Frankfurt/Main.

Deutsche Bank schwächelt zwei weitere Jahre

Kosten für Rechtsstreitigkeiten steigen 2016 noch einmal

Frankfurt/Main.  Die Börse hat er immer noch nicht auf seiner Seite. Als John Cryan die Bilanz 2015 erläutert, fällt der Aktienkurs der Deutschen Bank stärker als andere Papiere. Ihn berühre das, sagt er. Aber der Brite an der Spitze des größten deutschen Bankhauses sagt auch: „Wir müssen nicht den Kurs managen, sondern die Bank.“

Wenn er am Donnerstag von „Strategie“ spricht, die die Bank und dann auch den Kurs wieder hochbringen soll, dann redet Cryan nicht von Visionen. Er hat sich vielmehr einen Weg vorgenommen, der aus vier Stufen besteht: „Einfacher und effizienter“ soll die Bank werden, „weniger Risiken“ aufnehmen, „besser kapitalisiert“ sein. Und alles das brauche „disziplinierte Umsetzung“. Große Zukunftsgemälde der Deutschen Bank kann man von dem Mann im grauen Anzug mit der farblosen dunklen Krawatte wohl nicht erwarten. Er gibt den soliden Reformarbeiter. Der hatte für die Börse in der Tat keine guten Nachrichten:

12,7 Milliarden Euro hat die Bank seit 2012 für Rechtsstreitigkeiten ausgegeben, allein voriges Jahr 5,2 Milliarden Euro. Und es könne sein, sagt Cryan, dass 2016 noch ein weiterer „signifikanter“ Betrag hinzukomme. Dass die Dividende für 2015 und 2016 ausfällt, war schon bekannt. „Vielleicht“ gebe es eine für 2017. „Wait and see“, sagt Cryan. Finanzvorstand Marcus Schenck sagt allerdings über 2017, er könne einen Verlust nicht ausschließen.

Es sind die Altlasten aus der Ära Josef Ackermann und Anshu Jain, die die Bank wohl noch einige Zeit quälen. Damit sich das aktuell desaströse Zahlenwerk ändere, sei schon einiges angeschoben, sagt Cryan. Die Geschäftsbereiche sind jetzt nach Kundensegmenten angeordnet. Dann hat sich die Bank aus Risiken zurückgezogen, von Kunden und Regionen getrennt. Im Investmentbanking soll die Zahl der Kunden um die Hälfte schrumpfen. Insgesamt 14.000 Arbeitsplätze sollen wegfallen, gleichzeitig will die Deutsche Bank 5000 neue Stellen in der Informationstechnologie schaffen, aber auch im Aktiengeschäft, wo sie Marktanteile verloren hat. Im Inland schließt die Deutsche Bank 200 Filialen, vor allem in den Städten. Helfen soll der Bank auch, wenn sie sich von Beteiligungen trennt, etwa den 20 Prozent an der chinesischen Hua Xia Bank.

John Cryan jedenfalls versucht, den ehrlichen Wegweiser zu geben: „Ich bin stolz, hier zu arbeiten“, sagt er. Und, obwohl er erst seit einem halben Jahr im Amt ist: „Ich fühle mich persönlich verantwortlich für den Verlust.“ 6,8 Milliarden Euro waren es voriges Jahr. Zu den Ausgaben für Rechtsstreitigkeiten von 5,2 Milliarden Euro kamen Abschreibungen auf Firmenwerte von 5,8 Milliarden Euro. Eine Milliarde Euro haben Abfindungen und andere Ausgaben für den Umbau der Bank gekostet. Dies zusammen mit den laufenden Kosten konnte die Erträge der Bank von 33,5 Milliarden Euro nicht ausgleichen.