Studie

Wirtschaftsforscher sehen mehr Ungleichheit der Einkommen

Laut einer Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung hat die Ungleichheit der Einkommen in Deutschland zugenommen.

Wie viel Geld ist Arbeit in Deutschland wert? Laut einer Studie kann die Antwort auf diese Frage sehr unterschiedlich ausfallen.

Wie viel Geld ist Arbeit in Deutschland wert? Laut einer Studie kann die Antwort auf diese Frage sehr unterschiedlich ausfallen.

Foto: Sebastian Willnow / dpa

Düsseldorf.  Die Ungleichheit der Einkommen nimmt in Deutschland nach Einschätzung von Wirtschaftsforschern zu. „Die Einkommen in der Bundesrepublik sind heute deutlich ungleicher verteilt als vor 20 oder 25 Jahren“, erklärte die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung am Montag in Düsseldorf bei der Vorstellung einer Studie. Die Schere zwischen Arm und Reich habe sich in den vergangenen Jahren wahrscheinlich weiter geöffnet.

Forscher des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Böckler-Stiftung und des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) verglichen dafür verschiedene Datensätze über die Einkommensverteilung in Deutschland miteinander. Die Aussage der früheren schwarz-gelben Bundesregierung, dass die Einkommensungleichheit nach 2005 zurückgegangen sei, halten die Studienautoren für eine Fehleinschätzung. Diese sei vor allem auf Lücken bei der statistischen Erfassung von Kapitaleinkommen von wohlhabenden Haushalten zurückzuführen.

Studie griff auf Daten von 27 Millionen Deutschen zurück

Die damalige Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hatte bei der Vorstellung des Armuts- und Reichtumsberichts Anfang März 2013 erklärt, das weitere Auseinanderdriften der Einkommen sei seit 2005 gestoppt. Opposition und Verbände warfen ihr vor, Zahlen zu ignorieren, die die soziale Schieflagen belegten.

Die Forscher vom IMK und ZEW verweisen darauf, dass der damals verwendete Datensatz sich auf Daten aus dem sozioökonomischen Panel (SOEP) stütze. In der jährlichen freiwilligen Befragung von mehr als 10.000 Haushalten seien aber sehr reiche Menschen deutlich unterrepräsentiert, weil sie entweder bei der Stichprobenauswahl nicht gezogen würden oder stark auf Diskretion bedacht seien.

Die neue Studie greift stattdessen auf die Steuerstatistik Taxpayer-Panel zurück, die anonymisierte Steuerdaten von 27 Millionen Menschen in Deutschland enthält, die eine Einkommenssteuererklärung abgeben. Diese Datenbank erfasse weitaus höhere Kapitaleinkommen, im Vergleich zum SOEP fehlten aber relativ arme Haushalte, erklärten die Wissenschaftler. In diesen Daten lasse sich von 2005 bis 2008 ein Anstieg der Einkommensungleichheit erkennen.

Einkommensschere öffnet sich seit 2010 immer weiter

Nur 2009 sank demnach die Ungleichheit, was die Forscher auf die Finanz- und Wirtschaftskrise zurückführen, durch die die Kapitalerträge einbrachen. Ab 2010 habe sich die Einkommensschere aber wieder geöffnet. Für die Jahre 2011 und 2012 verzeichneten dann sogar die Daten des SOEP einen leichten Anstieg der Ungleichheit, hieß es.

Da beide Datensätze nicht direkt miteinander vergleichbar seien, könne der eine Trend den anderen nicht einfach widerlegen, betonten die Wissenschaftler. Wahrscheinlich sei aber, dass die Zunahme der Kapitaleinkommen die Effekte durch den Job-Boom, der für mehr Ausgleich sorgte, überlagert habe. Dieser Trend habe sich in den vergangenen Jahren verstärkt, weil sich die Einkommen aus Unternehmensgewinnen und Aktien nach Ende der Finanzkrise kräftig erholt hätten. (epd)