Wirtschaft

Das Ende der Flaute

Siemens legt bei Umsatz und Gewinn zu. Für 2016 setzt sich der Konzern ambitionierte Ziele

Es hat sich dann doch ganz gut gemacht, das Siemens-Geschäftsjahr 2014/15. Ein Jahr des Übergangs hatte es Konzernchef Joe Kaeser genannt, als er seine Pläne für den grundsätzlichen Umbau des Elektroriesen vor gut zwei Jahren vorstellte. Neue Struktur, weniger Verwaltung, Verkauf von Geschäftsteilen, nachhaltiger Umbau in Problembereichen: Die Zahlen sprechen für sich: Siemens hat nach Jahren der Flaute wieder mehr umgesetzt, der Auftragseingang hat zugelegt, selbst die Sparte Power & Gas, die nicht rundlief, hat zugelegt.

„Wir haben geliefert, was wir versprochen hatten, und sind für das vor uns liegende Jahr gut gerüstet, um unsere Pläne erfolgreich umzusetzen“, fasste Kaeser zusammen. Dass die Prognosen erreicht wurden, ist bei Siemens deswegen eine wichtige Aussage, weil Kaesers Vorgänger Peter Löscher gehen musste, weil es mit seinen Prognosen nicht weit her war.

Das Jahr des Übergangs lieferte einen Umsatz von 75,6 Milliarden Euro, ein Plus von sechs Prozent. Der Gewinn stieg von 5,5 auf 7,38 Milliarden Euro. Alle acht Divisionen seien in der Gewinnzone, sechs davon hätten zugelegt. Und für die Aktionäre brachte Kaeser auch gute Nachrichten mit: Die Dividende soll um 20 Cent auf 3,50 Euro steigen. Die Anleger freute, was sie hörten. Siemens stand an der Spitze des Deutschen Aktienindex Dax.

Bei genauem Hinsehen zeigt sich, dass Kaeser noch einiges vor sich hat: So ist der Umsatz bereinigt um Währungseffekte um ein Prozent gesunken. Und im Gewinn enthalten sind drei Milliarden Euro Erlös aus dem Verkauf der Hörgerätesparte und des 50-Prozent-Anteils am Hausgerätehersteller BSH an Bosch. Dennoch scheint der Konzern auf dem richtigen Weg. Dank zahlreicher Großaufträge, unter anderem für die Energieversorgung in Ägypten, entwickelt sich sogar die Sparte Power & Gas mit dem Gasturbinengeschäft gut. Hier hatte Siemens Stellen gestrichen und angefangen, das Geschäft umzubauen. Besonders in Berlin und Mülheim/Ruhr fielen Jobs weg, allerdings nicht so viele, wie ursprünglich geplant.

Ein Hinweis darauf, dass Kaeser Siemens richtig aufgestellt hat, kommt ausgerechnet von der Konkurrenz: „Der Umstand, dass einige Wettbewerber Elemente unserer Vision 2020 kopieren, bestärkt uns darin, dass wir den richtigen strategischen Kurs eingeschlagen haben“, sagte Kaeser ohne Namen zu nennen. Er meinte wohl ABB, der derzeit umstrukturiert.

Besonders ertragreich waren die Divisionen Digitale Fabrik (Automation, Industriesoftware), Mobility (Bahngeschäft) und Healthcare, die Gesundheitssparte, die weitgehend eigenständig handelt. Kaeser sprach von „beeindruckender Ertragskraft in der Champions League“. Auch der Zukauf des US-Unternehmens Dresser-Rand, den viele Beobachter als überteuert betrachteten, macht sich positiv in der Siemens-Bilanz bemerkbar.

Für das laufende Geschäftsjahr 2015/16 (30. September) setzt Kaeser, wie er sagt, ambitionierte Ziele. Der Umsatz soll um bis zu fünf Prozent zulegen, beim Auftragseingang erwartet er ein starkes Plus, ohne dieses zu beziffern. Im abgelaufenen Geschäftsjahr hatte er um sechs Prozent auf 82,3 Milliarden Euro zugelegt. 2016 sollen 17 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung, Vertrieb sowie Sachanlagen investiert werden, sieben Prozent mehr als zuvor. Siemens, so scheint es, greift auf den weltweiten Märkten wieder an.

Allerdings gibt es einige Unwägbarkeiten: die politische Weltlage, das Wachstum Chinas, die Schwäche im Gas- und Ölgeschäft. Alles externe Faktoren. Intern, scheint es, läuft es dafür wieder.