Abgas-Skandal

Ex-Telekomvorstand fordert Rücktritt der VW-Konzernspitze

Nach der Ausweitung des Abgas-Skandals glaubt Experte Thomas Sattelberger nicht mehr an eine Problemlösung durch die Konzernführung.

Der Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG, Matthias Müller (Foto), solle zurücktreten. Das fordert Ex-Telekompersonalvorstand Thomas Sattelberger.

Der Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG, Matthias Müller (Foto), solle zurücktreten. Das fordert Ex-Telekompersonalvorstand Thomas Sattelberger.

Foto: Julian Stratenschulte / dpa

Berlin/Wolfsburg.  Audi muss den Aufsichtsrat der Konzernmutter Volkswagen rasch über die möglichen Manipulationen an 3-Liter-Diesel-Motoren aufklären. Audi-Chef und VW-Konzernvorstand Rupert Stadler solle erklären, warum die Nobelmarke erst den Einsatz von Software, die in den USA als illegal gilt, dementierte, dann aber vor wenigen Tagen doch einräumen musste. Zudem wolle der Aufsichtsrat wissen, was Audi tue, um die Schuldigen zu finden, berichtet die „Süddeutsche Zeitung“. Personellen Konsequenzen bei der Ingolstädter Tochter werde es erst geben, „wenn alles auf dem Tisch“ liege.

Nach der Ausweitung des Abgasskandals sieht Personalmanagement-Experte und Ex-Telekompersonalvorstand Thomas Sattelberger die aktuelle Konzernführung nicht mehr in der Lage, das Problem zu lösen. Um wieder Glaubwürdigkeit zu bekommen, müsse die Spitze im Vorstand und im Aufsichtsrat ausgewechselt werden, fordert Sattelberger.

„Müller, Pötsch und Stadler müssen zurücktreten“

„VW-Chef Matthias Müller, Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch und Audi-Chef Rupert Stadler müssen zurücktreten“, fordert Sattelberger. „Ein Disruptionsmanager von außen wäre jetzt die richtige Lösung und ein Team von krisenerprobten Fachleuten, die die kritische Masse mitbringen, um nicht vom alten Führungskörper und dem etablierten Immunsystem von VW aufgefressen zu werden.“

Die Ausweitung des Skandals auf Porsche und Audi sei ein klares Zeichen für ein eklatantes Organisationsversagen des VW-Konzerns: „Der VW-Skandal ist kein Werk von wenigen Sündenböcken, die man in den vergangenen Wochen abgelöst hat“, sagte Sattelberger. Das Problem sei systemischer Natur und habe sich „wie ein Geschwür in den Konzern hineingefressen“.

„VW-Chef Müller ist Teil des alten Systems bei VW“

Die aktuelle Konzernführung sei nicht in der Lage, das Problem zu lösen. „Böcke sollte man nicht zu Gärtnern machen, das hilft nichts“, so Sattelberger. „Der neue Aufsichtsratsvorsitzende Hans Dieter Pötsch war zwölf Jahre lang VW-Finanzvorstand. Der hat das gesamte Machtgebaren des Wolfsburger Konzerns nicht nur erlebt, sondern mitgestaltet. Er trägt Mitverantwortung in der Organhaftung .“ Pötsch sei zu angeschlagen, um seinen jetzigen Kontrollaufgaben nachzukommen, sagte Sattelberger.

Auch beim neuen VW-Chef Matthias Müller sieht Sattelberger keine großen Unterschiede zum Amtsvorgänger Martin Winterkorn, da auch in den Produkten von Porsche und Audi die Betrugssoftware zum Einsatz kam. „Müller ist ein Teil des alten Systems im Konzernverbund“, sagte Sattelberger.

„Mehr Whistleblower nötig“

Der von Arbeitnehmervertretern und der Piech-Familie dominierte Aufsichtsrat sei ein „Abnick-Gremium“ gewesen. „Die Betriebsräte und Gewerkschafter sind Co-Abhängige des gesamten Systems“, so Sattelberger. “IG-Metaller Osterloh hat einmal gesagt, Winterkorn ist jeden Euro wert. Daran erkennt man dann die Geisteshaltung der Arbeitnehmervertreter bei VW”, so Sattelberger.

Ein Kulturwandel bei VW könne nicht von oben verordnet werden. Die vorherrschende Angstkultur werde mit den alten Seilschaften nicht aufgebrochen. „Es müssten alle Kanäle für Whistleblower geöffnet werden, damit hochgespült wird, was in dieser Organisation sonst noch an Leichen im Keller ist“, forderte Sattelberger.