Berlin –

Ein bisschen weniger Korruption

Staaten bekämpfen Bestechung besser. Weiter hohe Anfälligkeit. Deutschland steigt auf

Berlin.  Im Kampf gegen Korruption kommen die Staaten voran. Dem Korruptionsindex von Transparency International (TI) zufolge haben sich im vergangenen Jahr viele Länder deutlich mehr Mühe gemacht, um gegen korrupte Machenschaften vorzugehen. Demnach war die Zahl der Staaten, in denen die Korruption zurückging, höher als die Zahl der Länder, in denen sich der Wert verschlechterte.

Deutschland belegt im internationalen Vergleich Rang zehn und hat sich somit seit 2014 um zwei Plätze verbessert. Grund dafür sind vor allem verschiedene Regierungsentscheidungen. So hat Deutschland die UN-Konvention gegen Korruption ratifiziert, die Strafen für Bestechung von Mandatsträgern wurden verschärft und es wurden Karenzzeiten für Politiker in hohen Ämtern per Gesetz festgelegt. Zudem berät der Bundestag derzeit über einen Gesetzesentwurf gegen Korruption im Gesundheitswesen.

Gleichauf mit Deutschland liegen Großbritannien und Luxemburg. Die am wenigsten korrupten Staaten sind Dänemark, Finnland und Schweden. Die letzten Plätze in der Aufstellung belegen Afghanistan, Nordkorea und Somalia. Insgesamt hat TI 168 Staaten erfasst. Brasilien ist im internationalen Vergleich am stärksten abgestürzt. Zwei Drittel der Länder weisen nach wie vor eine hohe Korruptionsanfälligkeit auf. Der Index misst die in Wirtschaft, Politik und Verwaltung wahrgenommene Korruption und basiert auf der Befragung verschiedener Experten.

Besonders erfolgreich im Kampf gegen Bestechung und Machtmissbrauch zeigte sich Griechenland. 2014 belegte das Land noch Platz 69. Im vergangenen Jahr erreichte der Krisenstaat Rang 58. Grund dafür waren vor allem Maßnahmen gegen Steuerhinterziehung und Korruption im Gesundheitswesen. Schlusslicht in der EU ist Bulgarien auf Rang 69. Aber auch Spanien (36), Italien (61) und Rumänien (58) bekommen schlechte Werte.

Für Edda Müller, Vorsitzende der Antikorruptionsorganisation, ist der Aufstieg Deutschlands aber keineswegs eine „Beruhigungspille“. „Der Ruf der deutschen Wirtschaft ist schlechter geworden“, sagt Müller. Führungskräfte würden als weniger integer wahrgenommen. Jüngstes Beispiel für ein Fehlverhalten in der Wirtschaft ist für sie der Skandal um Abgaswerte bei VW. „Wo klare Regelungen fehlen, ist die Versuchung von Unternehmen zu Manipulation hoch“, sagt Müller. „Ethisches Verhalten braucht solide Rahmenbedingungen.“ Für sie trägt der Staat eine Mitschuld am Reputationsverlust und wirtschaftlichen Schaden des Autobauers.

Als besonders anfällig für Korruption zeigt sich TI zufolge der Finanzsektor. Zwischen 2010 und 2014 hätten Banken weltweit mehr als 300 Milliarden US-Dollar Bußgeld für Gesetzes- und Regelverstöße gezahlt. Experte Caspar von Hauenschild fordert einen Kulturwandel in der Branche, der durch die Bankenaufseher angestoßen werden muss. Bußgelder allein würden bei Wei­tem nicht ausreichen, da sie in vielen Fällen als Bagatelle betrachtet würden.

Von Hauenschild appelliert an die Banken, Fehler transparent zu machen. „Ohne radikale Veränderung des Fehlermanagements wird es keinen Kulturwandel geben.“ Auch bei deutschen Finanzinstituten sei im vergangenen Jahr vieles nicht gut gelaufen.