Hamburg/London –

BP streicht in Deutschland bis zu 800 Jobs

Trotz niedriger Preise steigern Konzerne Erdölförderung in der Nordsee

Hamburg/London.  Die niedrigen Rohölpreise setzen die Energiekonzerne weltweit zunehmend unter Druck. Nachdem im britischen Ölsektor in den vergangenen Jahren bereits rund 65.000 von insgesamt 440.000 Arbeitsplätzen verloren gingen, will der Mineralölkonzern BP nun auch in Deutschland bis zu 800 Arbeitsplätze abbauen. Damit sei etwa jeder siebte der rund 5500 Jobs hierzulande gefährdet, berichtet die „Welt am Sonntag“.

Das Management verhandele derzeit mit dem Betriebsrat über die Streichung von „mehreren Hundert Arbeitsplätzen“, sagte ein BP-Sprecher, nannte aber noch keine konkrete Zahl. BP betreibt über die Tochter Aral die größte deutsche Tankstellenkette und das zweitgrößte Raffineriesystem mit den Werken Lingen und Gelsenkirchen. Der Stellenabbau dürfte vor allem in der Verwaltung und an den Produktionsstandorten erfolgen. Die Mitarbeiter an den Tankstellen sind nicht unmittelbar betroffen. An den bundesweit rund 2500 Aral-Tankstellen gibt es mehr als 20.000 Mitarbeiter, die bei selbstständigen Tankstellenunternehmern beschäftigt sind.

Zugleich ist die Produktion von Öl und Gas im britischen Teil der Nordsee 2015 erstmals seit 15 Jahren wieder gestiegen. Das Plus lag bei sieben bis acht Prozent, teilte der Industrieverband Oil & Gas UK in London mit. Mit der erwarteten Steigerung für 2015 würden die Unternehmen ungefähr 590 Millionen Barrel (159 Liter) fördern – weniger als die Hälfte als in den 90er-Jahren.

Die Ölförderung aus der Nordsee ist seit vielen Jahren rückläufig gewesen, weil die Felder ihr Fördermaximum überschritten haben. Ursache für den überraschenden Anstieg der Produktion sind hohe Investitionen in den vergangenen Jahren, als Rohöl aus der Nordsee noch mehr als 100 Dollar je Barrel kostete. Gegenwärtig werden am Weltmarkt weniger als 35 Dollar erzielt. Während der rund dreijährigen Hochpreisphase des Öls ab 2011 investierten die Ölfirmen kräftig in die Erschließung noch ergiebigerer Felder sowie die Verbesserung der Effizienz. So flossen in den vergangenen vier Jahren allein rund 50 Milliarden Pfund (67,4 Milliarden Euro) in die Öl- und Gasproduktion.

Konzerne kürzen Investitionen um mehrere Milliarden Euro

Doch nun machen die niedrigen Preise den Konzernen einen Strich durch die Rechnung. Das vergangenen Jahr endete für die britische Offshoreindustrie mit einem Milliardenverlust, dem höchsten in 40 Jahren. „Die Zeiten sind wirklich hart für diese Industrie und die Menschen, die in ihr arbeiten“, sagte die Vorstandsvorsitzende von Oil & Gas UK, Deirdre Michie. Rund 15 Prozent der Beschäftigung durch die Ölindustrie ist bereits verloren gegangen. „Wir werden in diesem Jahr weitere Arbeitsplatzverluste sehen“, sagte Michie.

Die Industrie müsse die Förderkosten je Barrel weiter senken. Angestrebt werden 15 Pfund (21,90 Dollar) je Barrel bis zum Ende des kommenden Jahres; gegenwärtig sollen es 17 Pfund sein. Gleichzeitig streichen die Konzerne ihre Investitionspläne jährlich um mehrere Milliarden Euro zusammen. Es werde schwer, auch 2016 mehr zu produzieren, sagte Verbandschefin Michie. Aber noch seien bis zu 20 Milliarden Barrel Öl und Gas in der Nordsee zu fördern, und es gebe noch gute Gelegenheiten.

Die Bohr- und Förderinsel Mittelplate im schleswig-holsteinischen Wattenmeer hat 2015 auf dem hohem Niveau des Vorjahres produziert und 1,3 Millionen Tonnen Rohöl gefördert. „Der anhaltende Preisverfall hat auch uns mit einer deutlich schlechteren Erlössituation konfrontiert“, sagte Betriebsleiter Thomas Kainer von der DEA Deutsche Erdoel AG. „Die Volatilität des Ölpreises ist aber kein neues Phänomen.“ Die DEA verfolge eine mittel- bis langfristig angelegte Strategie, die für die Mittelplate ein wichtiger Baustein sei.