Berlin –

Deutsche Städte stecken tief in der Schuldenfalle

Berlin.  Trotz hoher Steuereinnahmen geraten die 72 deutschen Großstädte einer Studie zufolge immer tiefer in die Schuldenfalle. Deren Verbindlichkeiten seien 2014 um 3,2 Prozent auf 82,8 Milliarden Euro gestiegen, geht aus der am Montag veröffentlichten Untersuchung der Beratungsgesellschaft EY hervor. 2013 habe es lediglich eine Zunahme um 0,7 Prozent gegeben. Auf jeden Großstadtbewohner entfielen mittlerweile kommunale Schulden in Höhe von 4299 Euro. Drei Viertel der Städte mit mindestens 100.000 Einwohnern hätten steigende Schulden. „Die Mehrheit der Kommunen gerät immer tiefer in die Verschuldung, denn die strukturellen Probleme verschärfen sich“, sagte EY-Experte Bernhard Lorentz. „Vor allem die steigenden Sozialausgaben entwickeln sich zu einer massiven Belastung.“

Die stärkste Pro-Kopf-Verschuldung weist Saarbrücken mit 11.568 Euro auf, gefolgt von Oberhausen (9556) und Offenbach (8785). Am geringsten verschuldet sind Braunschweig (452), Jena (724) und Düsseldorf (1137). Im Kernhaushalt – Eigenbetriebe und kommunale Extrahaushalte – sind derzeit Dresden, Göttingen und Wolfsburg schuldenfrei. Stuttgart sei auf dem Weg dorthin. Hoch verschuldete Städte benötigten dringend Hilfe bei der Haushaltssanierung, warnt EY. Andernfalls gerate die kommunale Selbstverwaltung in Gefahr.

Die Städte Berlin, Hamburg und Bremen wurden in der Studie nicht untersucht, da hier die Schuldensituation mit anderen Großstädten nicht vergleichbar sei, weil die Stadtstaaten auch Länderaufgaben übernehmen, erklärte EY.