Elektromobilität

Neues Preismodell an der E-Tankstelle sorgt für Kritik

Fahrer von Elektroautos müssen für den Strom aus den vom Bund geförderten Schnelllade-Stationen künftig Minutenpreise zahlen.

Julian Affeldt an einer Ladestation für Elektroautos in der Jafféstraße

Julian Affeldt an einer Ladestation für Elektroautos in der Jafféstraße

Foto: Reto Klar

Elektroautofahren ist cool und angesagt. Erst recht nach dem jüngsten Dieselmotoren-Abgasskandal von VW. Doch wer statt eines rußenden Selbstzünders ein Auto ohne Abgase fahren will, muss vor allem eins sein: gut bei Kasse. Besonders die hohen Anschaffungskosten schrecken Umweltbewusste bisher vom Kauf eines E-Autos ab. Gerade einmal 849 Batterie-Autos waren zu Jahresbeginn in der Hauptstadt gemeldet, im benachbarten Brandenburg waren es 303. Bei insgesamt 2,5 Millionen in beiden Bundesländern zugelassenen Pkw ein Anteil von weniger als 0,05 Prozent.

Daran wird sich so schnell auch nichts ändern, fürchtet Julian Affeldt von der Interessengemeinschaft Elektromobilität Berlin-Brandenburg, einem Zusammenschluss von rund 100 privaten E-Auto-Fahrern. Affeldt moniert in einer aktuellen Erklärung die vom Energiekonzern Vattenfall angekündigte Preisänderung für das „Auftanken“ von Batterie-Autos an öffentlichen Ladesäulen. Wie berichtet, verteuert sich vom 1. Dezember an der Ladestrom an Wechselstromsäulen, die Vattenfall in der Stadt betreibt, von 27,7 auf 30 Cent je Kilowattstunde. Ein Plus von 8,3 Prozent. Vattenfall spricht von einer moderaten Preisanhebung.

E-Auto-Fahrer haben keine großen Alternativen

Große Alternativen haben die E-Auto-Fahrer allerdings nicht. Anders als bei Benzin und Diesel gibt es beim Stromkauf an öffentlichen Ladestationen kaum Unterschiede. RWE, der zweite große Anbieter in der Stadt, berechnet schon seit Januar 2013 einen Preis von 30 Cent pro Kilowattstunde. „30 Cent für Ökostrom orientiert sich an den Haushaltsstromtarifen“, so RWE-Sprecherin Petra Mielke.

Die Kritik des Vertreters der Interessengemeinschaft richtet sich indes vor allem gegen die neue Preisstruktur an den sogenannten Schnellladestationen. Wie der Name schon sagt, können die E-Autos an diesen Stationen besonders rasch „aufgetankt“ werden. An einer solchen mit Gleichstrom betriebenen Station dauert der Ladevorgang meist nur 15 bis 30 Minuten, während ein Auto an einem „normalen“, mit 220-Volt-Wechselstrom gespeisten Ladepunkt meist über Stunden angeschlossen sein muss, um seinen Speicher zu füllen.

Stromverkauf nach Leistung berechnen

Für E-Auto-Besitzer ohne Eigenheim, wo das Fahrzeug etwa in der Garage über Nacht aufgeladen werden kann, ist diese eine zeitsparende Tankmethode. Und bislang auch eine äußerst kostengünstige. Denn weil die sieben Schnellladestationen vom Bund als Teil des „Internationalen Schaufensters Elektromobilität“ gefördert wurden, konnte der Strom dort von Autofahrern bislang sogar kostenlos „gezapft“ werden. Das soll sich aber nun ändern. Vattenfall will künftig den Stromverkauf an den mit Gleichstrom betriebenen Schnellladestationen nach der Leistung berechnen, und zwar mit zwölf Cent je Minute bei 20-Kilowatt-Ladestationen und mit 20 Cent je Minute bei 50 Kilowatt.

Auch RWE, der zweite Betreiber von Schnellladestationen, plant laut einer Unternehmenssprecherin eine solche Umstellung, will die Preise dafür erst „in Kürze“ bekannt geben. Auch RWE werde aber den Ladevorgang nach Zeit abrechnen, heißt es.

Doch genau diese Minutenpreise stoßen bei der IG Elektromobilität auf großes Unverständnis. Die neue Preisstruktur von Vattenfall ist aus Sicht der Elektroautofahrer „völlig überteuert“ und „für den Kunden maximal intransparent“. „Keiner weiß, was er am Ende für sein Geld tatsächlich bekommt“, argumentiert Julian Affeldt. Dies hänge vor allem mit den physikalischen Eigenschaften der Batterien zusammen, die in den Elektroautos eingebaut sind. Die Akkuzellen könnten während einer gleichen Zeiteinheit nicht stets die gleiche elektrische Leistung aufnehmen. Die Leistungsaufnahme sei unter anderem abhängig vom jeweiligen Ladezustand und der Lufttemperatur. Bei steigendem Ladezustand würde sich zudem die Ladeleistung automatisch verringern. Der Preis, den der Kunde am Ende für eine Kilowattstunde zahle, könne im ungünstigsten Fall beim 16-Fachen des Preises für Haushaltsstrom liegen. Die IG fordert Vattenfall deshalb auf, auf eine zeitbasierte Abrechnung zu verzichten und ausschließlich nach erhaltener Arbeit abzurechnen.

Der Stromkonzern verweist auf die gängige Praxis in Berlin

Vattenfall-Sprecher Olaf Weidner verweist darauf, dass die Abrechnung der Ladevorgänge an den Schnellladestationen Teil der Erprobungsphase des Projekts sei. Eine Bezahlung des Stroms nach Minuten sei „im Markt bereits gängig Praxis“ und entspreche zudem den Vorgaben des Landes Berlin, welches für alle in seinem Auftrag neu errichteten Ladestationen einen Zeittarif vorschreibe.

Es sind aber wohl auch technische Probleme, die zu den Minutentarifen geführt haben. Laut RWE-Sprecherin Mielke gibt es auf dem Markt bislang noch keine geeichten und damit amtlich zugelassenen Zähler für die Gleichstromladestationen. Dies sei aber Voraussetzung, um die Leistung nach Kilowattstunden abzurechnen. Die Entwicklung müsse in die Richtung gehen, momentan sei dies aber noch nicht möglich. Geprüft werde im Forschungsprojekt schnell-laden-berlin.de auch die Entwicklung einer Software für die elektronische Abrechnung – etwa über eine Handy-App.

Julian Affeldt gibt sich mit den Antworten der Energiekonzerne nicht zufrieden. „Wir halten unsere Forderung nach leistungsbezogenen Tarifen aufrecht“, sagte er der Berliner Morgenpost. Bei der angekündigten Minutenabrechnung könnte es passieren, dass der Fahrer eines Elektroautos bis zu vier Euro pro Kilowattstunde zahlen muss. „Da heißt es dann ganz schnell: Elektromobilität – nein danke!“