Datenschutz

Warum Microsoft eine deutsche Internet-Cloud bietet

Mit Rechenzentren in Deutschland reagiert Microsoft auf die Skepsis deutscher Firmen gegenüber der Internetcloud und kooperiert mit der Telekom.

Microsoft stellte eine deutsche Internet-Cloud vor. „Die Kundendaten bleiben damit in Deutschland“, erklärte Microsoft-Chef Satya Nadella in Berlin

Microsoft stellte eine deutsche Internet-Cloud vor. „Die Kundendaten bleiben damit in Deutschland“, erklärte Microsoft-Chef Satya Nadella in Berlin

Foto: HANNIBAL HANSCHKE / REUTERS

Berlin.  Der Digitalkonzern Microsoft bietet ab Mitte 2016 eine deutsche Internet-Cloud an. Partner des US-Unternehmens ist die Deutsche Telekom, die als Treuhänder die Sicherheit der Daten gewährleisten soll. Diese werden in Rechenzentren in Magdeburg und Frankfurt am Main nach deutschem Datenschutzrecht gespeichert.

Cloud-Technologie bedeutet, dass Computerprogramme samt der von ihnen verwalteten Daten nicht auf einem lokalen Rechner gesichert werden, sondern in einem Rechenzentrum. Das hat den Vorteil, dass von überall und zur gleichen Zeiten auf die Daten zugegriffen werden kann. Zudem ist diese Technologie billiger als das Arbeiten mit dezentralen Programmen.

Bereits am Vortag hatte Microsoft eine europäische Cloud mit Rechenzentren in Irland und in den Niederlanden angekündigt. Das Unternehmen reagiert damit auf das Bedürfnis von Unternehmen und Öffentlichkeit in Europa nach mehr Datensicherheit.

Microsoft-Chef stellt Cloud in Berlin vor

Microsoft-Chef Satya Nadella war eigens nach Deutschland gereist, um die Neuigkeit zu verkünden. „Kunden können weiterhin unsere öffentlichen, privaten und hybriden Cloud-Lösungen nutzen oder sich dafür entscheiden, unsere Services aus deutschen Rechenzentren zu beziehen“, sagte Nadella. Mit dieser neuen Strategie wolle Microsoft lokale Innovationen und Wachstum vorantreiben.

Microsoft will mit der neuen Firmenkonstruktion auch erreichen, dass US-Behörden der Zugriff zu im Ausland gespeicherten Daten verwehrt bleibt. Diese sind der Auffassung, dass sie generell und ohne Zustimmung der lokalen Behörden Zugriff auf Daten amerikanischer Unternehmen haben, egal an welchem Ort diese liegen.

US-Behörden fordern freien Zugang zu Daten

Microsoft war im Jahr 2014 von einem New Yorker Gericht aufgefordert worden, in Irland gespeicherte Kundendaten herauszugeben. Das Unternehmen hatte gegen das Urteil Berufung eingelegt. Das soll mit der neuen Deutschland-Cloud vermieden werden.

Microsoft stellt nur die Software für die Cloud-Dienste zur Verfügung (Azure, Office 365 und Dynamics CRM Online) sowie die Hardware. „Wir haben keinen Zugriff auf die Daten“, sagte Dirk Bornemann aus der Geschäftsleitung des Unternehmens. Der Datenzugriff wird von T-Systems, der Großkundensparte der Telekom, als Treuhänder kontrolliert. Ausschließlich in komplizierten Service-Fällen sollen Microsoft-Techniker unter Telekom-Aufsicht zeitlich befristeten Datenzugang erhalten.

25 Prozent Mehrkosten für Deutschland-Cloud

Die Kosten für das neue Angebot stehen noch nicht fest. Sie sollen aber um etwa 25 Prozent über den aktuellen Gebühren für Cloud-Dienste liegen, hieß es am Mittwoch. Microsoft wollte auch die Höhe der Investitionen für die Deutschland-Cloud nicht nennen. Der Konzern habe bislang weltweit 15 Milliarden Dollar (14 Milliarden Euro) in diese Technologie investiert, sagte Nadella. Microsoft unterhalte 100 Rechenzentren in 40 Ländern. Für die neuen deutschen Rechenzentren gelten dieselben Sicherheits-, Service- und Qualitätsstandards wie für alle Rechenzentren von Microsoft.

Das neue Angebot von Azure, Office 365 und Dynamics CRM Online richtet sich besonders an Organisationen und Unternehmen in datensensiblen Bereichen wie dem öffentlichen, dem Finanz- oder dem Gesundheitssektor.

Siemens stellt Ärztenetzwerk in die Cloud

„Wir haben weltweit Tausende Diagnosegeräte im Einsatz, mit denen Hunderttausende Spezialisten riesige Datenmengen generieren. Doch die meisten bleiben ungenutzt“, erklärte Arthur Kaindl, Chef der digitalen Gesundheitssparte von Siemens. Cloud-Technologie könne das ändern und bessere Diagnosen möglich machen. Siemens habe dazu die Cloud-Wissensplattform „Teamplay“ für Klinikärzte gestartet. „Mit Hilfe der Cloud können Ärzte mit Teamplay Kollegen ihr Wissen zur Verfügung stellen und bessere Therapieentscheidungen treffen.“