Finanzbranche

Deutsche Bank schwächelt – und das geht noch Jahre weiter

Deutsche-Bank-Chef John Cryan legt einen Rekordverlust vor. 2016 und 2017 wird es nicht besser. Rechtsstreits kosten weiter Geld.

Deutsche-Bank-Chef John Cryan reibt sich am Auge. In Frankfurt/Main legte er die Bilanz 2015 vor und gab einen wenig erbaulichen Ausblick auf 2016 und 2017.

Deutsche-Bank-Chef John Cryan reibt sich am Auge. In Frankfurt/Main legte er die Bilanz 2015 vor und gab einen wenig erbaulichen Ausblick auf 2016 und 2017.

Foto: Michael Gottschalk / Photothek via Getty Images

Frankfurt/Main.  Die Börse hat er immer noch nicht auf seiner Seite. Als John Cryan die Bilanz des vergangenen Jahres erläutert, fällt der Aktienkurs der Deutschen Bank stärker als andere Papiere. Ihn berühre das, sagt er. Aber der Brite an der Spitze des größten deutschen Bankhauses sagt auch: „Wir müssen nicht den Kurs managen, sondern die Bank.“

Wenn er am Donnerstag von „Strategie“ spricht, die die Bank und dann auch den Kurs wieder hochbringen soll, dann redet Cryan nicht von Visionen. Er hat sich vielmehr einen Weg vorgenommen, der aus vier Stufen besteht: „einfacher und effizienter“ soll die Bank werden, „weniger Risiken“ aufnehmen, „besser kapitalisiert“ sein. Und alles das brauche „disziplinierte Umsetzung“. Große Zukunftsgemälde der Deutschen Bank kann man von dem Mann im grauen Anzug mit der farblosen dunkeln Krawatte wohl nicht erwarten.

12,7 Milliarden Euro für Rechtsstreitigkeiten seit 2012

Er gibt den soliden Reformarbeiter. Der hatte für die Börse in der Tat keine guten Nachrichten:12,7 Milliarden Euro hat die Bank seit 2012 für Rechtsstreitigkeiten ausgegeben, allein voriges Jahr 5,2 Milliarden Euro. Und es könne sein, sagt Cryan, dass 2016 noch ein weiterer „signifikanter“ Betrag hinzukomme. Dass die Dividende für 2015 und 2016 ausfällt, war schon bekannt. „Vielleicht“ gebe es eine für 2017. „Wait and see“, sagt Cryan. Finanzvorstand Marcus Schenck sagt über 2017, er könne einen Verlust nicht ausschließen, „wir streben ihn natürlich nicht an“.

Klarer ist schon Cryans Aussage, die Bank werde ohne eine weitere Kapitalerhöhung auskommen. Aber gerade das glaubt ihm die Börse nach Auskunft von Händlern nicht. Ende Dezember war die wichtige sogenannte harte Kernkapitalquote auf 11,1 Prozent der Bilanzrisiken gesunken. Ende des dritten Quartals hatte sie noch 11,5 Prozent betragen.

Altlasten aus der Ära Josef Ackermann und Anshu Jain

Es sind die Altlasten aus der Ära Josef Ackermann und Anshu Jain, die die Bank wohl noch einige Zeit quälen. „Wir arbeiten hart daran, sie zu bereinigen“, hat Cryan den Mitarbeitern der Bank geschrieben. Die Umstrukturierung brauche „Zeit, Entschlossenheit und Geduld“.

Damit sich das aktuell desaströse Zahlenwerk ändere, sei schon einiges angeschoben, sagt Cryan. Die Geschäftsbereiche sind jetzt nach Kundensegmenten angeordnet. Ein Beispiel: Bei einem Unternehmen, das Kredite nachfragt, können so leichter auch Anleihen als Finanzierungsquelle vorgeschlagen werden. Oder gar ein Börsengang. Alles Geschäfte, die der Bank mehr Ertrag einbringen als ein mehr oder weniger simpler Kredit. Dann hat sich die Banken aus Risiken zurückgezogen, von Kunden und Regionen getrennt. Im Investmentbanking soll die Zahl der Kunden um die Hälfte schrumpfen.

14.000 Stellen sollen wegfallen, 5000 dazukommen

Der Personalabbau komme voran, berichtet Cryan. insgesamt 14.000 Stellen sollen wegfallen, gleichzeitig will die Deutsche Bank 5000 neue Stellen in der Informationstechnologie schaffen, aber auch im Aktiengeschäft, wo sie Marktanteile verloren hat. Wird die Postbank verkauft, zählen deren Beschäftigte auch nicht mehr zum Konzern, der somit um knapp 30.000 Beschäftigte auf dann noch 77.000 schrumpfen wird. Allerdings verzögert sich die Trennung wahrscheinlich um zwei Jahre.

Im Inland schließt die Deutsche Bank 200 Filialen, vor allem in den Städten. „Wir werden die Fläche nicht vernachlässigen“, versichert Jürgen Fitschen, noch Co-Chef neben Cryan.

Helfen soll der Bank auch, wenn sie sich von Beteiligungen trennt, etwa den 20 Prozent an der chinesischen Ha Xia Bank.

„Ich fühle mich persönlich verantwortlich für den Verlust.“

John Cryan jedenfalls versucht den ehrlichen Wegweiser zu geben: „Ich bin stolz, hier zu arbeiten“, sagt er. Und, obwohl er erst seit einem halben Jahr im Amt ist: „Ich fühle mich persönlich verantwortlich für den Verlust.“ 6,8 Milliarden Euro waren es voriges Jahr.

Zu den Ausgaben für Rechtsstreitigkeiten von 5,2 Milliarden Euro kamen Abschreibungen auf Firmenwerte von 5,8 Milliarden Euro. Eine Milliarde Euro haben Abfindungen und andere Ausgaben für den Umbau der Bank erfordert. Dies zusammen mit den laufenden Kosten konnten die Erträge der Bank von 33,5 Milliarden Euro nicht ausgleichen.