Berlin –

Deutsche Unternehmen forschen zu wenig

BDI: Betriebe mit bis zu 200 Mitarbeitern schneiden im internationalen Vergleich schlecht ab

Berlin.  Kleine und mittlere Unternehmen in Deutschland investieren weniger in Innovationen als ihre Konkurrenten in anderen Ländern. Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung der Firmen mit bis zu 200 Mitarbeitern und bis zu 50 Millionen Umsatz machen in Deutschland nur 0,31 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) aus, heißt es im Bericht zum Innovationsindikator des Industrieverbands BDI und der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (Acatech). Die Schweiz, Österreich, Dänemark, Finnland oder Südkorea erreichten fast das Dreifache.

In Deutschland investieren demnach vor allem Großkonzerne in die Forschung. Ihr Anteil an allen Forschungsausgaben macht 84 Prozent aus. Dabei zählt nur ein Prozent aller Unternehmen zu dieser Unternehmenskategorie. Die 99 Prozent kleinen und mittelgroßen Unternehmen haben dagegen nur einen Anteil von 16 Prozent an den gesamten Forschungsausgaben – in den USA sind es 19 Prozent, in Schweden 27 Prozent.

„Man darf aus dem hohen Anteil an mittelständischen Weltmarktführern aus Deutschland nicht schließen, dass die kleinen und mittelständischen Firmen insgesamt innovativer sind als in anderen Ländern“, sagte Acatech-Präsident Henning Kagermann. Häufig handele es sich um traditionsreiche Firmen aus klassischen Industrien ohne modernste Technologien. „Hidden Champions in Nischenmärkten wachsen selten zu Weltkonzernen, weil ihr Marktsegment enge Grenzen setzt.“

Ein anderes Problem sei die mangelnde Förderung kleiner und mittelgroßer Firmen. Nur die Hälfte dieser Firmen verfüge überhaupt über eine eigene Forschungs- und Entwicklungsabteilung, deshalb würden sie von staatlichen Förderprogrammen nur bedingt erreicht, sagte Kagermann. „Der Zugang zu solchen Förderprogrammen muss einfacher werden. Zu viele Firmen fallen durch das Eingangsraster.“ Insbesondere beim Thema Industrie 4.0 dürften kleine und mittlere Unternehmen nicht abgehängt werden.

So müsse stärker über steuerliche Anreize für Forschung und Entwicklung nachgedacht werden, sagte Kagermann. Das gebe es hierzulande nicht. Stattdessen würden konkrete Projekte gefördert. Auch der BDI hält Steueranreize für richtig. „Die Einführung einer steuerlichen Forschungsförderung zusätzlich zur Projektförderung würde einen internationalen Standortnachteil beseitigen“, sagte BDI-Präsident Ulrich Grillo. „Nationale Alleingänge schaden dem Standort.“

Steuererleichterungen für Einnahmen aus Patenten

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hatte zuletzt die Harmonisierung der Regeln für solche „Innovationsboxen“ empfohlen. Dabei geht es darum, dass Steuererleichterungen für Einnahmen aus Urheberrechten und Patenten nur vorgesehen sind, wenn auch die Forschungsausgaben in dem jeweiligen Land getätigt werden.

Im Gesamtvergleich belegte Deutschland im Innovationsindikator in diesem Jahr Platz fünf – hinter der Schweiz, Singapur, Finnland und Belgien. „Eine gewisse Sorge, dass wir zurückfallen, wenn wir nicht innovativer werden, ist berechtigt“, sagte Acatech-Präsident Kagermann. „In der Gesamtwertung sollte Deutschland unter den ersten drei sein.“ Neben dem Gesamtranking vergleicht der Indikator die Staaten in Wirtschaft, Wissenschaft, Bildung, Staat und Gesellschaft.