Wirtschaft

Das große VerknüpfenFrankreichs Wirtschaftsminister und der britische Schatzkanzler in der Factory

Der Start-up-Campus Factory entfernt sich immer weiter vom reinen Immobiliengeschäft. Die 12.000 Quadratmeter Geschäftsfläche an der Rheinsberger Straße sind komplett vermietet (SoundCloud, Twitter, Uber, Lufthansa), für den Erweiterungsbau am Mauerstreifen steht zumindest der Bauzaun, die Dependance am Tempelhofer Ufer ist so gut wie fertig und zwei weitere Objekte kommen spätestens in zwei Jahren dazu. Der Erfolg hat andere Vermieter von Coworkingspaces auf den Plan gerufen: Mindspace aus Israel etwa, die an der Friedrichstraße 5000 Quadratmeter vermarkten, oder WeWork aus den USA.

Die Factory will mehr sein: die Keimzelle des neuen digitalen Mittelstandes, ein Ort für junge Gründer, ein Netzwerk, das Brücken zwischen der etablierten und der neuen Wirtschaft baut. Entsprechend groß ist das Interesse. CEOs geben sich die Klinke die Hand, die Internetwirtschaft ebenso. Google- beziehungsweise Alphabet-Chairman Eric Schmidt kam sogar zur Eröffnung.

Jetzt haben auch der französische Wirtschaftsminister Emmanuel Macron und der britische Schatzkanzler George Osborne den Berliner Start-up-Campus Factory an der Rheinsberger Straße in Mitte besucht. Geschäftsführer Udo Schloemer stellte den Ministern den Campus vor und führte sie durch die Räume, in denen sich Gründer Arbeitsplätze teilen (Coworking Space).

Der Wagniskapitalgeber Klaus Hommels (Lake Star), einer der erfolgreichsten europäischen Investoren, beschrieb Macron und Osborne die Factory als eine der wichtigen Zentren für die Entwicklung des Berliner Digitalszene. Hommels hat in die Factory investiert. Die Liste seiner erfolgreichen finanziellen Engagements ist ebenso lang wie prominent: der Musikstreamingdienst Spotify, der Telefoniedienst Skype, das soziale Netzwerk Facebook, das Businessnetzwerk Xing und der Zimmer-Marktplatz Airbnb.

Hommels, der die TechCity in London für ein Vorbild hält, will etwas Vergleichbares in Berlin aufbauen, den Austausch zwischen den Städten verbessern, ein Ökosystem schaffen. Als erfolgreicher Investor fühlt er sich gesellschaftlich verantwortlich, der wachsenden Szene Starthilfe zu geben und den jungen Firmen Zugang zu den internationalen Märkten zu verschaffen.

Hommels und Macron sprachen bei ihrem Treffen in Berlin über eine Digitalwirtschaftskooperation zwischen Frankreich und Deutschland. Macron, Schloemer und Hommels wollen die deutsche und die französische Start-up-Szene vernetzen. Eine Art Botschafter des jeweiligen Landes sollen in Paris und Berlin Ansprechpartner für Gründer sein. Macrons Vision ist ein einheitlicher Digital-Markt. Ziel sei, ein gemeinsames finanzielles Ökosystem zu schaffen, um die Konkurrenzfähigkeit der Gründer aus beiden Nationen zu verbessern. „Wir wollen Talente zusammenbringen“, sagte Macron. Er will eine deutsch-französische Gründerkultur etablieren. Wichtig sei auch, eine Brücke zwischen der neuen digitalen Wirtschaft und dem etablierten Mittelstand zu bauen. Ferner kündigte er eine deutsch-französische Start-up-Konferenz an.

Hintergrund des Gesprächs ist der Wunsch des französischen Politikers, sowohl Start-ups als auch Konzernen beider Länder den Markteintritt im jeweils anderen Land zu erleichtern und die Digitalisierung grenzübergreifend voranzutreiben. Das Gespräch hatten Macron und Hommels auf der Konferenz „Beschleunigung des digitalen Wandels in der Wirtschaft“ Ende Oktober in Paris vereinbart.