Essen

Karstadt zahlt seinen Mitarbeitern Weihnachtsgeld

Kaufhauskonzern schreibt aber immer noch rote Zahlen

Essen.  Nicht zum ersten Mal schreibt Karstadt-Chef Stephan Fanderl einen Brief an die Mitarbeiter. Gerade ein Jahr ist es her, da bereitete Fanderl die bundesweit rund 14.000 Beschäftigten auf harte Einschnitte vor. Verglichen damit liest sich der jüngste Brief des Kaufhauschefs wie ein vorweihnachtliches Versöhnungsschreiben. Für die „lieben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“ hat er ein „großes Dankeschön“ parat.

„Das Sanierungsprogramm greift, wir stabilisieren die Erträge, reduzieren Kosten und beginnen verlorene Stammkundschaft zurückzugewinnen“, formulieren Fanderl und Karstadt-Finanzchef Miguel Müllenbach in dem Brief, der der Berliner Morgenpost vorliegt. „Nach langer Zeit verdienen wir wieder Geld über die Ladenkasse.“ Karstadt stehe heute erheblich besser da als vor einem Jahr.

Operativ hat Karstadt im Ende September abgelaufenen Geschäftsjahr ein positives zweistelliges Millionenergebnis erzielt. Unter dem Strich standen allerdings noch einmal rote Zahlen. Ziel sei, „im kommenden Jahr auch unter dem Strich ausgeglichen abzuschließen“, sagte Fanderl.

Als Motivation für das wichtige Adventsgeschäft kündigt das Führungsduo an, mit dem November-Gehalt werde – anders als im Sanierungsplan vorgesehen – das Weihnachtsgeld für 2015 ausgezahlt. Fanderl und der österreichische Karstadt-Eigentümer René Benko mit seiner Signa-Gruppe scheinen wieder größeren finanziellen Spielraum zu sehen. In der Vergangenheit waren den Karstadt-Beschäftigten zahlreiche Zugeständnisse bei den Löhnen und Gehältern zugemutet worden. Immerhin: Auch das gestundete Urlaubsgeld hat Karstadt auf die Konten der Mitarbeiter überwiesen.

Die Gewerkschaft Verdi reagiert betont nüchtern. Seit Karstadt im Zuge der Sanierung auf eine Tarifbindung verzichtet, ist das Klima unterkühlt. Mit Blick auf die Weihnachtsgeldauszahlung kommentiert Verdi-Sprecherin Eva Völpel: „Dies ist aus unserer Sicht keine generöse Geste, sondern geht zurück auf den Druck der Beschäftigten. Die meisten Beschäftigten hätten ohnehin Anspruch auf Weihnachtsgeld gehabt, weil die alten Tarifverträge noch nachwirken.“

2016 will Karstadt wieder investieren – in zunächst sechs Häuser fließt insgesamt ein zweistelliger Millionenbetrag. Auch Verdi sieht Handlungsbedarf. „Es gibt einen enormen Investitionsstau“, sagte Völpel.

Außerdem setzt der Karstadt-Chef wieder verstärkt auf das Prinzip „Alles unter einem Dach“. Karstadt habe sich unter seinem Vorgänger Andrew Jennings, der noch vom früheren Karstadt-Eigentümer Nicolas Berggruen verpflichtet worden war, aus zu vielen Warengruppen verabschiedet, räumt Fanderl ein. „Diese verlorene Kompetenz werden wir zurückgewinnen.“ Als „Sanierungsfall“ bezeichnet Fanderl die Karstadt-Lebensmitteltochter Perfetto – ein Gemeinschaftsunternehmen mit der Kölner Rewe-Gruppe. Er kündigt Filialschließungen an. „Wir werden hier künftig rund 35 bis 40 von heute noch 43 Standorten profitabel weiterbetreiben.“