Berlin –

Gefahr für Deutschlands Exporte

Schlechte Außenhandelszahlen zeigen: Chinas Wirtschaft ist offenbar schwächer als gedacht

Berlin.  Für Chinas Wirtschaft hat es in den vergangenen Jahren praktisch nur eines gegeben: wachsen, wachsen, wachsen. Seit 25 Jahren boomt das Land, inzwischen ist China die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt, eng verflochten mit anderen Weltregionen, die davon profitierten, Geschäfte mit der aufstrebenden Wirtschaftsmacht zu treiben. Wenn das Land allerdings schwächelt, bekommen auch die Partner Probleme, vor allem stark exportorientierte Nationen wie Deutschland. Und in China läuft es wirtschaftlich seit Monaten nicht rund. Jetzt deuten die Außenhandelszahlen für Januar darauf hin, dass es noch schlechter aussieht als erwartet.

Normalerweise sind solche Monatswerte nur für Spezialisten interessant, doch die Januarzahlen des Exportweltmeisters haben es in sich: Der Wert der chinesischen Ausfuhren lag mit umgerechnet 100 Milliarden Euro 11,2 Prozent niedriger als noch ein Jahr zuvor – bereits das siebte Minus in Folge. Noch dramatischer entwickelten sich die Importe. Ihr Wert schrumpfte um 18,8 Prozent auf 155 Milliarden Euro.

Vor allem bei den Exporten hatten Experten mit einem leichten Minus gerechnet, unter anderem wegen Besonderheiten des chinesischen Neujahrsfestes. Es orientiert sich am Mondkalender und lag in diesem Jahr etwas früher als 2015. Bereits seit Mitte Januar ruhte das wirtschaftliche Leben weitgehend wegen der Festvorbereitungen. 2015 feierten die Chinesen dagegen erst Mitte Februar Neujahr, im Januar wurde noch regulär gearbeitet. Das Neujahrsfest mag einen Teil des Einbruchs erklären, aber nicht alles.

Die schlechten Importzahlen lassen den Schluss zu, dass die heimische Nachfrage in China schwächelt – die Chinesen halten ihr Geld wegen eines schlechten Wirtschaftsumfelds zusammen, kaufen zum Beispiel weniger Autos, die Unternehmen investieren weniger in Maschinen – beides Produkte, bei denen die deutsche Exportwirtschaft stark ist.

China ist einer der wichtigsten deutschen Handelspartner außerhalb der EU. Deutsche Firmen lieferten von Januar bis November 2015 Waren im Wert von 65,2 Milliarden Euro nach China, das entsprach rund 5,9 Prozent aller Exporte. Eines der Hauptgüter: Autos. Die deutschen Hersteller hatten schon im vergangenen Jahr Probleme, wie eine Studie der Unternehmensberatung Ernst & Young zeigt. Danach verkauften Volkswagen, Daimler und BMW 2015 rund 4,4 Millionen Pkw in China, ein Prozent weniger als 2014.

Ohnehin hat die nach den USA zweitgrößte Volkswirtschaft Probleme. Im vergangenen Jahr wuchs die Wirtschaftsleistung um 6,9 Prozent – der schlechteste Wert seit 25 Jahren und für chinesische Verhältnisse geradezu Stagnation. Chinas Börsen sind seit Mitte 2015 zudem eingebrochen, das Vertrauen ist dahin.

Die gesunkenen Exportzahlen Chinas weisen auf die schwächelnde Weltwirtschaft hin: Das Ausland bestellt weniger in China – und könnte in der Folge auch weniger bei Firmen in Deutschland ordern. Im vergangenen Jahr hatte der deutsche Außenhandel noch auf einen Rekordwert zugelegt, trotz zahlreicher Krisenherde. Schon damals warnte Anton F. Börner, Präsident des Außenhandelsverbands BGA: „Wir dürfen uns von diesen Zahlen nicht zu sehr blenden lassen – sie geben ein geschöntes Bild der Realität wieder.“ Die Europäische Zentralbank halte den Euro mit ihrer Politik des billigen Geldes niedrig, Europa wanke von einer Krise zur nächsten. Und: China stecke in einem gewaltigen Transformationsprozess mit ungewissem Ausgang.

Japan, die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt, lieferte am Montag ebenfalls eher schlechte Zahlen: Japans Wirtschaftsleistung schrumpfte im letzten Quartal 2015 aufs Jahr hochgerechnet um 1,4 Prozent. Das Bruttoinlandsprodukt wird in Japan zu 60 Prozent vom Konsum der Privathaushalte getragen, der real um 0,8 Prozent sank.

Das sind zunächst alles nur Zahlen, doch mittelfristig hat die schwache Konjunktur in China und weltweit auch Folgen für die Arbeitsplätze in Deutschland. Wenn wichtige Branchen wie die Autoindustrie und der Maschinenbau, die überwiegend ins Ausland verkaufen, weniger absetzen, werden sie darüber nachdenken, die Belegschaften zu verkleinern.

Die Börsen ließen sich davon am Montag nicht irritieren: Am ersten Handelstag des neuen Jahres, des Jahres des Affen, schloss die Börse in Shanghai nur 0,6 Prozent im Minus. In Japan gab es ein Plus von 7,16 Prozent. Und auch der Deutsche Aktienindex Dax schloss im Plus.