Athen –

Griechen haben Angst um gehortete 500-Euro-Scheine

Abschaffung der Geldnote wäre Gift für viele Sparstrümpfe

Athen.  Wie lange wird es den 500-Euro-Schein noch geben? Es mehren sich Stimmen, die das Ende des 500ers fordern. Kriminelle Transaktionen, Geldwäsche und Steuerhinterziehung sollen so erschwert werden. Die Europäische Zentralbank (EZB) will in naher Zukunft über das Schicksal des Scheins entscheiden. Vielen Griechen macht das Sorge. Sie haben große Bargeldbestände unter ihren Matratzen – vor allem in 500ern. Die Aussicht, dass die Scheine bald eingezogen werden könnten, bereitet ihnen schlaflose Nächte.

Seit Beginn der griechischen Schuldenkrise Ende 2009 haben sich die Einlagen der griechischen Banken nahezu halbiert. Aus Angst vor einer Staatspleite und der Rückkehr zur Drachme zogen viele Kunden ihr Geld ab. Allein 2015 sanken die Einlagen von 160 auf 123 Milliarden Euro. Ein Teil des Geldes floss ins Ausland, ein Großteil aber wird als Bargeld gehortet. Mindestens 20 Milliarden Euro, schätzen Experten, bunkern Griechen in Schließfächern, Truhen und anderen Verstecken – ein Großteil wohl in 500-Euro-Scheinen. Jedenfalls trifft man 500er im Alltag kaum noch an, auch die Banken haben fast keine.

Dabei existiert in Griechenland ungewöhnlich viel Bargeld. Die Bargeldsumme stieg von rund 30 Milliarden Euro im November 2014 auf aktuell über 50 Milliarden. Das entspricht knapp 28 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP). Zum Vergleich: In anderen Euro-Staaten beläuft sich der Bargeldbestand auf nur sechs bis acht Prozent des BIP. Das Geld ist dem Wirtschaftskreislauf entzogen. Läge das gehortete Geld bei den Banken, könnten sie mehr Kredite vergeben, die Konjunktur würde angekurbelt. Die Banken appellieren an ihre Kunden, das Geld zurückzubringen. Doch dafür ist das Misstrauen in die Politik zu groß.

Aus Angst vor einer möglichen Abschaffung der 500er wollen jetzt viele Griechen die Scheine umtauschen. Doch die Banken verlangen, dass sie zunächst auf ein Konto kommen. Dann allerdings greifen die Kapitalkontrollen: Pro Tag dürfen die Griechen höchstens 60 Euro in bar abheben. Deshalb wäre aus Sicht der Banken das Ende der 500er ein Glücksfall. Dann flösse ihnen ein Großteil der gehorteten Milliarden wieder zu.