Berlin –

Mehr als die Hälfte der Deutschen leistet ständig Überstunden

Berlin. Pünktlich in den Feierabend zu kommen, schaffen mehr als die Hälfte der deutschen Beschäftigten nicht. Laut einer Studie des Umfragezentrums Bonn im Auftrag des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) arbeiten 60 Prozent mehr, als in ihrem Vertrag vereinbart ist. 33 Prozent der Vollzeitbeschäftigten verbringen wöchentlich 45 Stunden und mehr am Arbeitsplatz, 17 Prozent aller Vollzeitbeschäftigten geben an, über 48 Stunden pro Woche zu arbeiten. Für die Studie wurden 2015 4691 abhängig Beschäftigten aus allen Branchen befragt.

Zwischen den verschiedenen Branchen gibt es große Unterschiede. 59 Prozent der Fahrzeugführer etwa erklären, überlange Arbeitszeiten zu haben. Den Spitzenwert erreicht die Hotel- und Gaststättenbranche: 63 Prozent der Vollzeitbeschäftigten arbeiten länger als vereinbart. Den geringsten Anteil an Überstunden leisten den Angaben zufolge die Beschäftigten in der Finanz- und Versicherungsbranche.

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg relativierte die Gewerkschaftsdarstellung. 2014 habe jeder Arbeitnehmer im Schnitt 46,7 Überstunden geleistet. Das ist sei nur eine Stunde mehr pro Woche. Die Zahl der jährlich geleisteten Überstunden sei seit der Wiedervereinigung stabil. Geändert habe sich, dass ein Teil der Mehrarbeit durch Arbeitszeitkonten flexibler gehandhabt werde. „In ruhigeren Zeiten bauen die Arbeitnehmer ihre Überstunden wieder ab“, heißt es vom Institut.