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Jeder zweite Deutsche würde für Datenschutz bezahlen

| Lesedauer: 4 Minuten
Beate Kranz
Viele Deutsche sind misstrauisch, ob ihre Informationen sicher durch die Datenleitungen des Internets unterwegs sind. Mehr als die Hälfe würde sogar für besseren Datenschutz bezahlen.

Viele Deutsche sind misstrauisch, ob ihre Informationen sicher durch die Datenleitungen des Internets unterwegs sind. Mehr als die Hälfe würde sogar für besseren Datenschutz bezahlen.

Foto: Matthias Balk / dpa

Die Deutschen halten soziale Netzwerke für große Datenkraken. Vielen Nutzern wäre Datenschutz nach einer Umfrage sogar Geld wert.

Berlin.  Das Misstrauen in der Bevölkerung gegenüber einem effektiven Datenschutz im Internet ist groß. Entsprechend sind mittlerweile 51 Prozent der Bürger bereit, mindestens einen Euro im Monat für mehr Datenschutz und Werbefreiheit bei Internetdiensten zu bezahlen. 54 Prozent dieser Zahlungswilligen würde fünf Euro monatlich dafür hinlegen, weitere 33 Prozent sogar noch mehr. Dies ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage von TNS Emnid im Auftrag der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv), die der Funkemedien Gruppe vorliegt. Vor zwei Jahren waren lediglich 35 Prozent der Befragten bereit, für mehr Datenschutz zu bezahlen.

Gleichzeitig fordern zwei Drittel der Befragten (65 Prozent) strengere gesetzliche Regelungen sowie Klagemöglichkeiten der Verbraucherschützer bei Verstößen gegen den Datenschutz. Drei Viertel der Nutzer nehmen sich in Sachen Datenschutz unterdessen selbst in die Pflicht: 75 Prozent halten einen vorsichtigeren Umgang mit ihren persönlichen Daten für die beste Maßnahme zur Verhinderung von Datenmissbrauch. Für die Untersuchung wurden rund 1000 Personen über 18 Jahren befragt.

Verbraucherschützer: „Die Politik muss dem Datensammeln klare Grenzen setzen“

„Das Bewusstsein dafür steigt, dass im Internet keineswegs alles kostenlos ist, sondern Nutzer mit ihren Daten bezahlen“, sagt Klaus Müller, Vorstand der Verbraucherzentrale. Zugleich fordert der Verbraucherschützer, den Datenschutz nicht zur alleinigen Aufgabe der Verbraucher zu machen. „Die Politik muss dem Datensammeln klare Grenzen setzen. Und Unternehmen müssen es Verbrauchern einfacher machen, die Kontrolle über ihre Daten zu behalten.“ So müsse europaweit sichergestellt werden, dass Verbraucher zuvor einwilligen müssen, wenn ihre persönlichen Daten erfasst oder auch zu anderen Zwecken als vereinbart genutzt werden sollen.

Die größten Datensammler sind aus Sicht der Verbraucher die sozialen Netzwerke und Kommunikationsdienste wie Facebook und WhatsApp. 84 Prozent der Befragten meinen, dass diese zu viele Daten sammeln. Sehr kritisch betrachtet die Mehrheit der Verbraucher auch Onlineshops (77 Prozent), Telefongesellschaften und Internetanbieter (75 Prozent), E-Mail-Dienste (65 Prozent), Handy- und Computerhersteller (62 Prozent), Versicherungen (62 Prozent) sowie Banken und Sparkassen (54 Prozent). Mindestens jeder Dritte ist aber auch bei Strom- und Gasanbietern, Autoherstellern und Einzelhändlern skeptisch.

Mehrheit der Verbraucher sorgen sich, wer ihre persönlichen Daten nutzt

Sorgen macht 63 Prozent aller Verbraucher, dass sie nicht wissen, wer ihre persönlichen Daten nutzt. 46 Prozent befürchtet, dass jemand mit ihren Daten Waren bestellen könnte, 42 Prozent meinen sogar, dass in ihrem Namen eine Straftat begangen werden könnte. Zudem sind 39 überzeugt, dass Unternehmen zu viel über sie erfahren. Ein weiteres Drittel glaubt, dass andere Menschen zu viel über sie erfahren.

Tatsächlich ist es für Verbraucher schwierig, die Kontrolle zu behalten, welche Daten im Hintergrund gesammelt werden oder welche Daten gehandelt werden, sagt die vzbv-Pressesprecherin Franka Kühn. „Ab einem gewissen Grad sind gesetzliche Vorgaben notwendig.“ Die Verbraucherzentrale selbst hatte erst vor kurzem Facebook wegen des Verstoßes gegen Datenrichtlinien verklagt. Dabei ging es unter anderem um die Klarnamenpflicht für die Nutzer und die Datenweitergabe in die USA. Ein Urteil steht noch aus.

Viele Bürger sehen keine Partei, die sich für besseren Datenschutz einsetzt

Datenschutzerklärungen werden unterdessen nur von einem Viertel der Befragten gelesen, ein Drittel gibt an, sie „meistens“ zu lesen. 40 Prozent der Bevölkerung liest die Datenschutzbestimmungen dagegen selten oder nie, so das Umfrageergebnis. Die meisten Befragten halten die Bestimmungen für „zu lang“ (78 Prozent) und „zu kompliziert“ (57 Prozent). 44 Prozent „vertrauen“ unterdessen dem Anbieter.

Von der Politik fühlen sich viele Befragte eher im Stich gelassen. Jeder zweite Befragte kann keine Partei nennen, die sich für eine Verbesserung des Datenschutzes einsetzt. Mit 15 Prozent wird Bündnis 90/Die Grünen das stärkste Engagement für den Datenschutz zugeschrieben, danach folgen die CDU/CSU mit neun Prozent, die SPD mit sieben Prozent sowie die FDP und Piratenpartei mit jeweils fünf Prozent.