Burgerkette

„Hans im Glück“ verliert fast ein Viertel aller Filialen

Die Burgerkette „Hans im Glück“ und ihr Franchisenehmer Junge werfen sich Vertragsbruch vor. Künftig treten sie in Konkurrenz zueinander.

Eine Filiale der Burgerkette „Hans im Glück“ an der Friedrichstraße in Berlin.

Eine Filiale der Burgerkette „Hans im Glück“ an der Friedrichstraße in Berlin.

Foto: imago stock&people / imago/PEMAX

Berlin.  Er galt als Shootingstar der norddeutschen Gastroszene: Mit ungewöhnlichen Edelburgern wie „Eitler Gockel“ oder „Luftsprung“ (Walnussbratlingen an Rauke und Gorgonzolacreme) lehrte Patrick Junge große Konkurrenten wie McDonald’s oder Burger King das Fürchten. Während die Konzerne stagnierten, eröffnete der Lübecker Franchisenehmer der Kette „Hans im Glück“ in Hamburg, Berlin, Lübeck und sogar auf der Ostseeinsel Rügen immer neue Läden. Die Gäste standen teilweise 40 Minuten Schlange, um noch einen Platz in den hippen Restaurants zu ergattern. Junge selbst posierte gern in den durchgestylten Räumen zwischen Cocktailbar und Birkenbäumen.

Doch nun hat sich der Spross der Lübecker Bäckerdynastie Junge heftig mit der Münchner Zentrale der Kette und insbesondere mit Gründer Thomas Hirschberger verkracht. Wie die „Hans im Glück“ Franchise GmbH überraschend mitteilte, hat sie die Zusammenarbeit mit Junges Unternehmen, der Paniceus Gastro Systemzen­trale GmbH, vorzeitig aufgekündigt. Grund dafür seien „zahlreiche Alleingänge und Abweichungen vom erfolgreichen Franchisekonzept“. Eine Einigung über die Übernahme der von Junge betriebenen Häuser sei zuvor nicht zustande gekommen.

Fast ein Viertel aller Restaurants betroffen

Betroffen sind alle zwölf von Paniceus geführten Restaurants, darunter zum Beispiel zwei in Hamburg, drei in Berlin sowie in Osnabrück und Oldenburg. Insgesamt werden unter dem Namen „Hans im Glück“ bundesweit 44 Burgergrills von 15 Franchisenehmern betrieben.

Der Streit zwischen Zentrale und Franchisenehmer schwelt offenbar schon seit Längerem. Aufgrund von Verstößen gegen die vertraglichen Bestimmungen sei Paniceus in den vergangenen eineinhalb Jahren mehrfach abgemahnt worden, sagte eine Sprecherin des Franchisegebers unserer Redaktion. Zuletzt sei dies Ende Juli vergangenen Jahres geschehen. Zuvor habe es Beschwerden von anderen Franchisenehmern gegeben. „Wer sich nicht an die Vorgaben hält, ist fehl am Platz und gefährdet den Erfolg“, ergänzte sie.

„Wiederholt nicht abgestimmtes Produktangebot“

Konkret ging es in dem Streit darum, dass Junge neue Burger oder andere Gerichte auf die Karte setzte, die von der Zentrale nicht genehmigt waren. Es habe ein „wiederholt nicht abgestimmtes Produktangebot“ gegeben, heißt es aus München. Zudem habe man sich an nicht abgestimmten Marketing- und Werbemaßnahmen gestört.

Aus Junges Sicht klingt die Geschichte allerdings ganz anders: Nicht die Zentrale habe ihm gekündigt, sondern er selbst habe die Zusammenarbeit zum 31. März dieses Jahres beendet, teilte der Paniceus-Chef mit. Der Grund aus seiner Perspektive: „Ernsthafte und endgültige Erfüllungsverweigerung des Systempartners“. Darunter ist nach Informationen unserer Redaktion zu verstehen, dass die Zentrale den norddeutschen Partner zuletzt nicht einmal mehr mit dem nötigen Equipment versorgt hat.

Betrieb bis Anfang März – dann neues Konzept

Bis Anfang März soll der Geschäftsbetrieb laut Junge uneingeschränkt unter dem bisherigen Namen „Hans im Glück“ weitergehen. Dann folgt eine mehrwöchige Umbauphase, um die Restaurants von April an mit einem neuen Konzept und neuem Namen weiterzuführen.

Das Edelburger-Konzept bleibt dabei offenbar bestehen. „Wir werden unseren Gästen auch im neuen Jahr neben anderen Speisen hochwertige Burger und erstklassige Cocktails anbieten“, sagte Junge. Alle Arbeitsplätze im Unternehmen blieben erhalten, Verträge mit Lieferanten und Vermietern würden erfüllt. „Unsere Gäste können sich auf eine reichhaltige Karte mit vielen kreativen Burger-Kreationen in absoluter Spitzenqualität freuen“, so der Paniceus-Chef weiter. In 2016 sollten zudem noch fünf weitere Standorte eröffnet werden. „Wir wollen zunächst unser Angebot im Norden verdichten, haben aber durchaus auch eine Expansion in erstklassige Lagen im ganzen Bundesgebiet im Auge.“

Dabei dürfte Junge erneut in Clinch mit seinen bisherigen Partnern geraten, denn „Hans im Glück“ hat ebenfalls angekündigt, im Norden mit eigenen Restaurants wachsen zu wollen.

Seine Dickköpfigkeit hat Junge übrigens schon einmal unter Beweis gestellt. Er war einmal geschäftsführender Gesellschafter der gleichnamigen Lübecker Bäckerkette. Doch nach „unterschiedlichen Auffassungen in der Ausrichtung des Unternehmens“, wie er es einmal nannte, verkaufte er 2012 seine Anteile an dem Bäckereiimperium und erwarb die Gebietslizenz für „Hans im Glück“.