Berlin –

„Revolutionen werden von jungen Menschen gemacht“Träumen und machen

Wie Berlins Messechef Christian Göke zusammen mit jungen Leuten der DoSchool das Geschäft der Zukunft finden willWie Berlins Messechef Christian Göke die Messe der Zukunft erfinden will und wie ihm dabei die Entrepreneure der DoSchool helfen

Berlin.  Die Messe Berlin ist gefangen in ihrem eigenen Erfolg: Das Unternehmen wächst seit 13 Jahren, verzeichnete allein im vergangenen Jahr ein Umsatzplus von 27 Prozent, hat kaum Erweiterungsmöglichkeiten durch Neubauten auf dem eigenen Gelände. „Wir müssen neue Märkte und neue Produkte finden, um diese Dynamik beizubehalten“, sagt Christian Göke, der Vorsitzende der Geschäftsführung der Messe Berlin. Gewöhnlich wäre das ein Fall für einen Unternehmensberater. Doch die Messe geht einen anderen Weg und sucht Rat bei 20 jungen Menschen aus aller Welt, die rein gar nichts vom Messegeschäft verstehen, wohl aber von Innovation und Storytelling, was man wohl am besten mit Kommunikationstechnik umschreiben kann.

Göke ist sicher, dies ist ein Weg um Innovation in die Messe holen, um im besten Fall den heiligen Gral der Messewirtschaft zu finden. Seit mehr als zehn Jahren sucht er dieses wundertätige Gefäß. „Wir sind zu der Überzeugung gelangt, dass es jetzt an der Zeit ist, diesen Weg mit Menschen zu gehen, die vollkommen unbelastet sind von einschränkendem Vorwissen und damit eingeschränktem Denken.“ Dann bringt er es plakativ auf den Punkt: „Revolutionen werden nicht von alten Säcken gemacht, sondern von jungen Menschen.“

Die alten Strukturen ändern sich nur selten

Der Chef der fast 200 Jahre alten Berliner Messe will einen anderen Weg gehen als viele traditionelle Unternehmen in Deutschland, die aus purer Verzweiflung, den Anschluss an Innovation zu verpassen, Hubs, Labs und Acceleratoren gründen – wie die Brutkästen der Start-up-Wirtschaft genannt werden. Zahlreiche Konzerne betreiben solche Einrichtungen in Berlin. Oft handelt es sich dabei um Spielwiesen für Start-ups, die in durchgestylten Büros irgendetwas erfinden, während die Unternehmen weitgehend ungestört in ihren alten Strukturen und erprobten Geschäftsmodellen weitermachen. Das sorgt für einen modernen Anstrich, ändert aber nur wenig an altmodischen Unternehmenskulturen. Effizient ist das jedenfalls selten.

Die Messe Berlin hat als Partner die „DO School“ gefunden, eine globale Bildungsplattform für junge Menschen, die an sozialen Projekten arbeiten. Die DO School hat Innovation, Unternehmertum und Nachhaltigkeit als ihre eigenen Ziele formuliert. Der Kontakt war eine Zufallsbegegnung zwischen Messechef Göke und dem Gründer der DO School, Florian Hoffmann, bei einem gemeinsamen Freund. „Wir saßen an einem Tisch und haben uns über unsere jeweiligen Herausforderungen unterhalten“, erinnert er sich. Beide fanden schnell heraus, dass sie sich ähnlichen Problemen stellen.

„Ziel der DO School ist es, Innovation und Unternehmertum zu fördern und ein gutes Business zu kreieren, das gut für die Shareholder und gut für die Welt ist“, erläutert Hoffmann sein Konzept. „Innovation kommt nicht von außen, sondern durch den Austausch.“ Die DO School bringe Menschen zusammen, die sich für ein Thema interessieren und daran gemeinsam arbeiten.

900 junge Menschen aus 15 Nationen haben sich für das Projekt mit der Messe Berlin beworben. Solche Projekte werden in der DO School „Challenge“ genannt, Herausforderung oder Aufgabe. 20 Fellows wurden angenommen und dürfen an dem einjährigen Programm teilnehmen: Zehn Wochen lang finden Workshops in Berlin statt, in denen sie zunächst das Messegeschäft verstehen lernen. Im Anschluss daran kristallisieren sie ihre Projekte heraus: „Träumen, fokussieren, planen, machen“, umschreibt Hoffmann die Stufen dieses Erkenntnisprozesses. Zehn anschließende Monate arbeiten sie in ihren Heimatländern weiter an ihren Konzepten. Die Fellows arbeiten und leben zusammen. In geteilten Apartments erfahren sie ihren multikulturellen Alltag, bekochen sich gegenseitig mit Gerichten aus ihren Heimatländern und erkunden die Sehenswürdigkeiten der fremden Stadt. Hoffmann hofft, dass sich aus dieser Interaktion neue Ideen für Geschäfte entwickeln, ähnlich wie bei einer Messe, wo Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen zusammenkommen, um miteinander Handel zu treiben.

Für Göke geht es darum, Märkte zu verstehen und dort die Themen der Zukunft zu setzen, bevor andere auf die Idee kommen. Diese Strategie der Antizipation verfolgt er seit Jahren: So wurde auf der Internationalen Tourismusbörse (ITB) über nachhaltiges Reisen und Weltraumtourismus debattiert, bevor diese Themen in der Öffentlichkeit angekommen waren. In diesen Tagen fragte ein wissenschaftliches Institut aus Südamerika bei ihm an, ob es per Livestream das Zukunftslab der Messe Fruit Logistica im Februar mitverfolgen könne. Man wolle verstehen, worauf es bei der Lebensmittellogistik der Zukunft ankommt. „Im Kern sind wir Marktversteher und Marktmacher“, sagt der Messechef. Und Menschenversteher. „Bevor eine Messe funktioniert, müssen wir Menschen und Märkte zueinanderbringen.“

Dazu bedarf es neuer Produkte, Angebote, Services. Hier kommen die Fellows der DO School ins Spiel, die Querdenker mit den innovativen Ideen. Zum Beispiel die Chinesin Shengnan Zhang. Sie hat Anglistik studiert und arbeitet an der Bildungsplattform Youth Power, die Hochschulstudenten mit Schülern vernetzt, damit sie früh Managerqualitäten entwickeln. Youth Power ist eine gemeinnützige Organisation in China mit 4000 Mitgliedern, die Zhang zu einem sozialen Geschäft ausbauen will. Der zweite Aspekt ihres Projektes ist die Entwicklung einer Informationsarchitektur, welche die Kreativität dieser Gemeinschaft speichern soll und Talente miteinander verbindet. Zum bisherigen Verlauf des DO-School-Programms sagt sie: „Die Menge der Informationen, die wir in den ersten beiden Wochen erhalten haben, war überwältigend.“

Die Vision ist eine Messe, die zeitlich unbegrenzt wäre

Ryan D. Gersava, ein anderer Fellow der DO School, stammt von den Philippinen und hat Medizintechnik studiert. „Im Krankenhaus habe ich so viele Menschen gesehen, die durch Krankheiten wie Hepatitis oder HIV die Möglichkeit verloren haben, einer Arbeit nachzugehen. Diese Menschen sind anfällig für Diskriminierung an ihrem Arbeitsplatz“, beschreibt er sein Projekt. „Deshalb haben wir eine Schule entwickelt, wo diese Menschen mit Kenntnissen aus der Industrie lernen, von zu Hause aus online zu arbeiten. Wir machen diese Menschen zu Anwälten für andere Arbeitsbedingungen und gegen die Benachteiligung von Behinderten“, sagt Gersava. Das hat viel mit Kommunikation und Storytelling zu tun – zum Beispiel in sozialen Netzwerken. „So können wir diesen unbeachteten Menschen Aufmerksamkeit in der Gesellschaft geben.“

Catherine Miano aus Kenia verfolgt einen anderen Ansatz. Ihr Projekt „Pitch a dream“ will Kindern in ihrer Heimat die Kultur des Lesens vermitteln. „Bei uns gibt es zwar eine kostenlose achtjährige Grundschule, was gut ist. Aber viele Kinder können sich keine Bücher leisten“, sagt sie. „Dieses Problem will ich lösen.“ Dazu werden Wettbewerbe veranstaltet, bei denen Kinder gespendete Bücher gewinnen können. Freiwillige bauen in Schulen Büchereien auf. Catherine Miano will diese Idee skalieren: „Je mehr Spenden wir bekommen, um so mehr brauchen wir eine Organisation, um diese Bücher weitergeben zu können und mit den Kindern über das Lesen zu sprechen. Wir wollen eine Kultur des Lesens aufbauen, damit diese Kinder Menschen mit Träumen und Zielen werden.“

Vielleicht schlummern in solchen Projekten die Potenziale für die Messe der Zukunft. „Wir wollen andere Formate finden, um die Messe anzureichern“, sagt Gérald Lamusse, der Geschäftsbereichsleiter Products & New Business der Messe Berlin. Für ihn sind die DO-School-Fellows Informationsarchitekten, die neue Formen der Kommunikation entdecken. „Ihre Aufgabe ist, spannende Informationen herauszu-kristallisieren und das so zu verpacken, dass es für unterschiedliche Zielgruppen interessant sein kann.“ Gelänge das, wäre ein Wunsch von Christian Göke erfüllt. Seine Vision ist eine Messe, die ihre Energie auch in die anderen 360 Tage des Jahres übersetzt. Das könnte der heilige Gral der Messewirtschaft sein. Vielleicht findet die DO School ja einen Weg dorthin.

Die Messe Berlin ist gefangen in ihrem eigenen Erfolg: Das Unternehmen wächst seit 13 Jahren, verzeichnete allein im vergangenen Jahr ein Umsatzplus von 27 Prozent, hat kaum Erweiterungsmöglichkeiten durch Neubauten auf dem eigenen Gelände. „Wir müssen neue Märkte und neue Produkte finden, um diese Dynamik beizubehalten“, sagt Christian Göke, der Vorsitzende der Geschäftsführung der Messe Berlin. Gewöhnlich wäre das ein Fall für einen Unternehmensberater. Doch die Messe geht einen anderen Weg und sucht Rat bei 20 jungen Menschen aus aller Welt, die rein gar nichts vom Messegeschäft verstehen, wohl aber von Innovation und Storytelling, was man wohl am besten mit Kommunikation umschreiben kann.

Göke ist sicher, nur so kann er Innovation in die Messe holen, im besten Fall den heiligen Gral der Messewirtschaft finden. Seit mehr als zehn Jahren sucht er dieses wundertätige Gefäß. „Wir sind zu der Überzeugung gelangt, dass es jetzt an der Zeit ist, diesen Weg mit Menschen zu gehen, die vollkommen unbelastet sind von einschränkendem Vorwissen und damit eingeschränktem Denken.“ Dann bringt er es plakativ auf den Punkt: „Revolutionen werden nicht von alten Säcken gemacht, sondern von jungen Menschen.“

Der Chef der fast 200 Jahre alten Berliner Messe will einen anderen Weg gehen als viele andere traditionelle Unternehmen in Deutschland, die aus purer Verzweiflung, den Anschluss an Innovation zu verpassen, Hubs, Labs und Acceleratoren gründen – wie die Brutkästen der Start-up-Wirtschaft genannt werden. Ein Großteil der Dax-Konzerne betreibt solche Einrichtungen in Berlin. Oft handelt es sich dabei um Spielwiesen für Start-ups, die in durchgestylten Büros irgendetwas erfinden, während die Unternehmen weitgehend ungestört in ihren alten Strukturen und erprobten Geschäftsmodellen weitermachen. Das sorgt für einen modernen Anstrich, ändert aber nur wenig an der altmodischen Unternehmenskultur. Effizient ist das jedenfalls in den seltensten Fällen.

Die Messe Berlin hat als Partner die DoSchool gefunden, eine globale Bildungsplattform für junge Menschen, die an sozialen Projekten arbeiten. Die DoSchool hat Innovation, Unternehmertum und Nachhaltigkeit als ihre eigenen Ziele formuliert. Der Kontakt war eine Zufallsbegegnung zwischen Messechef Göke und dem Gründer der DoSchool, Florian Hoffmann, bei einem gemeinsamen Freund. „Wir saßen an einem Tisch und haben uns über unsere jeweiligen Herausforderungen unterhalten“, erinnert er sich. Beide fanden schnell heraus, dass sie sich ähnlichen Problemen stellen.

„Ziel der DoSchool ist es, Innovation und Unternehmertum zu fördern und ein gutes Business zu kreieren, das gut für die Shareholder und gut für die Welt ist“, erläutert Hoffmann sein Konzept. „Innovation kommt nicht von außen, sondern durch den Austausch.“ Die DoSchool bringe Menschen zusammen, die sich für ein Thema interessieren und daran gemeinsam arbeiten.

900 junge Leute aus 15 Nationen haben sich für das Projekt mit der Messe Berlin beworben. Solche Projekte werden in der DoSchool „Challenge“ genannt – Herausforderung oder Aufgabe. 20 Fellows wurden angenommen und dürfen an dem einjährigen Programm teilnehmen: Zehn Wochen lang finden Workshops in Berlin statt, in denen sie zunächst das Messegeschäft verstehen lernen. Im Anschluss daran kristallisieren sie ihre Projekte heraus: „Träumen, fokussieren, planen, machen“, umschreibt Hoffmann diesen Erkenntnisprozess. Zehn anschließende Monate arbeiten sie in ihren Heimatländern weiter an ihren Konzepten. Die Fellows arbeiten und leben zusammen. In geteilten Apartments erfahren sie ihren multikulturellen Alltag, bekochen sich gegenseitig mit Gerichten aus ihren Heimatländern und erkunden die Sehenswürdigkeiten der fremden Stadt.

Hoffmann hofft, dass sich aus dieser Interaktion neue Ideen für Geschäfte entwickeln, ähnlich wie bei einer Messe, wo Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen zusammenkommen, um miteinander Handel zu treiben.

Für Göke geht es darum, Märkte zu verstehen und dort die Themen der Zukunft zu setzen, bevor andere auf die Idee kommen. Diese Strategie der Antizipation verfolgt er seit Jahren: So wurde auf der Internationalen Tourismusbörse über nachhaltiges Reisen und Weltraumtourismus debattiert, bevor diese Themen in der Öffentlichkeit angekommen waren. In diesen Tagen fragte ein wissenschaftliches Institut aus Südamerika bei ihm an, ob es per Live Stream das Zukunftslab der Messe Fruit Logistica im Februar mitverfolgen könne. Man wolle verstehen, worauf es bei der Lebensmittel-Logistik der Zukunft ankommt. „Im Kern sind wir Marktversteher und Marktmacher“, sagt der Messechef. Und Menschenversteher. „Bevor eine Messe funktioniert, müssen wir Menschen und Märkte zueinander bringen.“

Dazu bedarf es neuer Produkte, Angebote, Services. Und hier kommen die Fellows der DoSchool ins Spiel, die Querdenker mit den innovativen Ideen. Zum Beispiel die Chinesin Shengnan Zhang. Sie hat Anglistik studiert und arbeitet an der Bildungsplattform YouthPower, die Hochschulstudenten mit Schülern vernetzt, damit sie früh Manager-Qualitäten entwickeln. YouthPower ist eine gemeinnützige Organisation in China mit 4000 Mitgliedern, die Zhang zu einem sozialen Geschäft ausbauen will. Der zweite Aspekt ihres Projektes ist die Entwicklung eine Informationsarchitektur, welche die Kreativität dieser Gemeinschaft speichern soll und Talente miteinander verbindet. „Die Menge der Informationen, die wir in den ersten beiden Wochen erhalten haben, war überwältigend“, sagt sie.

Ryan D. Gersava, ein anderer Fellow der DoSchool, stammt von den Philippinen und hat Medizintechnik studiert. „Im Krankenhaus habe ich so viele Menschen gesehen, die durch Krankheiten wie Hepatitis oder HIV die Möglichkeit verloren haben, einer Arbeit nachzugehen. Diese Menschen sind anfällig für Diskriminierung an ihrem Arbeitsplatz“, beschreibt er sein Projekt. „Deshalb haben wir eine Schule entwickelt, wo diese Menschen mit Kenntnissen aus der Industrie lernen von zu Hause aus online zu arbeiten. „Wir machen diese Menschen zu Anwälten für andere Arbeitsbedingungen und gegen die Benachteiligung von Behinderten“, sagt Gersava. Das hat viel mit Kommunikation und Storytelling zu tun – zum Beispiel in sozialen Netzwerken. „So können wir diesen unbeachteten Menschen Aufmerksamkeit in der Gesellschaft geben.“

Catherine Miano aus Kenia verfolgt einen anderen Ansatz. Ihr Projekt „Pitch a dream“ will Kindern in ihrer Heimat die Kultur des Lesens vermitteln. „Bei uns gibt es zwar eine kostenlose achtjährige Grundschule, was gut ist. Aber viele Kinder können sich keine Bücher leisten“, sagt sie. „Dieses Problem will ich lösen.“ Dazu werden Wettbewerbe veranstaltet, bei denen Kinder gespendete Bücher gewinnen können. Freiwillige bauen in Schulen Büchereien auf. Catherine Miano will diese Idee skalieren: „Je mehr Spenden wir bekommen, um so mehr brauchen wir eine Organisation, um diese Bücher weitergeben zu können und mit den Kindern über das Lesen sprechen. Wir wollen eine Kultur des Lesens aufbauen, damit diese Kinder Menschen mit Träumen und Zielen werden.“

Möglicherweise schlummern in solchen Projekten die Potenziale für die Messe der Zukunft. „Wir wollen andere Formate finden, um die Messe anzureichern“, sagt Gérald Lamusse, der Geschäftsbereichsleiter Products & New Business der Messe Berlin. Für ihn sind die DoSchool-Fellows Informationsarchitekten, die neue Formen der Kommunikation entdecken. „Ihre Aufgabe ist, spannende Informationen herauszukristallisieren und das so zu verpacken, dass es für unterschiedliche Zielgruppen interessant sein kann.“

Gelänge das, wäre ein Wunsch von Christian Göke erfüllt. Seine Vision ist eine Messe, die sich aus ihrem zeitlichen Korsett befreit. „Wie schaffen wir es, diese Energie, die sich in drei oder vier Messetagen durch das intensivste Wettbewerbsumfeld, das man sich vorstellen kann, bündelt zu übersetzen in die anderen 360 Tage im Jahr.“ Vielleicht ist das der Ort, an dem der heilige Gral der Messewirtschaft schlummert. Und vielleicht findet die DoSchool einen Weg dorthin.