Terrorgefahr

Ikea erhöht nach Terroranschlägen Sicherheit in den Filialen

Ikea-Chef Peter Agnefjäll spricht im Interview über die Reaktion auf den Terror in Paris. Die Filialen haben die Sicherheit erhöht.

Einkaufswagen in einer Ikea-Filiale: Der Konzern verschärft die Sicherheitsmaßnahmen.

Einkaufswagen in einer Ikea-Filiale: Der Konzern verschärft die Sicherheitsmaßnahmen.

Foto: © Neil Hall / Reuters / Reuters

Hamburg.  Das erste Stück, das Peter Agnefjäll als Kind bei Ikea gekauft hat, war ein Kuscheltier, vermutlich ein Kaninchen. Der Betriebswirt aus dem schwedischen Malmö hat fast sein ganzes Berufsleben beim weltgrößten Möbelhändler verbracht, war zwei Jahre auch der persönliche Assistent des Gründers Ingvar Kamprad. Heute führt der 44-Jährige einen Konzern mit rund 32 Milliarden Euro Umsatz und 147.000 Mitarbeitern. Zum Gespräch im Foyer des Emporio Hochhauses kommt Agnefjäll im schlichten, grauen Anzug und mit offenem Hemd. Kräftiger Händedruck, jungenhaftes Lächeln. „Hi, ich bin Peter“, sagt er zur Begrüßung auf englisch.

Herr Agnefjäll, die furchtbaren Terroranschläge von Paris bestimmen seit einer Woche die Nachrichten und überschatten jedes andere Thema. Wie haben Sie und insbesondere die Ikea-Beschäftigten in Paris diese Angriffe erlebt?

Peter Agnefjäll: Wir waren natürlich alle geschockt über die Anschläge und wir trauern wie viele andere Menschen auf der Welt mit den Opfern.

Haben Sie Sorge, dass auch eine Ihrer zahlreichen Ikea-Filialen in Europa zum Ziel eines Angriffs werden könnte?

Agnefjäll: Sicherheit unserer Kunden und Mitarbeiter hat höchste Priorität. Wir sind stets in Kontakt mit den Behörden, um sicherzustellen, dass wir alle notwendigen Maßnahmen ergreifen.

Haben Sie die Sicherheitsmaßnahmen verschärft?

Agnefjäll: Ja, insbesondere in Frankreich haben wir verschärfte Sicherheitsmaßnahmen ergriffen. Ich kann hier aber keine Details nennen.

Haben Sie Sorge, dass sich die generelle Furcht vor dem Terrorismus auf die Stimmung der Konsumenten in Europa auswirken könnte?

Agnefjäll: Es ist aus meiner Sicht zu früh, um darauf eine Antwort zu geben.

Im Hamburger Stadtteil Altona haben Sie im vergangenen Jahr ein viel beachtetes Pilotprojekt gestartet, die erste Ikea-Filiale in einer Fußgängerzone. Wie läuft das Geschäft dort?

Agnefjäll: Ich hatte während meines Hamburg-Besuchs Gelegenheit, mir die Filiale in Altona anzuschauen und bin mit der Entwicklung sehr zufrieden, das Haus wird gut von den Kunden angenommen. Natürlich ist das Projekt eine besondere Herausforderung, weil ein Ikea-Haus sonst eher horizontal aufgebaut ist. In Altona sind wir aufgrund des geringeren Platzes in die Höhe gegangen, die Parkdecks sind beispielsweise ganz oben.

Die Kunden sollen in Altona allerdings eher Köttbullar und Hotdogs essen als Möbel zu kaufen. Rechnet sich dieses Konzept für Ikea?

Agnefjäll: Es stimmt, dass die Gastroumsätze in Altona besonders hoch sind, die Möbelverkäufe sind es aber auch.

Wird es weitere Ikea-Filialen in Innenstädten geben?

Agnefjäll: Wir denken darüber nach, haben aber noch nichts entschieden. Die gesellschaftliche Entwicklung zeigt, dass immer mehr Menschen öffentliche Verkehrsmittel auch beim Möbeleinkauf benutzen und dem wollen wir Rechnung tragen. In Lübeck haben wir ein Haus, das sowohl in der Nähe der Autobahn als auch an einer Bahnstation liegt. Das ist ideal.

Angeblich sollen Sie in London eine weitere Cityfiliale planen.

Agnefjäll: Wir sind in London an einem Standort interessiert, der allerdings nicht ganz so zentral gelegen ist wie der in Altona.

Ist in Deutschland noch Platz für weitere Ikea-Häuser? 48 haben Sie ja schon.

Agnefjäll: Es gibt auch in Deutschland noch weiße Flecken. Konkret wollen wir im laufenden Geschäftsjahr in Wetzlar und in zwei anderen Städten neue Filialen eröffnen. Außerdem wollen wir unseren Onlinehandel ausbauen. Gerade erst habe ich in Hamburg einen Kunden besucht, der sich eine komplette Küche von uns nach Hause bestellt hat.

Sie haben persönlich einen Kunden besucht? War der überrascht, dass Sie plötzlich vor der Tür standen?

Agnefjäll: Nein, der wusste natürlich, dass ich komme. Ich mache so etwas regelmäßig auf der ganzen Welt, um zu sehen, wie unser Service funktioniert.

Weltweit wollen Sie den Umsatz bis 2020 auf 50 Milliarden Euro erhöhen. Wie soll das gelingen?

Agnefjäll: Wir sind immer noch ein kleines Unternehmen ...

... mit einem Umsatz, der jetzt schon bei gut 30 Milliarden Euro liegt.

Agnefjäll: In diesem Jahr werden wir voraussichtlich 32 Milliarden Euro erlösen und wir haben 775 Millionen Kunden weltweit, die unsere Geschäfte besuchen. Das ist natürlich ein Menge, aber wenn Sie bedenken, dass es auf der Erde mehr als sieben Milliarden Menschen gibt, dann ist da noch eine Menge Luft nach oben. Ganz konkret wollen wir die Kunden mit neuen Produkten überzeugen, unsere Preise weiter reduzieren und natürlich auch neue Filialen eröffnen.

Gibt es eigentlich einen Unterschied zwischen deutschen, amerikanischen und chinesischen Ikea-Kunden?

Agnefjäll: Die Gemeinsamkeiten überwiegen, ein Billy-Regal oder ein Ektorp-Sofa verkaufen sich überall auf der Welt gut. Aber natürlich gibt es auch Unterschiede, Amerikaner bevorzugen beispielsweise dunklere Farben bei Möbeln. Europäer lieben eher weiße Regale oder helle Hölzer. Und in China können Sie natürlich nicht das gleiche Kochgeschirr wie im Rest der Welt verkaufen, wenn die ganze Bevölkerung mit Stäbchen isst.

Sie haben fast ihr gesamtes Berufsleben bei Ikea verbracht, waren zwei Jahre Assistent von Firmengründer Ingvar Kamprad. Wie haben Sie ihn als Mensch erlebt? Er gilt ja als eher schwierig.

Agnefjäll: Ingvar Kamprad entspricht nicht dem Bild, das sich die Öffentlichkeit von ihm macht. Ich habe ihn als einen sehr hart arbeitenden, sparsamen Mann erlebt. Und als einen fantastischen, enthusiastischen Unternehmer. Deshalb war er auch in der Lage, Ikea zu dem zu machen, was es heute ist.

Was haben Sie von ihm gelernt?

Agnefjäll: Unternehmertum – und niemals aufzugeben.

Sie haben das Image, ein eher bescheidener Mensch zu sein. So sollen Sie zum Beispiel lieber mit dem Rad zur Arbeit kommen als mit dem Auto. Stimmt das?

Agnefjäll: Jetzt in Hamburg habe ich mein Fahrrad natürlich nicht dabei. Aber sonst bemühe ich mich, das Rad zu benutzen. Das hält mich fit, ist gut für die Umwelt – und spart eine Menge Benzinkosten.

Sind Sie ein guter Handwerker?

Agnefjäll: Ich sehe mich selbst gern so (lacht). Allerdings befürchte ich, dass mir meine Frau langsam den Rang abläuft. Wir haben viele Ikea-Möbel bei uns zu Hause, die wir alle selbst aufgebaut haben.

Wie lange brauchen Sie, um ein Billy-Regal aufzustellen?

Agnefjäll: Die Zeit habe ich nie gestoppt. Aber ich bin immer sehr stolz, wenn ich es geschafft habe.