Frankfurt/Main

VW-Affäre beschäftigt auch IG-Metall

Gewerkschaft wählt Benner und Hofmann zu neuen Vorsitzenden

Frankfurt/Main. Ein Tränchen musste sich Christiane Benner doch hinter ihrer Brille wegwischen: „Ich bin so stolz, als erste Frau an der Spitze der IG Metall stehen zu können“, sagte sie nach ihrer Wahl zu ersten weiblichen Zweiten Vorsitzenden der größten deutschen Einzelgewerkschaft. 429 Delegierte des Gewerkschaftstages hatten für sie gestimmt, neun mehr als für den neuen Ersten Vorsitzenden Jörg Hofmann.

Beide Vorsitzenden können Unterstützung gebrauchen, denn das Tarifgeschäft wird nicht leichter. Die Tarifbindung der Unternehmen lässt nach: In Westdeutschland ist die Zahl der Beschäftigten ohne Tarifbindung voriges Jahr um fünf Prozent auf 429.011 gestiegen, im Osten um 6,4 Prozent auf 18.539.

Auch beim Thema Arbeitszeit registriert die IG Metall eine zunehmende Entgrenzung. Dass mit Smartphones und Tablets permanente Erreichbarkeit abgefordert wird, treibt die Gewerkschaft um. Das will sie regulieren und auch in die „Industrie 4.0“ eingreifen – die Digitalisierung der Arbeit.

Zur VW-Affäre würde Hofmann lieber nichts sagen, doch die mehr als 1000 Metaller beim Gewerkschaftstag in Frankfurt verlangen nach Antworten – zumal Hofmann künftig anstelle Berthold Hubers auch im Aufsichtsrat von VW sitzen soll.

In keinem anderen Industrieunternehmen ist die IG Metall so stark wie bei VW. Mehr als 90 Prozent der VW-Stammbelegschaft sind gewerkschaftlich organisiert, geschützt vom VW-Gesetz spielt die IG Metall mit dem Land Niedersachsen im Aufsichtsrat eine gewichtige Rolle. Doch für strategische Entscheidungen sieht die IG-Metall allein die Familien Piëch und Porsche in der Verantwortung. „Die Mitbestimmung bezieht sich nicht auf die Frage, welche Komponenten in einen Motor eingebaut werden“, sagt Hofmanns Vorgänger Detlef Wetzel.

Dabei traten VW-Betriebsräte in der Vergangenheit gerne als Co-Manager auf, erläuterten Investitionsentscheidungen oder Schichtmodelle. Der Skandal um Lustreisen von Arbeitnehmervertretern auf Konzernkosten hatte den VW-Betriebsrat in eine tiefe Krise gestürzt. Bernd Osterloh stieg damals zum starken Mann im Betriebsrat auf.

Unklar ist, welche Rolle Osterloh bei VW künftig spielen wird. Ende November geht der bisherige VW-Personalvorstand Horst Neumann in den Ruhestand. Die IG Metall hat das Vorschlagsrecht für den wichtigen Posten.

Osterloh wird als Kandidat gehandelt. Auf Anfrage ließ der Konzernbetriebsrat mitteilen, eine Entscheidung stehe erst Ende November an. Leicht wird die Aufgabe nicht: Der neue Personalchef wird angesichts der Kosten des Skandals künftig auch schlechte Nachrichten überbringen müssen.