Berlin/Peking –

VW-Mitarbeiter beschuldigt Führungskräfte

Angeblich viele Mitwisser bei Abgasbetrug. Konzern: Spekulation

Berlin/Peking.  Bei Volkswagen haben möglicherweise viele Manager von der millionenfachen Manipulation von Dieselemissionswerten gewusst. Interne Befragungen bei VW hätten ergeben, dass nahezu alle mit Abgasproblemen befassten Führungskräfte in der Motorenentwicklung eingeweiht oder beteiligt gewesen seien, berichteten „Süddeutsche Zeitung“, NDR und WDR unter Berufung auf eigene Recherchen. Die Entwickler hätten sich von der Konzernführung unter Druck gesetzt gefühlt, vor allem für den US-Markt eine schnelle und kostengünstige Lösung für einen sauberen Dieselmotor vorzustellen. Dies sei nicht geschafft worden, deshalb habe man sich für den Betrug entschieden. Ein VW-Sprecher sagte, es handle sich um Spekulationen, zu denen sich das Unternehmen nicht äußere.

Ein Kronzeuge, gegen den die Braunschweiger Staatsanwaltschaft ermittelt, hat dem Bericht zufolge erklärt, er selbst habe einen hochrangigen Manager außerhalb der Abteilung auf die Manipulationen bei dem Wolfsburger Konzern aufmerksam gemacht. Dieser habe aber nicht reagiert. Dem Medienbericht zufolge herrschte bei dem Dax-Konzern ein „Schweigegelübde“. Andere Firmenbereiche hätten bis auf Ausnahmen nichts von den Manipulationen wissen sollen.

Volkswagen hat zugegeben, Dieselemissionswerte millionenfach durch eine Software manipuliert zu haben. Der Fall war im September von den US-Umweltbehörden EPA und CARB öffentlich gemacht worden. In den USA droht Volkswagen deswegen eine milliardenschwere Strafe. Anwälte haben zudem Schadenersatzklagen eingereicht. Weltweit sind rund elf Millionen Fahrzeuge betroffen, allein in Europa sind es 8,5 Millionen.

Zuletzt verlor Volkswagen auch im operativen Geschäft an Boden. Während die Pkw-Nachfrage in der EU im Dezember um fast 17 Prozent und damit so stark wie seit Langem nicht mehr zulegte, wuchs der Absatz der Wolfsburger nur um rund fünf Prozent. Angesichts des Gegenwindes will VW neue Märkte ins Visier nehmen. So hätten Kenia, Äthiopien und Ecuador höchste Priorität, zitiert die „Automobilwoche“ den Generalsekretär der Marke VW, Christian Eisenlohr. Mittelfristig gehe es darum, mindestens drei neue Märkte zu erschließen.