Flüchtlinge

So können Firmen den Flüchtlingen in Deutschland helfen

Viele Unternehmen möchten die Flüchtlinge in Deutschland wirksam unterstützen. Neue Leitfäden und Initiativen beraten Firmen dabei.

Die Schülerin Hadeiatou aus Guinea macht einen Kurs im E-Schweißen. Die junge Frau kam als Flüchtling nach Deutschland und begann hier eine Ausbildung.

Die Schülerin Hadeiatou aus Guinea macht einen Kurs im E-Schweißen. Die junge Frau kam als Flüchtling nach Deutschland und begann hier eine Ausbildung.

Foto: Ingo Wagner / dpa

Berlin.  Die Laptops kommen von Google, Schuhe und Jacken von einem Sportartikelhersteller: Flüchtlinge in ganz Deutschland bekommen seit Monaten Unterstützung von Unternehmen. Diese spenden Geld, Sachwerte und geben ihren Mitarbeitern frei, wenn sie sich für die Geflüchteten einsetzen wollen.

Bund, Länder und Kommunen sind auf die Hilfe von Privatpersonen und aus der Wirtschaft angewiesen. Das gilt sowohl für die Notversorgung als auch die langfristige Integration der Zuwanderer. Doch viele Firmenchefs wissen nicht, wo sie ihre Hilfe anbieten können. Sie sollen nun professionelle Unterstützung bekommen.

Jobbörse für Flüchtlinge startet Ende Februar in Berlin

In Berlin soll eine Jobbörse für Flüchtlinge die Neuankömmlinge am 29. Februar mit Berliner Firmen zusammenbringen. Mehr als 150 Unternehmen und Beratungsorganisationen hätten sich angemeldet, teilte das Hotel Estrel als Veranstalter mit. Zu den Firmen, die Mitarbeiter oder Auszubildende suchten, gehörten die Berliner Sparkasse, Berlin-Chemie, Gegenbauer, Randstad Deutschland, Vattenfall und Zalando. Auch die Agentur für Arbeit werde mit einem mehrsprachigen Team vor Ort sein.

Die Bereitschaft zu helfen ist bei den Betrieben noch immer groß, heißt es beim Zentralverband des Deutschen Handwerks. Vielen Beschäftigten und ihren Chefs reiche es nicht aus, sich nur humanitär zu engagieren. Da die Betriebe in der Regel in der Region gut vernetzt seien, sei diese Hilfe schon früh angelaufen. Jetzt gehe es um langfristige Unterstützung. Zudem hoffen viele Handwerksmeister auf künftige Auszubildende. Etliche Firmen kämpfen schließlich um guten Nachwuchs.

Aktionsprogramm des DIHK

Auch der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) hat ein Aktionsprogramm gestartet. Rund 20 Millionen Euro stellt der Verband in diesem Jahr für die Initiative „Ankommen in Deutschland“ zur Verfügung. „Die Integration der Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt ist eine der größten Herausforderungen seit der Wiedervereinigung“, sagt DIHK-Präsident Eric Schweitzer. „Klar ist, dass ein solcher Integrationsprozess sicher fünf bis zehn Jahre dauern wird.“

Für alle Unternehmen und Stiftungen, die sich engagieren wollen, aber noch nicht genau wissen, wo und wie, hat das gemeinnützige Beratungs- und Analysehaus Phineo jetzt einen neuen Ratgeber herausgegeben. Auf rund 30 Seiten sind dort konkrete Ideen zur Flüchtlingshilfe aufgelistet und auch die wichtigsten rechtlichen Themen erklärt. „Für Unternehmen ist es besonders wichtig, das neue Engagement für Flüchtlinge passend zu ihrem eigentlichen Kerngeschäft und dem schon bestehenden Unternehmensengagement zu gestalten“, sagt Andreas Rickert, Phineo-Vorstandsvorsitzender. Es gehe weniger um Kleiderspenden, oder die Überweisung von Geldbeträgen, sondern um besonders wirksame Hilfen.

Bürokratische Hürden schrecken Unternehmen von Hilfe ab

Mit dem Ratgeber will Phineo nun Firmen und Stiftungen dabei unterstützen, das passende Hilfsangebot zu finden. Beispiele gibt es für die Bereiche Wohnen, Bildung, Gesundheit, Sprache oder Demokratieförderung. Angesprochen sind sowohl lokal engagierte Mittelständler als auch Großunternehmer.

Oft seien es vor allem bürokratische Fallstricke, die Firmen abschrecken noch mehr zu tun, als nur Geld zu spenden, weiß Phineo und gibt mit dem Ratgeber auch Hilfestellung zu formellen Fragen der Integration.

Dass die Wirtschaft von ihrem Engagement für Flüchtlinge profitieren wird, ist Phineo überzeugt. „Integration im Sinne einer gleichberechtigen Teilhabe funktioniert vor allem durch die Einbindung in die normalen Strukturen der Aufnahmegesellschaft“, sagt Rickert. „Hier ist der Arbeitsplatz ein besonders relevanter Faktor.“