Davos –

Währungsfonds warnt vor großen Risiken für Weltwirtschaft

ILO erwartet steigende Arbeitslosigkeit. Manager pessimistischer

Davos.  Der Internationale Währungsfonds sieht erhebliche Risiken für die Weltwirtschaft und senkt seine Konjunkturprognose. Ein Rückgang in den Entwicklungsländern, Chinas Kurskorrektur, niedrige Rohstoffpreise und der Ausstieg aus der Politik des ultrabilligen Geldes in den USA bedeuteten große Unsicherheit, heißt es im Weltwirtschaftsbericht, der am Dienstag in London vorgestellt wurde. „Wenn diese Herausforderungen nicht erfolgreich gemeistert werden, könnte das weltweite Wachstum entgleisen.“

Derzeit erwartet der IWF ein globales Wirtschaftswachstum von 3,4 Prozent im laufenden Jahr sowie 3,6 Prozent für 2017. Dies ist eine Korrektur um 0,2 Punkte nach unten im Vergleich zur Herbstprognose. Für 2015 wird das Wachstum auf 3,1 Prozent beziffert.

Kein Wunder, dass auch die Arbeitslosigkeit weltweit steigen dürfte. Die Zahl der Erwerbslosen werde 2016 um 2,3 Millionen auf 199,4 Millionen Personen zunehmen, prognostizierte die Internationale Arbeitsorganisation (ILO). 2017 sei ein Zuwachs um weitere 1,1 Millionen zu erwarten.

Auch die Manager großer Unternehmen werden weltweit pessimistischer, wenngleich ihre Stimmung deshalb noch nicht schlecht ist. Dies ist das Ergebnis einer aktuellen Umfrage der Beratungsgesellschaft Pricewaterhouse­Coopers (PwC) unter Firmenvorständen, die einen Tag vor Beginn des Weltwirtschaftsforums in Davos vorgestellt wurde. 27 Prozent der Vorstände nehmen demnach an, dass sich die Lage der Weltwirtschaft 2016 verbessert. Im Vorjahr hatten 37 Prozent diese Erwartung geäußert. Umgekehrt sehen 66 Prozent der Topmanager Wachstumsrisiken. 2015 waren es nur 59 Prozent.

Allgemein herrscht der Eindruck vor, dass sich die Welt auseinanderentwickele, Handel, Kooperation und Verständigung zwischen wichtigen Staaten schwerer würden. „Die Verunsicherung in den Chefetagen nimmt weiter zu“, kommentierte PwC-Deutschland-Chef Norbert Winkeljohann die Ergebnisse der Studie, für die 1.409 Topmanager aus 83 Ländern befragt wurden, davon 75 aus Deutschland. „Die Zunahme weltweiter politischer Krisen und Konflikte, die Entwicklung des Ölpreises, das verlangsamte Wachstum von Chinas Wirtschaft und die Herausforderungen durch Zuwanderung sind neue Risiken, die sich spürbar auf die Stimmungslage ausgewirkt haben.“

Deutschland mache eine gewisse Ausnahme. Hier sei die Stimmung besser als im globalen Durchschnitt. 40 Prozent der Befragten äußerten sich optimistisch hinsichtlich der ökonomischen Weltlage. Ihnen stehen 24 Prozent Pessimisten gegenüber. Allerdings zeigen sich auch hierzulande Spuren der Verunsicherung. Nur 28 Prozent der Firmenchefs rechnen 2016 mit Wachstum für das eigene Unternehmen. Trotzdem wollen 43 Prozent der Unternehmen in diesem Jahr zusätzliche Beschäftigte einstellen, ein Drittel plane, seine Belegschaft zu reduzieren.