Berlin –

Berlin wird größte deutsche Ryanair-Basis

Billig-Airline bietet im kommenden Winterflugplan 39 Routen von Schönefeld nach Europa an

Berlin.  Die Billigfluglinie Ryanair erhöht die Zahl ihrer in Schönefeld stationierten Flugzeuge zum Start des Winterflugplans 2016/17 von fünf auf neun und bietet 13 neue Routen an. Damit hat das Unternehmen 39 Routen im Flugplan und wird nach eigenen Prognosen 4,7 Millionen Passagiere von und nach Berlin transportieren, wie Marketingchef Kenny Jacobs am Mittwoch in Berlin sagte. Berlin ist damit der größte Ryanair-Standort in Deutschland.

Ryanair sagt insbesondere den konkurrierenden Billiganbietern sowie Lufthansa, Air Berlin und Eurowings den Kampf an. Das irische Unternehmen befördert insgesamt 108 Millionen Passagiere, verfügt über 80 Basen, hat 330 Flugzeuge vom Typ Boeing 737-800 in Betrieb sowie 350 Maschinen des Nachfolgemodells bestellt, die 200 Flughäfen in 31 Ländern ansteuern und strebt für das Jahr 2024 eine Zahl von 180 Millionen Kunden an. Derzeit werden 106 Millionen Passagiere befördert.

Das Unternehmen nimmt für sich in Anspruch, die billigste Fluggesellschaft in Europa zu sein. Nach Worten von Kenny Jacobs kostet das durchschnittliche Ticket 47 Euro. Zum Vergleich: Nach Ryanair-Berechnungen müssen die Kunden der Air Berlin im Schnitt 120 Euro zahlen, bei der Lufthansa 230 und beim Low-Cost-Konkurrenten Easyjet 84 Euro. Der durchschnittliche Ticketpreis der Mitbewerber wird mit 151 Euro beziffert. Auch auf der Kostenseite wird bei Ryanair hart kalkuliert. Die Kosten belaufen sich auf 29 Euro je Ticket, etwas mehr als die Hälfte der bei Easyjet anfallenden Kosten, wie Jacobs sagte.

In Deutschland erreicht die Billiglinie nach eigenen Angaben einen Marktanteil von fünf Prozent nach Lufthansa und Air Berlin. Als Marktführer bezeichnet sich das Unternehmen dagegen unter anderem in Spanien und Italien. Kenny Jacobs will in Deutschland einen Marktanteil von 20 Prozent erreichen, im März werde die Marke von zehn Prozent übersprungen. „Wir sind ein standfester Wettbewerber“, kündigte Jacobs an. Die angeschlagene Air Berlin habe „einige Probleme“. Und für Lufthansa werde es teuer, mit ihrer Billigtochter Eurowings zwei Marken zu betreiben. „Berlin ist das Kernstück unseres Wachstums in Deutschland“, so Jacobs. Dabei hatte das Unternehmen in der Vergangenheit mit einer Menge Probleme zu kämpfen: Kunden kritisierten den Service, Extraleistungen gab es nur gegen Aufpreis. Das Unternehmen hat das erkannt und steuert dagegen: So wurde der Webauftritt ebenso der Zeit angepasst wie die Inneneinrichtung der Flugzeuge, die nun dank einer platzsparenden Ausstattung mehr Beinfreiheit bieten. Auch die Uniformen des Kabinenpersonals sind neu – seriöses Dunkelblau im Lufthansa-Stil statt grelles Gelb.

Weitere Anpassungen will Jacobs im März bekannt geben. Über WiFi an Bord werde nachgedacht. Zunächst solle es ein NearFy-Netzwerk geben, mit dem auf mobilen Geräten eine Art Infotainment-Intranet abgerufen werden kann. Neue täglich angesteuerte Destinationen werden im kommenden Winter Budapest, Thessaloniki, Sofia, Manchester und Lissabon sein. Neu sind auch die Kanaren mit drei Flügen nach Gran Canaria sowie je zwei nach Lanzarote und Fuerteventura. Weitere Ziele sind Rzeszów (Polen), Sevilla, Timisoara (Rumänien), Toulouse, Pisa, Malta und Vilnius (Litauen).

Um die großen deutschen Flughäfen München und Frankfurt fliegt Ryanair bislang einen großen Bogen. Mit Berlin, Köln/Bonn und Hamburg und neun weiteren Flughäfen decke das Unternehmen die wichtigsten Regionen ab. Über Frankfurt und München habe es bereits Gespräche gegeben. Der einzige Flughafen, den Ryanair definitiv nie anfliegen werde, sei London-Heathrow.

Wann der neue Berliner Hauptstadtflughafen in Betrieb geht, ist für Ryanair ein nachrangiges Problem. „Die Destination ist für uns wichtiger als der neue Flughafen. Wenn er öffnet, dann öffnet er. Wir sind mit unserem Terminal in Schönefeld zufrieden“, sagte Jacobs.