollen, aber auch, weil am Rhein besser internationales Personal zu bekommen ist.

In der neuen Konzernzentrale in Düsseldorf sollen künftig rund 550 Douglas-Beschäftigte arbeiten, die aus dem Traditionssitz Hagen sowie aus Köln kommen, von wo Douglas bislang das Onlinegeschäft steuert. Die beiden getrennten Verwaltungen – klassischer Handel und Onlinegeschäft – werden zusammengelegt. So sollen Doppelstrukturen und damit auch Stellen wegfallen, wie Parize ankündigte. In Deutschland werden voraussichtlich rund 130 Arbeitsplätze gestrichen, außerhalb der Bundesrepublik werden es rund 150 Stellen sein. Douglas beschäftigt mehr als 18.000 Mitarbeiter in 19 Ländern Europas. Es trifft ausschließlich Verwaltungsstellen, die Filialen sind ausdrücklich nicht betroffen.

„Wir sind überzeugt, dass dies die richtige Strategie ist, um die internationale Marktführerschaft von Douglas für die Zukunft zu sichern und auszubauen“, sagte Kreke, der Ende Januar seinen Posten als Konzernchef aufgegeben hatte und an die Spitze des Douglas-Aufsichtsrats gerückt war. Den Umbau soll jetzt die Französin Parize steuern.

„Wir als Familie stehen voll hinter dem Beschluss“, sagte Kreke – auch wenn der Umzug für die Familie eine schwere Entscheidung gewesen sei. Die Familie Kreke kontrolliert Douglas zusammen mit dem Finanzinvestor CVC. Der hatte im vergangenen Sommer die Mehrheit übernommen, die Krekes halten rund 15 Prozent.

Der Konzern wolle in allen seinen Märkten Nummer eins oder zwei sein, unterstrich Kreke. „Um dieses Ziel zu erreichen, sind auch Übernahmen eine Möglichkeit.“ Zudem gebe es Überlegungen, in weitere Länder zu expandieren. Dazu könnte Douglas weiteres Geld lockermachen, sagte Kreke: „Die Investitionen für solche Schritte sind nicht in den 100 Millionen Euro enthalten, das wäre zusätzlich.“

Douglas wandelt sich seit einigen Jahren. Das Unternehmen konzentriert sich auf das Parfümeriegeschäft. Andere Konzernteile wie den Süßwarenhändler Hussel oder den Schmuckhändler Christ hat Douglas verkauft. 2015 setzte der Konzern rund 2,6 Milliarden Euro um.