Hamburg –

Kellogg will Cornflakes in eigenen Cafés anbieten

Hamburg.  Bisher gibt es die Produkte von Kellogg nur im Handel. Doch der US-Konzern will sie in Deutschland noch anders verkaufen – in eigenen Cafés. Das erste soll es in Hamburg geben, dem Sitz des Nordeuropageschäfts. Neben Frühstücksflocken soll es auch Kaffeespezialitäten und Kuchen geben. Entsprechende Architektenentwürfe lägen bereits in der Schublade, sagte Wolfgang König, Nordeuropa-Chef von Kellogg. „Bei Erfolg könnten weitere Cafés in anderen deutschen Metropolen wie Berlin, München oder Düsseldorf folgen.“

Ein bisschen mehr Markenpräsenz kann der US-Konzern gebrauchen. Zwar verbinden die meisten Deutschen Cornflakes automatisch mit dem Erfinder Kellogg, doch der gesamte Markt befindet sich seit Jahren im Umbruch. Traditionelle Frühstücksflocken wie Frosties, Smacks oder Special K verlieren Marktanteile oder stagnieren bestenfalls. Müslis hingegen boomen und legen im zweistelligen Prozentbereich zu. Das hat vor allem mit dem gestiegenen Gesundheitsbewusstsein der Verbraucher zu tun, die auf vollwertige und natürlich süße Alternativen setzen.

Diesen Trend hat Kellogg lange verschlafen, erst 2014 kamen die ersten vier reinen Müslis auf den deutschen Markt. Nun laufen die Amerikaner dem Markt hinterher. Während das Verhältnis zwischen Flocken und Müslis heute in Deutschland bei 50 zu 50 liegt, machen Müslis bei Kellogg gerade einmal zehn Prozent des Umsatzes aus. Konkurrenten wie Dr. Oetker, Seitenbacher oder Kölln haben das Segment erfolgreich besetzt.

Trotz ihres geringen Anteils bei Kellogg sind die Müslis allein dafür verantwortlich, dass die Cerealien-Erlöse des Konzerns in Deutschland 2015 um 1,7 Prozent auf 117 Millionen Euro gestiegen sind, wie die Marktforschungsgesellschaft IRI ermittelt hat. In diesem Jahr soll sich der Umsatzanteil der Müslis dank fünf neuer Varianten verdoppeln.

Die Rezepturen der klassischen Frühstücksflocken verändert Kellogg hingegen nur bedingt – trotz starker Kritik von Verbraucherschützern, die seit Jahren den hohen Zuckergehalt in den oft an Kinder gerichteten Produkten bemängeln. So bestehen Kellogg’s Smacks mit 43 Prozent nach wie vor fast zur Hälfte aus Zucker, bei Frosties sind es immer noch 37 Prozent. Bei Änderung der Rezeptur bestehe immer ein Risiko, Kunden zu verprellen, die das jeweilige Produkt schon lange kennen und lieben, gibt König zu bedenken.

Dass der Konzern in Deutschland trotz des schwierigen Markts gut dasteht, hat mit einem Snack zu tun, den die wenigsten mit Kellogg verbinden: Pringles. Die Chipsmarke kaufte der Konzern 2012 von Procter & Gamble für 2,7 Milliarden Dollar. In der Bundesrepublik stiegen die Pringles-Erlöse den Marktforschern von IRI zufolge 2015 um 10,6 Prozent auf 125 Millionen Euro. Insgesamt wuchs der deutsche Kellogg-Umsatz um 6,1 Prozent auf 242 Millionen Euro.