Mercedes Berlin

"Kein Sponsoring ist für die Ewigkeit"

Berlins Mercedes-Chef Hansen ist 100 Tage im Amt. Er spricht über gesellschaftliches Engagement, E-Mobilität und Autos ohne Fahrer.

Hans-Bahne Hansen, Chef der Mercedes-Benz-Niederlassung in Berlin, sitzt in der Tür eines GT von der Sportwagen-Tochter AMG

Hans-Bahne Hansen, Chef der Mercedes-Benz-Niederlassung in Berlin, sitzt in der Tür eines GT von der Sportwagen-Tochter AMG

Foto: Reto Klar

Berlin ­.  ­Die ersten hundert Tage sind um: Der neue Chef der Berliner Mercedes-Niederlassung, Hans-Bahne Hansen, spricht über seine Pläne, die Zukunft der Mobilität und über Daimler im gesellschaftlichen Leben der Stadt.

Berliner Morgenpost: Mercedes-Benz baut in Berlin um. Ist das Ihr erstes größeres, nach außen wirkendes Projekt?

Hans-Bahne Hansen: Wir haben am 3. Dezember in der Mercedes-Welt am Salzufer das europaweit größte AMG Performance-Center eröffnet. Das ist mein erstes öffentlich sichtbares Thema.

Was heißt Performance-Center?

Auf über 1500 Quadratmetern können Kunden und Gäste nun die Sportwagen- und Performance-Marke von Mercedes-Benz hautnah erleben. Zu sehen sind ständig 25 AMG Performance-Fahrzeuge, die jeweils neuesten Modelle. Wir zeigen die komplette Bandbreite von AMG.

Warum macht gerade AMG den Anfang?

Wir verkaufen sehr viele Fahrzeuge von AMG in Berlin und installieren ein Performance-Center, weil dies aufgrund des großen Verkaufsvolumens dieser Fahrzeuge sinnvoll ist. Wir haben hier in Berlin zwar 14 Standorte, aber nur ein Performance-Center.

Es heißt, der Automarkt in Berlin sei kompliziert. Es verzichten mehr Menschen als in anderen Städten auf ein eigenes Auto.

Das Premium-Segment hat einen festen Bestandteil in den Zulassungszahlen von Berlin. Dieser Markt ist seit der Wiedervereinigung eher größer als kleiner geworden. Insofern bin ich nicht bange, dass wir unsere Fahrzeuge auch in der Zukunft verkaufen werden.

Zuletzt berichtete Mercedes 2012 über Verkaufszahlen in Berlin.

Wir geben grundsätzlich keine Absatzzahlen auf Niederlassungsebene bekannt. Unabhängig von den Zahlen kann ich Ihnen jedoch bestätigen, dass wir in Berlin im Pkw-Premiumsegment, bei den Transportern und bei den großen Lkw klar Marktführer sind. Das hat sich in den vergangenen Jahren nicht geändert.

Ihr Konzern deckt eine große Produktpalette ab. Was bieten Sie jungen Kunden?

Wir haben die Modellreihen um die neuen Kompakten erweitert und so erreichen wir erfreulicherweise auch die jüngeren Kunden zwischen 25 und 35 Jahren: mit A-, B-Klasse und GLA. Zum anderen haben wir in Berlin Start-up-Firmen, die sehr flexibel sein möchten. Sie machen von unserem Carsharing-Angebot Car2Go reichlich Gebrauch.

Wie entwickelt sich diese Mobilitätslösung?

Wir haben mittlerweile eine Flotte mit 1200 Fahrzeugen in Berlin. Das entwickelt sich sehr gut, weil Carsharing gerade in einer Metropole ein gutes Konzept ist, um kürzere Distanzen zu bewältigen.

Welche Folgen hat die Abgasaffäre von VW auf Mercedes? Sind Diesel-Fahrer misstrauisch geworden?

Es gibt Kunden, die verunsichert sind und Fragen stellen. Aber diese Bedenken können wir ausräumen. Wir halten die gesetzlichen Grenzwerte ein und werden auf jeden Fall alles tun, damit unsere Kunden auch weiterhin volles Vertrauen zu unserer Marke und unseren Produkten haben. Die Kunden können sich auf uns verlassen.

Welche Bedeutung wird Elektromobilität bei der Zukunft des Autos haben?

Wir haben heute schon ein einzigartiges Angebot von neun lokal emissionsfreien Modellen in Kundenhand, hierfür steht der batterieelektrische B250e oder unser Smart fortwo electric drive. In den nächsten Jahren sehen wir einen klaren Fokus auf der Plug-In Hybrid Technologie. Insgesamt zehn Modelle mit diesem Antrieb werden 2017 auf dem Markt sein.

Wird die Hybridlösung die Zukunft der Elektromobilität sein?

Das wird der Kunde bestimmen. Und es hängt ganz stark davon ab, wie die Fahrzeuge eingesetzt werden. Wir werden auf jeden Fall auf beide Varianten vorbereitet sein.

Dann fehlt es nur noch an der Lade-Infrastruktur.

Ja. Sie ist nicht so, dass enorme Distanzen zurücklegt werden können. Das muss definitiv ausgebaut werden, um Kunden Alternativen zum Verbrennungsmotor zu bieten. In den letzten vier Jahren war ich in den Niederlanden, wo das Thema Infrastruktur eine große Rolle spielt und durch Steuer- und Investitionsanreize andere Voraussetzungen gegeben sind. Dort kann man erkennen, dass das maßgeblich ist. Es geht also nicht nur um die Produkte.

Scheitert Elektromobilität ohne Anreize?

Vor allem müssen Investitionen in die Infrastruktur getätigt werden, dann bin ich sehr optimistisch für die Zukunft der Elektro- und der Plug-In Hybridmobilität.

Fährt der Mercedes demnächst autonom?

Technisch wissen wir was zu tun ist und treiben die Technologie mit unseren aktuelle Assistenzsystemen aktiv voran. Es müssen aber auch hier gesetzliche Rahmenbedingungen geschaffen werden, um das Thema wirklich umsetzen zu können.

Können Sie sich auch vorstellen, dass sich Mercedes-Fahrer darauf einlassen?

Da unsere Kunden und ihre Ansprüche sehr unterschiedlich sind, wird es auch hier Kunden geben, die das ausprobieren möchten, weil sie dann ihre Fahrzeit für andere Dinge nutzen können. Aber es wird in Zukunft auch Kunden geben, die ihr Auto definitiv selber fahren wollen. Die finden das toll und sie werden auch dabei bleiben.

Mercedes spielt im gesellschaftlichen Leben der Stadt eine wichtige Rolle als Sponsor und Veranstalter. Wie sehen Sie ihre Position in diesem Bereich?

Wir werden unsere gesellschaftliche Rolle definitiv auch in Zukunft wahrnehmen. Dahinter steht überhaupt kein Fragezeichen. Dennoch werde ich mir dieses Thema anschauen und die Frage stellen, wo und welche Art von Unterstützung am sinnvollsten ist. Da wird es vielleicht Änderungen geben. Kein Sponsoring ist für die Ewigkeit. Aber wir sind uns der Situation und unserer Rolle bewusst, und die werden wir auch weiterhin wahrnehmen.

Sie deuten neue Sponsorings an. Was darf man sich darunter vorstellen?

Das möchte ich heute noch nicht sagen. Wir werden uns im kommenden Jahr dazu äußern.

Welche Projekte werden Sie als nächstes in Angriff nehmen?

Wir werden uns mit Sicherheit unser Standortkonzept ansehen. Wir sind hier in Berlin ja an 14 Standorten vertreten. Haben wir die richtigen Produkte und Angebote am richtigen Standort? Das wird definitiv ein Thema sein. Dann sind an der einen oder anderen Stelle Investitionen notwendig, um unser Angebot auf den neuesten Stand zu bringen. Hier am Salzufer werden wir einige neue Dinge im Lauf der Jahre 2016 und 2017 sehen. Und wir wollen natürlich möglichst viele Autos verkaufen, einen guten Service bieten, damit unsere Kunden gerne wieder zu uns kommen. Kundenzufriedenheit steht bei mir an oberster Stelle.

Stehen Standorte zur Disposition oder kommen neue hinzu?

Die Stadt lebt und verändert sich. Deshalb müssen wir uns regelmäßig fragen, ob wir an der richtigen Stelle mit dem richtigen Produkt sind.

Können Sie das konkretisieren?

Wir werden unser Konzept in 2016 fertig haben. Dann werde ich auch über Standorte und weitere Details sprechen können. Seien Sie gespannt. Nach AMG werden wir am Salzufer jetzt in die S-Klasse Präsentation investieren. Nächstes Jahr führen wir ja das S-Klasse-Cabrio ein. Wir bieten auch in Zukunft eine Erlebniswelt rund um das Auto.

Wie haben Sie sich in Berlin eingelebt?

Ich bin geboren im hohen Norden in Husum. Dort bin ich auch aufgewachsen und zur Schule gegangen, bevor ich studiert und Berufserfahrung gesammelt habe. Insofern bin ich kein Ur-Berliner, aber ich wohne seit 1998 in Berlin. Zuletzt war ich Landeschef von Mercedes-Benz in den Niederlanden. In der Zeit habe ich mein Haus hier nicht aufgegeben. Wir sind regelmäßig in Berlin gewesen, so dass wir immer einen Bezug zu der Stadt hatten.