Washington/Wolfsburg –

Ex-FBI-Chef soll für VW Klagen in den USA abwehren

Arbeitnehmervertreter sehen keinen Bedarf für Personalie

Washington/Wolfsburg.  Der VW-Konzern kommt in der Affäre um manipulierte Abgaswerte nicht zur Ruhe: Erst sorgte Konzernchef Matthias Müller in den USA für helle Aufregung, weil er sich in Radiointerviews zum Thema Verantwortung und Ethik um Kopf und Kragen redete. Dann holte sich Müller eine Abfuhr der zuständigen US-Behörden für die Umrüstpläne im Abgasskandal. Nun will der VW-Vorstand eine besondere Personalie einfädeln, welche die einflussreiche Arbeitnehmerseite bei VW weder kennt noch unterstützt: Der frühere FBI-Chef Louis Freeh soll als Sonderbeauftragter von Volkswagen für die Abwehr von Klagen und zur Beruhigung der US-Behörden in den Ring steigen. Der 66-Jährige würde damit auch Aufgaben wahrnehmen, die ins Ressort der VW-Vorstandsfrau Christine Hohmann-Dennhardt fallen. Sie war vom Konkurrenten Daimler nach Wolfsburg gewechselt und ist für „Integrität und Recht“ zuständig.

Die Idee sorgt für Kopfschütteln aufseiten der mächtigen Arbeitnehmerseite. „Wir kennen diese Personalie nicht, und sie steht auch nicht auf der Agenda des Aufsichtsratspräsidiums“, hieß es aus VW-Arbeitnehmerkreisen. Und zu den Spekulationen über Freeh: „Wir haben Frau Hohmann-Dennhardt für diese anspruchsvolle Aufgabe. Weiteren Bedarf sehen wir nicht.“

Wie am Dienstag bekannt wurde, soll künftig ein ehemaliger BMW-Manager Volkswagen in den USA wieder in Fahrt bringen. VW wolle Hinrich Woeb­cken zum neuen Nordamerikachef machen, schreibt das „Manager Magazin“ unter Berufung auf Konzernkreise. Woebcken war rund zehn Jahre lang bei BMW unter anderem für den Einkauf zuständig. Zuletzt war er Nutzfahrzeugvorstand beim Zulieferer Knorr-Bremse, hatte das Unternehmen aber Mitte 2015 verlassen. Bereits Anfang April solle der 55-Jährige sein Amt antreten und damit offenbar schnellstmöglich auf den jetzigen VW-Amerikachef Michael Horn folgen. Ein VW-Sprecher sagte auf Anfrage lediglich: „Wir kommentieren keine Personalspekulationen.“

Wegen der manipulierten Abgaswerte droht Volkswagen nun auch in Südkorea ein Gerichtsverfahren. Das Umweltministerium in Seoul erstattete am Dienstag Strafanzeige gegen den Geschäftsführer von Audi Volkswagen Korea, Johannes Thammer. Die Behörde wirft VW vor, Anordnungen nicht befolgt und nur mangelhafte Rückrufpläne für mehr als 125.000 Dieselfahrzeuge eingereicht zu haben. Unter anderem fehlten technische Informationen zu den Fehlerquellen, hieß es.