Studie

Online-Einkauf häufig umweltfreundlicher als gedacht

Die Studie eines Öko-Instituts zeigt: Die Lieferungen nach Hause kann klimaschonender sein als die persönliche Einkäufe in Geschäften.

Bestellungen über das Internet können oft fürs Klima besser sein als der Einkauf im Geschäft.

Bestellungen über das Internet können oft fürs Klima besser sein als der Einkauf im Geschäft.

Foto: Jens Büttner / dpa

Berlin/Freiburg.  Der Kauf soll bequem und billig, die Ware schnell zu Hause sein. Darum geht es vielen Verbrauchern beim Online-Einkauf. Wie aber steht es mit den Umweltauswirkungen? Die zunehmende Zahl der Pakettransporter, die per Internet bestellte Waren an die Privathaushalte liefern, könnte auf eine schlechte Umweltbilanz der modernen Konsumform hindeuten. Eine Berechnung des Öko-Instituts e. V. kommt jedoch zu einem anderen – einem positiven Ergebnis.

Die Umweltexperten haben untersucht und abgeschätzt, welcher Kohlendioxid-Ausstoß verursacht wird, wenn man beispielsweise ein Paar Schuhe im Internet bestellt und nach Hause liefern lässt. Im Vergleich dazu betrachteten sie konventionelle Einkäufe in Ladengeschäften. Das Ergebnis: Die Online-Variante schneidet in der Großstadt sogar günstiger ab als der Einkauf im Laden, selbst wenn der Verbraucher zu Fuß oder per Rad dorthin gelangt. Wer mit dem Bus oder der Bahn zum Shoppen fährt, der verursacht erst Recht einen höheren Kohlendioxid-Ausstoß (CO2).

Zahl der Pakete um rund fünf Prozent gestiegen

Diese Einschätzung des Öko-Instituts überrascht, weil der Zuwachs der Online-Bestellungen und Lieferfahrten immer wieder die Frage nach den Umweltauswirkungen provoziert. Das Sendungsvolumen im deutschen Kurier-, Express- und Paket-Markt (KEP) ist im vergangenen Jahr weiter um 4,5 bis fünf Prozent gestiegen, berichtet der Branchenverband (BIEK). Im Vergleich zu 2014 hätten die Firmen etwa 140 Millionen Pakete zusätzlich befördert.

Wer nun seine Schuhe im Internet bestellt, verursacht laut Öko-Institut etwa 660 Gramm klimaschädliches CO2. Diese Umweltbelastung verursacht rechnerisch und durchschnittlich das kleine Päckchen, das der Lieferdienst an der Haustür abgibt. Gefallen die bestellten Sportschuhe allerdings nicht und werden sie zurückschickt, steigt wegen der zusätzlichen Fahrt die Umweltbelastung auf gut 1.030 Gramm.

Hoher Energieverbrauch in Geschäften

Demgegenüber schlägt der Einkauf der Schuhe im normalen Geschäft mit knapp 1.300 Gramm CO2 zu Buche, wenn man zu Fuß zum Geschäft geht oder mit dem Rad hinfährt. Benutzt man die Straßenbahn oder den Bus, sind es schon 1.710 Gramm, so das Institut. Trotz der ökologischeren Fortbewegung auf dem Weg zum Geschäft, ist die Lieferung per Lkw nach Hause also mit einem Klimavorteil verbunden.

Moritz Mottschall vom Öko-Institut in Berlin erklärt den Befund: „Der Energieverbrauch in den normalen Geschäften beispielsweise für Wärme und Licht ist erheblich.“ Das Institut beziffert allein diesen Posten im Sportschuh-Beispiel auf einen durchschnittlichen CO2-Ausstoß von 1.000 Gramm. „Unter anderem die starke Beleuchtung braucht viel Strom und bewirkt klimaschädliche Emissionen“, sagt Mottschall.

61 Prozent fahren mit dem Auto zum Einkaufen

Ein ähnliches Ergebnis der Umweltspezialisten hat auch eine Untersuchung im Auftrag des Hamburger Versandhandelskonzerns Otto und seiner Logistiktochter Hermes zutage gefördert. Dabei wurden Verbraucher nach ihrem konkreten Einkaufsverhalten befragt. Ein Resultat: 61 Prozent der Einkaufsfahrten zu den stationären Geschäften finden im Auto statt. Durchschnittlich sind die Konsumenten dabei gut 13 Kilometer unterwegs. Legt man diese Aussage zugrunde, verursacht die Zustellung von Produkten per Kurierdienst weniger Kohlendioxid als der individuelle Einkauf. „Das Ergebnis der Otto-Untersuchung ist plausibel“, sagt Moritz Mottschall.

Allerdings weist der Experte vom Öko-Institut auf die beschränkte Aussagekraft für eine Verallgemeinerung solcher Klimabilanzen für Onlinebestellung und Kurierdienste hin. Für den sich zunehmend entwickelnden Markt von Lebensmittellieferungen nach Hause würde diese positive Rechnung beispielsweise nicht gelten. So sei bei Lebensmittellieferungen davon auszugehen, dass die Touren deutlich schlechter geplant werden können als bei den Paketzustellern. Wegen der engen Zeitfenster für die Lieferung und der Verderblichkeit der Ware sei mit größeren Umwegen und Leerfahrten zu rechnen.

Wer viel einkauft, verbessert Schadstoffbilanz

Außerdem, so Mottschall, habe auch das Öko-Institut viele Aspekte nicht berücksichtigen können, die zur Klimabilanz ebenfalls dazu gehörten. So sei der Aufwand an Verpackungsmaterial bei den Kurierdiensten nicht eingerechnet worden. Würden viele Kartons verwendet, könnte dies die Umweltwirkung des Onlinekaufs nachteilig beeinflussen, so Mottschall. Auch der ganze Bereich von Müll, Verwertung und Recycling sei unberücksichtigt geblieben.

Unter anderem deshalb plädiert Mottschall dafür, aus der positiven Bilanz der Paket-Lieferung nicht die Empfehlung abzuleiten, „hemmungslos online einzukaufen“. Schließlich blende die Berechnung eines Durchschnittswerts pro Paket den Einzelfall des individuellen Einkaufs aus. Wer beispielsweise auf seiner Shopping-Tour neben Lebensmittel auch noch eine Jeans oder ein paar Schuhe erwerbe, senke dadurch seine Klimabelastung beim Einkaufen erheblich.

Die großen Kurierdienste sind sich bewusst, dass sie die Fragen zur Umweltbelastung auch künftig positiv beantworten müssen, wollen sie nicht unter Rechtfertigungsdruck geraten. Aus diesem Grund experimentiert die Deutsche Post-Tochter DHL in Bonn mit dem Einsatz von Elektro-Lastwagen. Auch UPS nutzt bereits einige elektrisch betriebene Lieferfahrzeuge. Ob diese die heute genutzten Diesel-Transporter irgendwann ersetzen, ist noch nicht klar. Um den Prozess zu beschleunigen, fordert der ökologisch orientierte Verkehrsclub Deutschland (VCD) alle Stadtverwaltungen in Deutschland auf, die Kurierdienste zu verpflichten, umweltfreundliche Fahrzeuge einzusetzen.