Wirtschaft

Neues Licht für BerlinJürgen Stüber über Holy Trinity

Sie sind nur zu zweit: der Designer Matthias Pinkert und der Kaufmann Karsten Reichel. Trotzdem nennen sie sich Holy Trinity, übersetzt Heilige Dreifaltigkeit. Vielleicht ist ihr Produkt oder das Licht, das ihm entströmt, die dritte Hypostase.

Holy Trinity stellte jetzt in der Berliner Factory, dem zentralen Start-up-Campus der Hauptstadt, die nächste Generation seiner Design-LED-Leuchten vor und kündigte eine Crowdfunding-Kampagne auf der Plattform Kickstarter an. Die 56 Dioden der 80 Zentimeter langen Lichtstäbe lassen sich einzeln vom iPhone aus steuern. In der vorigen Serie übernehmen vier Ringe diese Aufgabe, die sich an der Längsseite des Lichtstabes verschieben lassen und dabei nur ausgewählte Segmente leuchten lassen.

Kickstarter ist eine Internetplattform, die Gründern und Künstlern hilft, ihre Projekte zu finanzieren. Besucher der Plattform können Produkte verbindlich ordern und bezahlen, was den Gründern Planungssicherheit und finanziellen Spielraum gibt. Als Gegenleistung werden die Produkte meist in unterschiedlich teuren Versionen angeboten. Wer früh bucht, erhält häufig Preisnachlässe. Für die Investoren bleibt stets das Risiko, dass die Erfinder oder Künstler mit ihren Ideen scheitern. Andererseits gehören sie im Erfolgsfall zu den Ersten, die ein trendiges Produkt geliefert bekommen. Die Plattform erhebt für ihre Dienstleistung eine Vermittlungsprovision von fünf Prozent.

Quasi aus dem Stand haben die Wahlberliner aus Dresden den Red Dot Award for Design Concept gewonnen. Dieses Design hat Matthias Pinkert entworfen und entwickelt, der gelernter Tischler und studierter Produktgestalter ist. Er sieht sich in der Tradition des Bauhauses. Vara, die neue Leuchtengeneration mit einem Lichtstab, der einem kreisrunden, scheibenförmigen Fuß entwächst, erinnert in ihrer Formstrenge und Schlichtheit an Bilder von Wassily Kandinsky.

Die Gründer von Holy Trinity kennen sich aus Dresden und arbeiten seit 2010 an ihrem Projekt. Ihr Unternehmen ist nach wie vor in der sächsischen Landeshauptstadt registriert, dort arbeitet auch die Manufaktur, in der die Leuchten entstehen. Doch das operative Geschäft wird längst von Berlin aus gesteuert. In der Factory haben die Gründer nicht nur ein Büro, sondern auch ihre ersten Investoren gefunden – Business Angels. 190.000 Euro wollen die Gründer jetzt bei einer Kickstarter-Kampagne erlösen, die im Februar beginnt. Sie soll das Start-up auf die nächste Stufe heben, die Markteinführung von Vara garantieren und dem Unternehmen womöglich den Eintritt in den US-Markt öffnen.

Der Wechsel von Dresden nach Berlin ist für Matthias Pinkert und Karsten Reichel auch ein Statement. Sie wollen Teil der vernetzten Stadt werden, der Smart City, wie Berlin gerne genannt wird. Hier finden sie Inspirationen aus der Start-up-Szene, die sich zunehmend auch auf dem Gebiet des Internets der Dinge und der Hardware profiliert.

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